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Medizin

Diabetes: Exenatid-Metformin-Kombi­nation im Vorteil

Montag, 11. Juni 2012

Tübingen – Für Patienten mit Typ-2-Diabetes mellitus, die unter einer Monotherapie mit Metformin auf Dauer keine befriedigenden Blutzuckerwerte erzielen, hat sich die Kombination mit Exenatid in einer Vergleichsstudie zur Kombination mit Glimepirid als etwas günstiger erwiesen. Dies geht aus einer Studie im Lancet (2012; doi: 10.1016/S0140-6736(12)60479-6) hervor, die auch auf der Jahrestagung der American Diabetes Association in Philadelphia vorgestellt wurde.

Die meisten Diabetologen betrachten heute Metformin als Mittel der Wahl in der Behandlung des Typ-2-Diabetes mellitus. Da die Erkrankung jedoch fortschreitet, erzielen die meisten Patienten nach einer gewissen Zeit unter der Monotherapie mit Metformin keine befriedigenden HbA1c-Werte mehr. Für die Kombination stehen heute eine Vielzahl von Wirkstoffen wie Sulfonylharnstoffe, Dipeptidyl-Peptidase-4-Inhibitoren, Pioglitazon, Alpha-Glucosidase-Inhibitoren oder GLP-1-Rezeptor-Agonisten zur Verfügung, sofern die Patienten nicht auf Insulin eingestellt werden.

Viele Ärzte verschreiben ein Sulfonylharnstoff, da die Wirkung rasch einsetzt. Diabetologen sind zurückhaltender, da es mittelfristig wieder zu einer Verschlechterung kommt. Außerdem ist das Risiko von Hypoglykämien erhöht und die Patienten nehmen an Gewicht zu.

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Diese Folgen zeigten sich auch in der EUREXA-Studie des Herstellers Lilly, die für sich behaupten kann, mit einer Behandlungsdauer von bis zu 54 Monaten die mit Abstand längste randomisierte Vergleichsstudie zur Kombinationstherapie des Typ-2-Diabetes mellitus zu sein, auch wenn sie aus einem wirtschaftlichen Interesse des Herstellers heraus nur eine von vielen Alternativen zur Sulfonylharnstoff-Kombination untersuchte, nämlich die zweimal tägliche Injektion des GLP-1-Agonisten Exenatid.

Unter der Leitung von Baptist Gallwitz vom Universitätsklinikum Tübingen waren an 128 Zentren in 14 Ländern 1029 übergewichtige Typ-2-Diabetiker (BMI 25-40) mit unbefriedigendem HbA1c-Wert (6,5 Prozent oder höher) unter der Monotherapie auf eine Add-On-Behandlung mit Exenatid oder Glimepirid randomisiert worden.

Primärer Endpunkt war das Therapieversagen mit einer befriedigenden Blutzuckerkontrolle: HbA1c 9 Prozent oder mehr nach 3 Monaten oder 7 Prozent nach 6 Monaten oder später. Dazu kam es im Exenatid-Arm bei 41 Prozent und im Glimepirid-Arm bei 54 Prozent der Patienten (Hazard Ratio 0,748). Einen HbA1c-Wert von 7 Prozent oder weniger erzielten 45 Prozent unter Exenatid und nur 31 Prozent unter Glimepirid.

Das Nebenwirkungsprofil war unter Exenatid günstiger. Die Patienten nahmen 3,32 kg ab, gegenüber einer Zunahme von 1,15 kg unter Glimepirid. Auch die Rate von symptomatischen und nächtlichen Hypoglykämien war niedriger. Andererseits war – ebenfalls erwartungsgemäß – die Verträglichkeit von Exenatid schlechter, das (in der Kombination mit Metformin) häufiger zu Übelkeit (29 versus 2 Prozent), Erbrechen (9 versus 2 Prozent) und Durchfall (12 versus 7 Prozent) führte als die Kombination von Glimepirid plus Metformin. Vor allem die gastrointestinalen Nebenwirkungen waren für Patienten unter Exenatid signifikant häufiger ein Grund zum Studienabbruch.

Für Patienten, die Exenatid vertragen, ist die Kombination mit Metformin eine wirksame Alternative zur Kombination mit einem Sulfonylharnstoff. Der zeitliche Verlauf der HbA1c-Werte zeigt jedoch, dass früher oder später für die meisten Patienten andere Optionen erforderlich werden. © rme/aerzteblatt.de

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