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Medizin

USA: CT-Epidemie bei Versicherten

Mittwoch, 13. Juni 2012

dapd

San Francisco – In den USA werden heute dreimal mehr Computertomographien und viermal mehr Kernspintomographien durchgeführt als vor 15 Jahren. Auch die Zahl der Positronen-Emissions-Tomographien ist einer Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2012; 307: 2400-2409) zufolge deutlich gestiegen. Dies hat nicht nur vermehrte Ausgaben der Krankenkassen zur Folge. Nicht wenige Patienten erhalten eine höhere Strahlenbelastung, als ihnen als Beschäftigte in der Nuklearindustrie erlaubt wäre.

Jeder Versicherte einer Health Maintenance Organization (HMO) unterzieht sich im Durchschnitt mehr als einmal jährlich einer Untersuchung mit einem bildgebenden Verfahren. Auf 1.000 Versicherte kamen 2008 insgesamt 1.400 Angiographien, nuklearmedizinische Tests, konventionelle Röntgenuntersuchungen, Sonografien, Computertomographien (CT) oder Kernspintomographien (MRT).

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Dies hat Rebecca Smith-Bindman von der Universität von Kalifornien durch die Auswertung der Daten von sechs landesweiten HMOs herausgefunden. Anders als bei vielen anderen Versicherungen sind bei den HMOs die Leistungen gedeckelt. Die Ärzte haben keinen wirtschaftlichen Anreiz, möglichst viele Untersuchungen durchzuführen.

Doch die Möglichkeiten moderner bildgebender Verfahren überzeugen viele US-Mediziner und ihre Patienten. Von 1996 bis 2010 verdreifachte sich die Zahl der CTs von 52 auf 149 pro 1.000 Versicherte. Die Zahl der MRTs vervierfachte sich von 17 auf 65 pro 1.000 Versicherte. Auch bei den Sonographien kam es in etwa zu einer Verdopplung von 134 auf 200 pro 1000 Versicherte. Seit 2004 stieg auch die Zahl der Positronen-Emissions-Tomographien von 0,24 auf 3,6 pro 1.000 Versicherte.

Ultraschall und MRT sind ohne Risiken für den Patienten, bei nuklearmedizinischen Tests und dem CT sind die Patienten einer Strahlendosis ausgesetzt – vor allem, wenn bei ein und demselben Patienten mehrere Untersuchungen anfallen, was keinesfalls selten ist. Nach den Berechnungen von Smith-Bindman waren im Jahr 2010 etwa 3 Prozent aller Versicherten allein durch CT-Untersuchungen einer Strahlenbelastung von mehr als 50 mSv ausgesetzt. Dies ist für Beschäftigte in US-Kernkraftwerken die jährlich erlaubte maximale Strahlenbelastung.

Die Studie kann nicht klären, ob der Anstieg medizinisch gerechtfertigt ist. Der Editorialist George O’Connor von der Boston University School of Medicine vermutet aber, dass viele Untersuchungen aus Schutz vor möglichen späteren Schadenersatzklagen durchgeführt werden (Defensivmedizin). © rme/aerzteblatt.de

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