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Medizin

Toxoplas­mose-Behandlung von Schwangeren auf hohem Niveau

Freitag, 8. Juni 2012

Göttingen – Die in Deutschland angewandten Behandlungen gegen Toxoplasmose in der Schwangerschaft schützen ungeborene Kinder effektiv vor einer Infektion durch die Mutter. Das ergab eine Studie unter der Leitung von Uwe Groß, Direktor der Abteilung Medizinische Mikrobiologie an der Universitätsmedizin Göttingen, gemeinsam mit Harald Hlobil von den „Laborärzten Sindelfingen“. Sie ist in der Zeitschrift Clinical Infectious Diseases erschienen (2012; 54:1545-52).

Wasserkopf, Veränderungen im Gehirn und Augenschäden sind einige der schweren Folgen für ein Kind, wenn sich die Mutter während der Schwangerschaft erstmals mit dem Parasiten Toxoplasma gondii infiziert. Die meisten Mütter merken selbst nichts von einer solchen Infektion. Ein freiwilliger Bluttest auf Toxoplasmose kann jedoch die Infektion erkennen und gehört in Frankreich und Österreich zum Vorsorgeprogramm bei einer Schwangerschaft.

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Bislang war umstritten, ob das in Deutschland übliche Therapie-Schema zum Schutz des Kindes vor einer Infektion tatsächlich wirksam ist. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützte daher eine entsprechende Untersuchung.

Für die bislang umfassendste deutsche Studie zur Toxoplasmose untersuchten die Autoren 685 schwangere Frauen mit einer Erstinfektion während der Schwangerschaft und beurteilten den Gesundheitszustand ihrer Kinder mehr als drei Jahre über die Geburt hinaus.

Die Ergebnisse zeigen: Mit der in Deutschland üblichen Therapie wird das Risiko einer Übertragung der Toxoplasmen von der Mutter auf das Kind deutlich gesenkt. „Im Vergleich zu Untersuchungen an unbehandelten Schwangeren oder zu Therapieschemata anderer Länder haben wir eine Rate von weniger als fünf Prozent, das ist ein ausgesprochen niedriges Risiko“, sagte Groß. So wurden bei den 685 frisch infizierten Schwangeren insgesamt 33 Kinder mit einer sogenannten pränatalen Toxoplasma-Infektion beobachtet. Von diesen wiederum wiesen elf Kinder klinische Symptome bei der Geburt oder innerhalb ihrer ersten Lebensjahre auf.

Schwangere können in einem Screening-Bluttest frühzeitig feststellen, ob sie bereits vor der Schwangerschaft schützende Antikörper gebildet haben. Zeigen die Blutteste an, dass eine frische Infektion vorliegt, wird in Deutschland in der Regel über mindestens vier Wochen eine antiparasitäre Therapie mit dem Medikament Spiramycin bis zur 16. Schwangerschaftswoche oder danach mit der Kombination aus Pyrimethamin, Sulfadiazin und Folinsäure durchgeführt.

Die Toxoplasmose gehört zu den weltweit häufigsten Infektionskrankheiten, die durch Parasiten verursacht werden. Verursacher ist der Parasit Toxoplasma gondii, ein naher Verwandter des Malaria-Erregers. Allein in Deutschland ist geschätzt jeder dritte Mensch mit Toxoplasmen infiziert.´Beim immungesunden Erwachsenen verläuft die Infektion meistens ohne Symptome.

Zu einer Toxoplasma-Infektion kann es durch den Verzehr von unzureichend erhitzten Fleischprodukten infizierter Tiere kommen, zum Beispiel Schweinemett. Kontakt mit infizierten Katzen birgt ein weiteres Risiko, wenn diese die Toxoplasmen mit dem Stuhl ausscheiden und dadurch zum Beispiel den Gartenboden oder das Gemüsebeet kontaminieren. © hil/aerzteblatt.de

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