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Medizin

Erfolgreiche Klitoris-Rekon­struktion nach Genital­verstümmelung

Dienstag, 12. Juni 2012

Paris – Ein französischer Chirurg hat eine Form der Klitoris-Rekonstruktion entwickelt, die die den meisten Frauen mit Genitalverstümmelung von ihren Schmerzen befreit und bei einigen die Orgasmusfähigkeit wenigstens teilweise (wieder) herstellt. Laut dem Bericht im Lancet (2012; doi: 10.1016/S0140- 6736(12)60400-0) wurden seit 1998 fast 3.000 Frauen operiert.

Die Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation, FGM) wird heute noch in vielen afrikanischen Ländern praktiziert, aber auch in Indonesien, Malaysia, Teilen des persischen Golfs ist sie verbreitet, ebenso bei einigen ethnischen Minderheiten im Jemen Oman, Iran, Irak, Kurdistan sowie Zentral- und Südamerikas. Infolge der Migration aus diesen Ländern sind auch einige in Mitteleuropa lebende Frauen „beschnitten“.

Die Frauen, die sich an das St Germain Poissy Hospital im Westen von Paris wandten, kamen vor allem aus Westafrika. Ein Viertel von ihnen war aber in Frankreich (illegalerweise und im Verborgenen) beschnitten worden. Seit 1998 haben Pierre Foldès und sein Team 2.938 Frauen beschnitten. Unter Vollnarkose legen die Chirurgen unter einer knopfförmigen Öffnung der Haut den amputierten Clitorisstumpf frei, der häufig in von einer Fibrosekapsel umgeben und am Schambeinknochen festgewachsen ist.

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Die Vernarbung wird entfernt, und der Klitorisschaft wird so weit mobilisiert, dass der Stumpf abwärts in die frühere Position der Glans clitoris verlegt werden kann. Um diese Positionierung zu erleichtern, wird das Ligamentum suspensorium durchtrennt, das normalerweise den Schaft der Klitoris mit dem Schambein verbindet.

Die originale Glans clitoris, die bei den verschiedenen Formen der FGM teilweise oder ganz entfernt wird, kann die Operation nicht ersetzen. Die „Neoglans“ soll jedoch die Funktion der früheren Klitoris teilweise wieder herstellen, was vielfach auch gelang. Von den 834 Frauen, die Foldès ein Jahr nach der Operation nachuntersuchen konnte, berichteten 815 eine Verbesserung der klitoralen Empfindung.

Ein Drittel der Frauen, die vor der Operation niemals einen Orgasmus hatten, empfanden ihn jetzt teilweise oder ganz. Von den Frauen, die vorher einen eingeschränkten Orgasmus hatten, gab jetzt jede zweite einen regelmäßigen Orgasmus an. Es gab aber auch Frauen (12 von 53 Patientinnen), bei denen sich die Orgasmusfähigkeit nach der Operation verschlechtert hatte.

Anfangs hatten sich die Frauen jedoch aus anderem Grund an Foldès gewandt. Bei den meisten Frauen kommt es nach der FGM zu chronischen Schmerzen. Hier konnte die Operation die Beschwerden bei 821 von 840 Frauen lindern. Dem stand ein vergleichbar geringes Operationsrisiko gegenüber. Nur bei 5 Prozent der Frauen kam es zu Hämatomen, Nahtinsuffizienzen oder vorübergehend leichtem Fieber. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #98372
Thelber
am Freitag, 15. Juni 2012, 21:04

Ein Mann, ...

,,, eine gute Tat !!
LNS

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