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Medizin

Globale Zunahme der Frühgeburten

Freitag, 8. Juni 2012

dpa

Kapstadt – Weltweit kommt fast jedes neunte Kind zu früh zur Welt. Am häufigsten sind Frühgeburten in Schwarzafrika, Südasien – und in den USA. In Europa ist einer Studie im Lancet (2012: 379: 2162-2172) in den letzten Jahren zu einer deutlichen Zunahme gekommen.

Bereits im Mai hatte die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) ihren Report „Born to Soon“ veröffentlicht, der teilweise die Ergebnisse der Arbeitsgruppe um Joy Lawn von der unabhängigen Kinderrechtsorganisation Save the Children in Kapstadt enthält. Danach kamen von 135 Millionen Kindern, die weltweit im Jahr 2010 geboren wurden, schätzungsweise 14,9 Millionen vor dem Ende der 37. Gestationswoche zur Welt, was ein Anteil von 11,1 Prozent wäre. Es könnten aber auch 12,3 oder 18,1 Millionen gewesen sein. Eine genaue Zahl konnte Lawn nicht ermitteln, da die Angaben vieler Länder unzuverlässig sind oder mangels Ressourcen gar nicht erhoben werden.

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Der Anteil der Frühgeburten ist international sehr unterschiedlich. Die höchste Rate hat laut Lawn Malawi, wo 18 Prozent der Kinder zu früh geboren werden. In Nordeuropa, vor allem in Skandinavien, liegt die Rate dagegen unter 5 Prozent. Die hohe Rate in den Ländern mit einem niedrigen Einkommen ist vor allem auf Infektionen zurückzuführen. Unbehandelte Harnwegsinfektionen, Malaria, bakterielle Vaginose, aber auch HIV und Syphilis können Frühgeburten auslösen, heißt es in dem WHO-Report.

Auffallend ist der hohe Anteil an Frühgeburten in einigen Ländern mit hohem Einkommen, zu denen Lawn neben den USA (Anteil 12 Prozent) auch Österreich (Anteil 10,9 Prozent) zählt (keine Angaben zu Deutschland). Hier könnten der hohe Anteil der Mehrlingsgeburten, der Anstieg des mütterlichen Alters und wahrscheinlich auch die zunehmende Adipositas eine Rolle spielen, die jeweils als Risikofaktoren für eine Frühgeburt bekannt sind. Die Studie selbst legt hierzu keine Zahlen vor. Auch die Defensivmedizin könnte Gynäkologen dazu bewegen, die Geburt frühzeitig einzuleiten.

Viele europäische Länder haben sich in den letzten Jahren den USA angenähert. Zu den Ländern, in denen zwischen 1990 und 2000 die Rate der Frühgeburten deutlich gestiegen ist gehören Zypern (2,8 Prozent), Slovenien (2,6 Prozent), Belgien (2,5 Prozent); Österreich (2,3 Prozent), Spanien (2,2 Prozent), Irland (2,1 Prozent), Portugal (1,9 Prozent), Griechenland (1,9 Prozent), Frankreich (1,6 Prozent), Großbritannien (1,5 Prozent) und Bosnien (1,5 Prozent). Zu Deutschland gibt es auch hier keine Angaben. In den USA (Anstieg 0,7 Prozent) scheint die Frühgeburtenrate dagegen langsam ein Plateau zu erreichen. Gesunken ist die Zahl der Frühgeburten weltweit nur in drei Ländern (Kroatien, Ecuador und Estland).

In Ländern mit fehlendem Gesundheitssystem enden Frühgeburten oft tödlich. Laut einer kürzlich ebenfalls im Lancet (2012; 379; 2151-2161) publizierten Studie sind Frühgeburten für ein Drittel aller neonatalen Todesfälle verantwortlich. Dies ist ein wesentlicher Grund dafür, dass die Vereinten Nationen das Millennium-Entwicklungsziel Nummer vier (MDG4), die Kindersterblichkeit bis 2015 um zwei Drittel zu senken, wahrscheinlich verfehlen werden.

In den reicheren Ländern sind Frühgeburten auch ein finanzielles Problem. Nach einer Schätzung des Institute of Medicine (IOM) entfallen auf die 12 Prozent der Frühgeburten in den USA 60 Prozent der Ausgaben in der Neonatalmedizin. Die Kosten sind umso höher, je früher die Kinder geboren werden. Sie liegen bei einer Geburt in der 35. Woche mehr als zehnmal so hoch wie bei einer Geburt in der 38. Woche (4733 versus 441 US-Dollar). © rme/aerzteblatt.de

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