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Politik

Wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser verschlechtert

Donnerstag, 14. Juni 2012

dpa

Berlin – „Die fetten Jahre sind vorbei.“ Die Mahnung, die Wirtschaftsforscher schon im vergangenen Jahr den deutschen Krankenhäusern ins Stammbuch schrieben, gilt auch in diesem Jahr. Nach einem insgesamt positiven Befund für 2010 habe sich die wirtschaftliche Situation der rund 2.000 Kliniken in Deutschland 2011 verschlechtert, heißt es im aktuellen Krankenhausreport, der am Donnerstag beim Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit in Berlin vorgestellt wurde.

Befanden sich 2010 noch zehn Prozent der Häuser im „roten Bereich“ erhöhter Insolvenzgefahr, seien es mittlerweile 15 Prozent, die knapp an einer Pleite vorbeischrammen, beschreibt Sebastian Krolop von der Unternehmensberatung Accenture die Lage der Branche.

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 Als Gründe für die Schieflage vieler Kliniken nennt er steigenden Kostendruck, den medizinisch-technischen Fortschritt, den demografischen Wandel und den Rückgang öffentlicher Mittel für Investitionen. Die Studie geht davon aus, dass bis 2020 rund 8 Prozent aller Krankenhäuser von Schließung betroffen sind.

Dabei ist die Zahl der Krankenhäuser in Deutschland in den vergangenen Jahren bereits stark zurückgegangen: Gab es 1991 noch 2.411 Einrichtungen, so waren es 2010 noch 2.064. Im gleichen Zeitraum sank die Zahl der Betten von rund 666.000 auf 503.000, während die Zahl der Patienten von 14,6 Millionen auf 18 Millionen stieg.

Auf den ersten Blick klingen viele der Zahlen des neuen Krankenhausreports gar nicht so negativ: Insgesamt wuchs der Krankenhausmarkt 2010 um rund 4,7 Prozent auf rund 74 Milliarden Euro. Die Studie, die auch vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) und vom Institut für Health Care Business erstellt wurde, stellt zudem eine starke Zunahme von Behandlungsfällen fest; allein die stationären Behandlungen stiegen um 9 Prozent. Die Erlöse aus den Fallpauschalen, die zwischen Kassen und Leistungserbringern abgerechnet wurden, wuchsen um 25 Prozent.

Doch das reicht offenbar nicht: „In vielen Häusern steigen die Kosten deutlich schneller als die Erlöse“, sagt Krolop. Viele der rund 2.000 Häuser könnten die Kostensteigerungen durch höhere Energiepreise und höhere Löhne nicht auffangen. Im Durchschnitt wuchsen die Kosten im vergangenen Jahr um 4,3 Prozent, während die Erlöse nur um 3,5 Prozent zulegten. Auch um die Investitionsfähigkeit vieler Häuser ist es laut Studie schlecht

bestellt: Nur rund die Hälfte erwirtschaftet ausreichend hohe Erträge, um die Unternehmenssubstanz zu erhalten, sagt RWI-Experte Boris Augurzky.

Das zeigt andererseits, dass viele Krankenhäuser gut wirtschaften und schwarze Zahlen schreiben. Im Schnitt schneiden öffentlich-rechtliche Kliniken schlechter ab als freigemeinnützige/kirchliche oder private.

So lagen im Jahr 2010 rund 18 Prozent der öffentlich-rechtlichen Häuser im „roten Bereich“ und waren insolvenzgefährdet, aber nur neun Prozent der freigemeinnützigen und zwei Prozent der privaten. Insgesamt dominieren bei den deutschen Krankenhäusern aber weiter die kommunalen Einrichtungen: Sie fahren mit 39,3 Milliarden Euro immer noch 52,3 Prozent des Gesamtumsatzes ein. Die kirchlichen Häuser folgen mit 23,7 Milliarden oder 31,6 Prozent, die Privaten steigern sich auf 12 Milliarden oder 16,1 Prozent.

Die Experten erwarten für die kommenden Jahre weiter steigende Fallzahlen und eine zunehmend schwierige wirtschaftliche Lage durch steigende Personalkosten sowie eine problematische Investitionssituation, bedingt durch leere öffentliche Kassen. Sie schlagen vor, die knappen öffentlichen Mittel auf weniger Krankenhäuser zu verteilen und Krankenhäuser ohne erkennbare wirtschaftliche Zukunft zu schließen.

Skeptisch sind sie allerdings, ob die Politik das schafft. Denn schließlich können Politiker mit Entlassungen, Schließungen von Fachabteilungen oder Zusammenlegungen von Krankenhäusern bei ihren Wählern nicht punkten. © kna/aerzteblatt.de

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Avatar #87388
Andreas Skrziepietz
am Donnerstag, 14. Juni 2012, 20:23

Große Chance für junge Mediziner

Mein Lösungsvorschlag: Wiedereinführung der AiP-zeit, um bei den Arztgehältern zu sparen. Assistenzärzte sollten freiwilligen Gehaltsverzicht leisten. Ich erwarte eine entsprechende Initiative des MB.
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