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Medizin

Mammakarzinom: Zytotoxischer Antikörper könnte Leben verlängern

Montag, 4. Juni 2012

Durham – Die chemische Verbindung des Antikörpers Trastuzumab, als Herceptin in der Behandlung des Mammakarzinoms etabliert, mit einem Zytostatikum hat in einer randomisierten klinischen Studie das progressionsfreie Überleben beim metastasierten Mammakarzinom verlängert. Die auf der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology in Chicago vorgestellten Ergebnisse könnten dazu führen, dass das Medikament im zweiten Anlauf für die Therapie des metastasierten Mammakarzinoms zugelassen wird.

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Sogenannte Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (antibody-drug conjugate, ADC) sind keine neue Idee. Firmen wie ImmunoGen aus Waltham/Massachusetts arbeiten schon seit den 80er Jahren an der Entwicklung von Krebsmedikamenten, die das Zytostatikum mit Hilfe eines Antikörper zur Krebszellen transportieren, um so die Wirkung auf den Tumor zu konzentrieren. Bis auf eine Ausnahme ist es jedoch bisher niemals zur Einführung eines solchen Medikaments gekommen.

Die Ausnahme ist Brentuximab vedotin, das als Adcetris im letzten Jahr in den USA zur Behandlung des Hodgkin Lymphoms (und einer seltenen Lymphom-Variante) zugelassen wurde (eine Entscheidung der EMA ist anhängig). Brentuximab vedotin kombiniert den Antikörper CD30 mit dem Zytostatikum Monomethylauristatin. Bei T-DM1 bindet Trastuzumab an dem Rezeptor HER-2/neu, was die Aktion des Zytostatikums Mertansin auf die Brustkrebszelle konzentriert.

T-DM1 wurde von ImmunoGen entwickelt, das es an Genentech in San Francisco lizensiert hat, einer Tochter der Schweizer Konzerns Roche. T-DM1 hat in einer früheren Phase-II-Studie die Tumorlast von „austherapierten“ Brustkrebspatientinnen deutlich gesenkt. Genentech hatte im Juli 2010 versucht, eine FDA-Zulassung zu erhalten, was die US-Arzneibehörde FDA allerdings abgelehnt hatte – auch zur Frustration von Patientenverbänden, die allerdings die Aussagekraft von Ergebnissen der frühen klinischen Prüfung häufig überschätzen.

Jetzt liegen erste Ergebnisse der randomisierten Phase-III-Studie vor, an der 991 Patientinnen mit HER2-positivem Mammakarzinom teilnahmen, bei denen es trotz Behandlung mit einem Taxan und Trastuzumab (und eventuell weiteren Wirkstoffen) zu einer fortgeschrittenen Metastasierung gekommen war. Die Patientinnen wurden in der Studie entweder mit einer Kombination aus Lapatinib (Tykerb von GlaxoSmithKline) plus Capecitabin (Xeloda von Roche) oder T-DM1 behandelt.

Wie die Gruppe um Kimberly Blackwell vom Duke Cancer Institute in Durham/North Carolina jetzt in Chicago mitteilt, hat T-DM1 das progressionsfreie Überleben von 6,4 Monate auf 9,6 Monate verlängert. Auch eine Verbesserung des Gesamtüberlebens scheint möglich: Die Einjahresüberlebensrate wurde von 77,0 auf 84,7 Prozent gesteigert. Nach 2 Jahren lebten noch 65,4 Prozent (T-DM1) gegenüber 47,5 Prozent (Tykerb plus Xeloda).

Die Therapie mit T-DM1 wurde laut Blackwell gut vertragen. Die häufigsten Komplikationen waren eine Thrombozytopenie und ein Anstieg der Leberenzyme AST und ALT. Dafür blieben die Patientinnen weitgehend von den Nebenwirkungen der Tykerb-Xeloda-Kombination wie Diarrhö, Hand-Fuß-Syndrom und Übelkeit verschont, was aus Sicht der Symptomkontrolle ein Vorteil sein dürfte.

Der Hersteller kündigte an, aufgrund der Ergebnisse noch in diesem Jahr (erneut) eine Zulassung in den USA zu beantragen. Ob sich allerdings die FDA ohne den sicheren Beweis eine Verlängerung des Gesamtüberlebens darauf einlässt, ist unklar. Eine Zulassung von T-DM1 könnte der Beginn einer neuen Generation von Krebsmedikamenten sind. Dem Vernehmen nach sollen sich etwa zwei Dutzend ähnliche ADC für unterschiedliche Indikationen in der klinischen Entwicklung befinden.

© rme/aerzteblatt.de

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