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Bremen: Desinfektionsanlage auf Frühchenstation im Visier

Freitag, 8. Juni 2012

Bremen – Auf der Suche nach der Quelle des tödlichen Darmkeims auf der Frühgeborenen-Station steht das Klinikum Bremen Mitte offenbar vor dem Durchbruch. Ausgerechnet in einer Dosieranlage für Desinfektionsmittel wurde die DNA des Keimstamms entdeckt, wie der Direktor des Instituts für Hygiene der Universität Bonn, Martin Exner, am Freitag in Bremen sagte. Der gefährliche Darmkeim saß in einem Schlauch, der Frischwasser zum Desinfektionskonzentrat zuführt.

Ob es sich tatsächlich um den identischen Keimstamm handele, müsse noch weiter untersucht werden. Mit einem Ergebnis werde erst in ein bis zwei Wochen gerechnet. Bislang sei der Nachweis nur molekularbiologisch gewonnen worden, nicht kulturell. Ein Desinfektionsgerät „wäre eine besonders tückische Quelle“, betonte Exner.

Exner war als Sachverständiger vom Klinikverbund Gesundheit Nord Anfang April mit der Aufklärung der Keimvorfälle beauftragt worden. Auf der Frühgeborenen-Station waren 2011 drei Babys an Keiminfektionen infolge mangelnder Hygiene gestorben, viele Kinder erkrankten. Nachdem die Abteilung geschlossen, umfangreich desinfiziert, umgebaut und dann wiedereröffnet worden war, tauchte der Keim im Februar 2012 erneut auf. Zwei infizierte Frühchen starben – ob am Keim, ist unklar.

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Keim offenbar in Schlauch „hochgeklettert“
Die Desinfektionsanlage sei „eine mögliche Quelle“, sagte Exner. Wie der Keim in den Schlauch gelangt sei, könne vermutlich nicht mehr in Erfahrung gebracht werden. Offenbar sei er aber nicht über die Trinkwasserleitung sondern von der anderen Seite „hochgeklettert“.
Der Keim habe sich in dem im Schlauch gebildeten Biofilm abgesetzt. Dort hätten sich „Flatschen“ gebildet, die sich von Zeit zu Zeit losgelöst haben können. Wegen der Klumpenform habe der Keim auch im Desinfektionsmittel überleben können. Auf diese Weise sei der Keim offenbar auch nicht kontinuierlich abgegeben worden, sondern nur wenn sich ein "Flatschen" vom Biofilm löste. Ein solcher Biofilm könne in einem Trinkwasserschlauch nicht vermieden werden, sagte Exner.

„Die Spur passt auf das, was an Beobachtung da ist“, sagte Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD). Nach der Wiedereröffnung der Station im Januar sei der Keim erst wochenlang nicht aufgetaucht und dann plötzlich in hoher Konzentration, sodass fünf Kinder mit ihm in Kontakt kamen.

Ausländisches Kind brachte Keim auf Station
Nachdem die Frühgeborenen-Station danach erneut geschlossen und damit auch die Desinfektionsanlage stillgelegt worden war, tauchte der Keim allerdings in der Kinderklinik auf. Exner wies daraufhin, dass dort zwei mit dem Keim besiedelte Kinder der ersten Infektionswelle lagen. Sie seien zwar in isolierten Zimmern untergebracht, dennoch müsse es eine Übertragung gegeben haben.

Exner sagte, ursprünglich sei der gefährlich Darmkeim möglicherweise über ein aus dem Ausland stammendes Kind in die Klinik gelangt, das 2009 behandelt worden war. Bei ihm sei erstmals der Klebsiella-Stamm entdeckt worden, der bis dahin noch nie in Deutschland aufgetaucht war. © dapd/aerzteblatt.de

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