NewsMedizinMammakarzinom: Zytotoxischer Antikörper könnte Leben verlängern
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Mammakarzinom: Zytotoxischer Antikörper könnte Leben verlängern

Montag, 4. Juni 2012

Durham – Die chemische Verbindung des Antikörpers Trastuzumab, als Herceptin in der Behandlung des Mammakarzinoms etabliert, mit einem Zytostatikum hat in einer randomisierten klinischen Studie das progressionsfreie Überleben beim metastasierten Mammakarzinom verlängert. Die auf der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology in Chicago vorgestellten Ergebnisse könnten dazu führen, dass das Medikament im zweiten Anlauf für die Therapie des metastasierten Mammakarzinoms zugelassen wird.

Anzeige

Sogenannte Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (antibody-drug conjugate, ADC) sind keine neue Idee. Firmen wie ImmunoGen aus Waltham/Massachusetts arbeiten schon seit den 80er Jahren an der Entwicklung von Krebsmedikamenten, die das Zytostatikum mit Hilfe eines Antikörper zur Krebszellen transportieren, um so die Wirkung auf den Tumor zu konzentrieren. Bis auf eine Ausnahme ist es jedoch bisher niemals zur Einführung eines solchen Medikaments gekommen.

Die Ausnahme ist Brentuximab vedotin, das als Adcetris im letzten Jahr in den USA zur Behandlung des Hodgkin Lymphoms (und einer seltenen Lymphom-Variante) zugelassen wurde (eine Entscheidung der EMA ist anhängig). Brentuximab vedotin kombiniert den Antikörper CD30 mit dem Zytostatikum Monomethylauristatin. Bei T-DM1 bindet Trastuzumab an dem Rezeptor HER-2/neu, was die Aktion des Zytostatikums Mertansin auf die Brustkrebszelle konzentriert.

T-DM1 wurde von ImmunoGen entwickelt, das es an Genentech in San Francisco lizensiert hat, einer Tochter der Schweizer Konzerns Roche. T-DM1 hat in einer früheren Phase-II-Studie die Tumorlast von „austherapierten“ Brustkrebspatientinnen deutlich gesenkt. Genentech hatte im Juli 2010 versucht, eine FDA-Zulassung zu erhalten, was die US-Arzneibehörde FDA allerdings abgelehnt hatte – auch zur Frustration von Patientenverbänden, die allerdings die Aussagekraft von Ergebnissen der frühen klinischen Prüfung häufig überschätzen.

Jetzt liegen erste Ergebnisse der randomisierten Phase-III-Studie vor, an der 991 Patientinnen mit HER2-positivem Mammakarzinom teilnahmen, bei denen es trotz Behandlung mit einem Taxan und Trastuzumab (und eventuell weiteren Wirkstoffen) zu einer fortgeschrittenen Metastasierung gekommen war. Die Patientinnen wurden in der Studie entweder mit einer Kombination aus Lapatinib (Tykerb von GlaxoSmithKline) plus Capecitabin (Xeloda von Roche) oder T-DM1 behandelt.

Wie die Gruppe um Kimberly Blackwell vom Duke Cancer Institute in Durham/North Carolina jetzt in Chicago mitteilt, hat T-DM1 das progressionsfreie Überleben von 6,4 Monate auf 9,6 Monate verlängert. Auch eine Verbesserung des Gesamtüberlebens scheint möglich: Die Einjahresüberlebensrate wurde von 77,0 auf 84,7 Prozent gesteigert. Nach 2 Jahren lebten noch 65,4 Prozent (T-DM1) gegenüber 47,5 Prozent (Tykerb plus Xeloda).

Die Therapie mit T-DM1 wurde laut Blackwell gut vertragen. Die häufigsten Komplikationen waren eine Thrombozytopenie und ein Anstieg der Leberenzyme AST und ALT. Dafür blieben die Patientinnen weitgehend von den Nebenwirkungen der Tykerb-Xeloda-Kombination wie Diarrhö, Hand-Fuß-Syndrom und Übelkeit verschont, was aus Sicht der Symptomkontrolle ein Vorteil sein dürfte.

Der Hersteller kündigte an, aufgrund der Ergebnisse noch in diesem Jahr (erneut) eine Zulassung in den USA zu beantragen. Ob sich allerdings die FDA ohne den sicheren Beweis eine Verlängerung des Gesamtüberlebens darauf einlässt, ist unklar. Eine Zulassung von T-DM1 könnte der Beginn einer neuen Generation von Krebsmedikamenten sind. Dem Vernehmen nach sollen sich etwa zwei Dutzend ähnliche ADC für unterschiedliche Indikationen in der klinischen Entwicklung befinden.

© rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

29. Oktober 2020
Heidelberg – Eine durchgemachte Brustkrebserkrankung belastet viele Patientinnen auch noch Jahre nach der Therapie. Das berichten Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) nach einer
Brustkrebs erhöht Depressionsrisiko auch nach vielen Jahren in Remission
27. Oktober 2020
Berlin – Das Mammografiescreeningprogramm können aktuell nur Frauen bis zum 69. Lebensjahr nutzen. Eine Anhebung dieser Altersgrenze auf 75 wurde gestern im Petitionsausschuss des Bundestages
Brustkrebsfrüherkennung: Staatssekretärin Weiß befürwortet Anhebung der Altersgrenze
15. Oktober 2020
Berlin – Künftig umfasst der Leistungskatalog der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) vier biomarkerbasierte Brustkrebstestverfahren. Einen entsprechenden Beschluss hat heute der Gemeinsame
Drei weitere Biomarker-Tests bei Brustkrebs als Entscheidungshilfe
12. Oktober 2020
Köln – Circa 90 Prozent der neudiagnostizierten Mammakarzinome sind bei Diagnose in einem frühen Stadium, also ohne Fernmestastasen. Die Erkrankung ist mit einem multimodalen Therapiekonzept meist
„Wichtig ist, dass wir bei den Eskalations- und Deeskalationsstrategien leitliniengerecht vorgehen“
30. September 2020
Bonn – Brustkrebs bei Männern ist selten, pro Jahr erhalten nur etwa 700 Männer in Deutschland diese Diagnose. Laut einer Studie der Universitätsklinik Bonn profitieren sie zwar von den
Brustkrebs beim Mann: Behandler sehen Versorgungsdefizite
30. September 2020
Heidelberg – In den USA erkranken altersstandardisiert mehr Frauen an Brustkrebs als in Deutschland. Aber die Sterblichkeit ist offenbar deutlich geringer. Das berichten Wissenschaftler des Deutschen
Sterblichkeit wegen Brustkrebs bei älteren Frauen in Deutschland höher als in den USA
22. September 2020
Lugano/Köln – Der CDK4/6-Inhibitor Abemaciclib senkt bei Frauen mit frühem Hormonrezeptor-positivem (HR+), Her2-negativem (Her2-) Brustkrebs und hohem Rückfallrisiko die Rate invasiv rezidivierter und
VG WortLNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER