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Medizin

Mehr Krebs durch Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum

Freitag, 1. Juni 2012

Lyon – Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), eine Einrichtung der Welt­gesund­heits­organi­sation, rechnet in den nächsten Jahrzehnten mit einem deutlichen Anstieg der globalen Krebsinzidenz. Verantwortlich sind laut den Berechnungen in Lancet Oncology (2012; doi: 10.1016/S1470-2045(12)70211-5) vor allem die wirtschaftliche Entwicklung in den ärmeren Ländern und Schwellenländern sowie die steigenden Lebenserwartung.

Aus dem GLOBOCAN 2008, in dem die IARC die Daten zu 184 Ländern der Erde zusammengetragen hat, geht hervor, dass 40 Prozent aller Krebserkrankungen derzeit in den sehr hoch entwickelten Ländern (Nordamerika, Westeuropa, Australien) auftreten, in denen nur 15 Prozent der Weltbevölkerung leben.

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In diesen Ländern entfallen, ebenso wie in den hoch-entwickelten Ländern (Osteuropa, Lateinamerika, einige Ölstaaten des Nahen Ostens) die Hälfte aller Krebserkrankungen auf Karzinome von Brust, Prostata, Darm und Lunge, was mit den Risikofaktoren Kinderarmut (Brust), Alter (Prostata), Ernährung (Darm) und Rauchen (Lunge) in Verbindung gebracht wird, die Teil des westlichen Lebensstils sind.

Im Rest der Welt erkranken viele Menschen (noch) an infektionsbedingten Krebserkrankungen wie Zervixkarzinom (HPV), Magenkrebs (H. pylori), Leberkrebs (HBV, HCV) oder auch dem Kaposi-Sarkom (HIV). Sie sind dort häufiger als Lungen-, Brust oder Darmkrebs. Nimmt man noch den häufigen Speiseröhrenkrebs hinzu, entfallen fast zwei Drittel aller Krebserkrankungen auf sieben Entitäten.

Der IARC-Forscher Freddie Bray hat die Daten des GLOBOCAN 2008 mit den Trends für die Jahre 1988–2002 der Monografie Cancer Incidence in Five Continents kombiniert. Sein Ergebnis: In den nächsten beiden Jahrzehnten wird die Zahl der Krebsneuerkrankungen weltweit von 12,7 Millionen (in 2008) um 75 Prozent auf 22,2 Millionen (in 2030) ansteigen.

Am stärksten wird die Zunahme in den am wenigsten entwickelten Ländern wie Afrika südlich der Sahara ausfallen. Bray prognostiziert hier einen Anstieg um 93 Prozent. In den Schwellenländern wie Südafrika, China und Indien rechnet er mit einer Zunahme um 78 Prozent. Auch in diesen Ländern würden bald die Krebserkrankungen dominieren, die als Folge des westlichen Lebensstils gelten. © rme/aerzteblatt.de

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