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Politik

Experten mahnen bessere Versorgungsforschung an

Mittwoch, 13. Juni 2012

Berlin – Wissenschaftler haben gegen­über der Bundesregierung eine Verbesserung der Versorgungsforschung eingefordert. „Wir sind ein Schmarotzer­land“, sagte der Direktor des Instituts für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und Rehabilitations­wissen­schaft (IMVR), Holger Pfaff, bei einer öffentlichen Sitzung des Bildungs­ausschusses. „Die anderen Länder machen die Forschung, und wir nehmen nur, ohne eigene Forschung zu betreiben. Das geht nicht.“

„Wir können die Forschungsergebnisse aus Großbritannien oder den USA auch nicht einfach übernehmen, denn wir haben ein ganz anderes Gesundheitssystem“, ergänzte Gerd Glaeske vom Zentrum für Sozialpolitik (ZES) der Universität Bremen. „Deshalb brauchen wir auch eine Versorgungsforschung in unserem System.“

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„Das Problem ist heute, dass wir nicht genau erkennen können, wie sozioökonomische Bedingungen zu epidemiologischen Auffälligkeiten führen“, kritisierte Glaeske. „Wir wissen, dass umso mehr Antibiotika gegeben werden, je niedriger der Bildungsstand der Patienten ist. Aber wir wissen nicht, wie wir das verändern können.“

Problematisch sei insbesondere der fehlende Datenfluss, erklärte Matthias W. Beckmann vom Fachausschuss „Versorgungsmaßnahmen und –forschung“ der Deutschen Krebs­hilfe. Zum Beispiel gebe es beim Mammakarzinom zwölf verschiedene Systeme, die Daten erheben, die jedoch nicht miteinander kompatibel seien. „Es gibt keine Versor­gungs­forschung zum Mammakarzinom, weil jeder sein eigenes System hat“, so der Direktor der Frauenklinik am Universitätsklinikum Erlangen.

Im System gebe es zu viele Partikularinteressen. Deshalb bedürfe es einer koordinierten Aktion. „Wir brauchen ein zentrales Institut, das die Daten zusammensucht“, forderte Beckmann.

Dieser Ansicht war auch Pfaff: „Wir brauchen ein nationales Versorgungs­forschungs­register, in dem jeder seine Daten eintragen muss. Wir brauchen eine Infrastruktur, die es uns erlaubt, diese wertvolle Forschung voranzutreiben.“ 

„Wir brauchen auch eine Politikfolgenforschung“, regte Glaeske an. Es habe eine Reihe von Veränderungen im Sozialgesetzbuch V gegeben, zum Beispiel im Bereich der Rabattverträge. Doch eine Evaluation sei nicht vorgeschrieben worden. „Das ist ein großes Defizit“, sagte Glaeske. Denn man könne überhaupt nicht erkennen, welche Folgen diese neuen Regelungen hätten. 

Der parlamentarische Staatssekretär im Forschungsministerium, Helge Braun, verwies darauf, dass das Ministerium im Mai vier gesundheitsökonomische Zentren gegründet habe, die die   Versorgungsforschung vorantreiben sollten. Zudem kündigte er einen Aktionsplan Versorgungsforschung an, der zu Beginn des nächsten Jahres präsentiert werden soll. © fos/aerzteblatt.de

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