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Medizin

Prostatakarzinom: Therapiepausen können das Leben verkürzen

Montag, 4. Juni 2012

Ann Arbor – Die Hoffnung, dass die von vielen Patienten gewünschten Pausen in der Hormontherapie des Prostatakarzinoms ohne negative Folgen bleiben, haben sich nicht erfüllt. Eine internationale Studie, die auf der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology in Chicago vorgestellt wurde, zeigt, dass die Pausen die Überlebenszeit sogar verkürzen können.

Die Therapie des metastasierten Prostatakarzinoms besteht in einer chirurgischen oder medikamentösen Kastration. Die medikamentöse Therapie strebt danach, die Bildung von Testosteron, einem wesentlichen Wachstumsfaktor des Prostatakarzinoms, auszuschalten. Bei vielen Patienten gelingt es unter dieser Androgendeprivation tatsächlich, das Tumorwachstum zu bremsen, was sich in einem Abfall des PSA-Wertes bemerkbar macht.

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Die Kastration, ob chirurgisch oder medikamentös, bedeutet für die Patienten eine deutliche Einschränkung ihrer Lebensqualität. Es kommt zu Hitzewallungen, zur Gewichtszunahme und zu einem Verlust von Vitalität und Libido. Viele Patienten wünschen sich deshalb Pausen ihrer lebenslangen Therapie, was bei der medikamentösen im Gegensatz zur chirurgischen Kastration problemlos möglich ist.

In der Studie 9.346 hat die Southwest Oncology Group (SWOG) die Auswirkungen der Therapiepausen untersucht. An weltweit mehr als 500 Zentren wurde bei allen 3.040 Teilnehmern zunächst eine Androgendeprivation mit Goserelin plus Bicalutamid durchgeführt. Nach sieben Monaten wurden die 1.535 Patienten, bei denen es unter der Therapie zu einem Abfall des PSA-Werts auf unter 4 ng/ml gekommen war, auf eine intermittierende Therapie oder eine kontinuierliche Therapie randomisiert.

Bei der intermittierenden Therapie wurden die Medikamente abgesetzt, bis es wieder zu einem Anstieg des PSA-Werts gekommen war. In diesem Fall führten sie erneut für 7 Monate eine Androgendeprivation durch, um im Fall eines PSA-Abfalls erneut eine Pause einzulegen.

Ursprünglich hatte das Team um Maha Hussain vom University of Michigan Comprehensive Cancer Center in Ann Arbor gehofft, dass die intermittierende Therapie nicht nur die Lebensqualität verbessert, sondern auch die Dauer bis zum Rezidiv des Krebsleidens hinauszögert. Diese Erwartung wurde aber enttäuscht. Die Patienten lebten unter der kontinuierlichen Therapie im Durchschnitt noch 5,8 Jahre. Die 10-Jahresüberlebensrate betrug 29 Prozent.

Unter der intermittierenden Therapie lebten die Patienten im Durchschnitt noch 5,1 Jahre. Die 10-Jahresüberlebensrate betrug 23 Prozent. Da die Therapiepausen die Lebensqualität verbessert – auch wenn die Studiendaten dies nicht klar zeigen – mag dies aus Sicht der Patienten ein Gegenwert für die minimale Verkürzung der Überlebenszeit sein.

Dies trifft allerdings nur für Patienten mit extensiver Erkrankung zu. Bei Patienten mit minimaler Erkrankung, von denen der Wunsch nach einer Pause vermutlich am häufigsten geäußert wird, kam es durch die intermittierende Therapie zu einer deutlichen Verschlechterung der Prognose.

Die durchschnittliche Überlebenszeit fiel signifikant von 7,1 auf 5,2 Jahre (während sie bei Patienten mit extensiver Erkrankung von 4,4 auf 5,0 Jahre sogar tendenziell anstieg). Für Hussain ist dies ein Zeichen dafür, dass Patienten mit minimaler und extensiver Erkrankung in Fragen einer Therapiepause unterschiedlich beraten werden sollten. © rme/aerzteblatt.de

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