NewsMedizinWarum Pankreaskarzinome so gefährlich sind
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Warum Pankreaskarzinome so gefährlich sind

Dienstag, 12. Juni 2012

New York – Die Tumorzellen bei Karzinomen der Bauchspeicheldrüse bedienen sich bestimmter Zytokine, um das menschliche Immunsystem zu unterdrücken und dadurch gefährlicher zu werden. Während der Körper die Tumorzellen noch nicht als solche erkennt, kann das Karzinom wachsen. Das haben Wissenschaftler der University of New York festgestellt und damit auch Aussichten auf neue Therapieziele gegeben. Die entsprechende Studie erscheint im Fachmagazin Cancer Cell (doi: 10.1016/j.ccr.2012.04.024).

Das Pankreaskarzinom ist besonders wegen des aggressiven Wachstums und der späten Diagnostik gefürchtet. Zum Zeitpunkt der Diagnose sind mehr als drei Viertel der Tumore weit fortgeschritten, sodass nur etwa vier Prozent der Patienten fünf Jahre nach der Diagnosestellung noch leben.

Doch daran könnte sich möglicherweise bald etwas ändern, meinen die New Yorker Wissenschaftler unter der Leitung von Safna Bar-Sagi.

Anzeige

Sie konstatieren zunächst, dass die molekularen Mechanismen, mit denen Pankreas­karzinome das umgebende Gewebe beeinflussen, noch nicht gut erforscht seien. Es gelang ihnen aber nachzuweisen, dass eine Mutation im sogenannten KRAS-Gen dafür verantwortlich ist, dass die Tumorzellen das Glykoprotein GM-CSF (granulozyte macrophage – colony stimulating factor) produzieren.

 Dieses Glykoprotein wirkt im menschlichen Immunsystem als Zytokin und vermittelt normalerweise die Differenzierung noch unreifer Zellen im Knochenmark in kompetente Makrophagen oder Granulozyten. Bei an einem Pankreastumor erkrankten Patienten produziert der GM-CSF jedoch bestimmte Suppressorzellen, die das natürliche Abwehrsystem unterdrücken und die Karzinomzellen für die Immunzellen unsichtbar machen.

In ihrem Mausmodell gelang es ihnen anschließend, die GM-CSF-Produktion zu blockieren, sodass weniger Suppressorzellen aktiv waren und die Immunantwort den Tumor entdecken und bekämpfen konnte.

Ihr Ansatz für eine mögliche neue Therapiestrategie gegen das Pankreaskarzinom richtet sich demnach also danach, die im Körper vorhandenen Abwehrmechanismen zu stärken. Auch die Tatsache, dass knapp 95 Prozent aller Pankreaskarzinom-Arten das Glykoprotein GM-CSF produzieren, lässt die Autoren hoffen, dass von eventuellen, zukünftigen Therapien möglichst viele Betroffenen profitieren könnten.

Die zugrunde liegende Mutation in dem KRAS-Gen betrifft darüber hinaus nicht nur das Pankreaskarzinom. Denn auch Tumore im Dickdarm oder der Lunge haben in vorangegangenen Studien bereits gezeigt, dass auf molekularer Ebene dieses Gen beteiligt ist. In diesem Zusammenhang gewinne die Entdeckung der Immunsuppression durch GM-CSF noch mehr an Bedeutung, finden die Wissenschaftler.  © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

16. Oktober 2020
Heidelberg – Adenokarzinome der Bauchspeicheldrüse gibt es offenbar in Form zweier unterschiedlich aggressiver Subtypen. Bei dem aggressiveren Subtyp führt ein als virale Mimikry bezeichnetes Phänomen
Pankreaskarzinom: Subtypen mit unterschiedlicher Aggressivität entdeckt
28. September 2020
Berlin – In Krankenhäusern, in denen häufiger komplexe Eingriffe am Organsystem Pankreas vorgenommen werden, stehen die Überlebenschancen besser. Dies geht aus einem heute veröffentlichten
Bauchspeicheldrüsen-OP: Geringere Sterblichkeit bei höheren Fallzahlen
18. September 2020
Göttingen – Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert eine neue Klinische Forschungsgruppe (KFO) an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) für vier Jahre mit rund 5,9 Millionen Euro. Ziel der
Millionenförderung für Göttinger Wissenschaftler zur Erforschung des Pankreaskarzinoms
7. August 2020
Marburg – An besseren Behandlungsmöglichkeiten für Patienten mit metastasiertem Pankreaskarzinom forschen Wissenschaftler unter Federführung der Klinik für Innere Medizin, Gastroenterologie,
Neuer Forschungsverbund zu Bauchspeicheldrüsenkrebs
4. März 2020
Houston/Texas – Ein Viertel aller Pankreaskarzinome weist genetische Veränderungen auf, die Angriffspunkte für eine gezielte Therapie mit bereits zugelassenen Wirkstoffen bieten. In einer
Personalisierte Therapie verlängert Überleben bei Pankreaskarzinom um ein Jahr
7. November 2019
Köln – Tumore programmieren Zellen um, damit sie sich auch mit wenig Nährstoffen und unter Sauerstoffmangel weiter ausbreiten können. Ein wichtiges Enzym aus Mitochondrien, dass in diese Anpassung
Wachstum von Pankreaskarzinomzellen in Mäusen gestoppt
7. November 2019
München – Eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse oder Krebs in diesem Organ geht oft mit starken und anhaltenden Schmerzen einher. Sie sind schwer behandelbar, da viele Schmerzmittel dort nicht
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER