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Jeder fünfte Deutsche ist adipös

Donnerstag, 14. Juni 2012

dpa

Berlin – Die Anzahl der adipösen Menschen in Deutschland steigt. Vor allem bei den deutschen Männern ist ein Anstieg der Adipositas-Prävalenz von 18,9 % auf 23,3 % in den letzten zehn Jahren zu beobachten, wobei besonders junge Männer betroffen sind. Bei den Frauen stieg die Prävalenz dagegen nur leicht von 22,5 % auf 23,9 %. Dies ist ein Ergebnis der „Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland“ (DEGS)  des Robert Koch-Instituts, deren erste Ergebnisse in Berlin vorgestellt wurden.

„Die gewonnenen Daten zu Gesundheitsstatus, Versorgung, Gesundheitsverhalten und Lebensbedingungen sind eine solide Basis für die bedarfsgerechte gesundheits­politische Planung und die Weiterentwicklung der Präventionsmaßnahmen in Deutschland“, betonte Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Daniel Bahr. Zum Teil müssten auch Präventionsmaßnahmen der Krankenkassen hinterfragt werden. Es gelte, mehr Menschen davon zu überzeugen und zu motivieren, dass sich gesundheitsbewusstes Verhalten lohne.  Der erhobene Zeigefinger sei dabei allerdings fehl am Platz.

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„Wir müssen Lust und Laune auf gesundheitsbewusstes Verhalten machen“, sagte Bahr und kündigte für den Herbst auch gesetzgeberische Maßnahmen an. Diese sollen eng mit dem nationalen Krebsplan und dem Aktionsplan Diabetes verknüpft sein und die betriebliche Gesundheitsvorsorge, die Ärzte und andere Gesundheitsberufe einbinden.

Für die im Auftrag des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums erstellte Studie wurden zwischen 2008 und 2011 Gesundheitsdaten von mehr als 8000 Erwachsenen im Alter von 18 bis 79 Jahren aus 180 Studienorten ausgewertet. Das Erhebungsprogramm bestand nicht nur aus mehreren Befragungen, sondern auch aus körperlichen Untersuchungen und Tests sowie Laboruntersuchungen von Blut- und Urinproben.

Es liefert unter anderem Daten zu Übergewicht, Diabetes, körperlicher Aktivität, psychischer Gesundheit und Funktionseinschränkungen im Alter. „DEGS ist Teil des Gesundheitsmonitorings, neben dem Infektionsschutz das zweite große Aufgabengebiet des Robert Koch-Instituts“, erläuterte Reinhard Burger, Präsident des Robert Koch-Instituts. Zuletzt sei ein solcher Survey Ende der Neunzigerjahre durchgeführt worden („BGS98“).

Mögliche „gewisse Zunahmeeffekte“ seien bei der Prävalenz der Depression zu erwarten, jedoch keine epidemische Zunahme, erklärte Hans-Ulrich Wittchen von der Technischen Universität Dresden.  8,1 % der DEGS-Teilnehmenden hätten von aktuellen Symptomen einer Depression berichtet. 1,5 % der Teilnehmenden gaben an, dass ein Arzt oder Psychotherapeut bei ihnen in den letzten zwölf Monaten ein Burn-out-Syndrom festgestellt hat. Das Thema psychische Gesundheit sei in einem Zusatzmodul bei mehr als 5.000 Teilnehmenden vertieft worden, erläuterte Wittchen, der auch „im internationalen Vergleich einmalig differenzierte und umfassende Daten“ erwartet.

Ferner wurde in der Studie auch die Prävalenz eines bekannten Diabetes mellitus und die Häufigkeit bislang nicht erkannter Diabetes-Fälle untersucht: Die Prävalenz eines bekannten Diabetes beträgt 7,2 % und hat damit seit dem BGS98 um 2 Prozentpunkte zugenommen. Die Prävalenz des bislang unerkannten Diabetes liegt bei 0,7 - 2,1 %, Um diese zu schätzen, untersuchte das RKI den Blutzucker (Nüchtern- oder Gelegenheitsglukose im Serum) sowie das  HbA1c.

Positive Veränderungen zeigten sich in beug auf die regelmäßige körperliche Aktivität der Deutschen: 51,7 % der Männer und 49,5 % der Frauen sind der Studie zufolge regelmäßig mindestens einmal pro Woche sportlich aktiv. Damit ist der Anteil der sportlich Aktiven seit dem BGS 98 deutlich gestiegen (um 14,1 Prozentpunkte bei Männern, um 16,0 Prozentpunkte bei Frauen). Allerdings erreichen nur 25,4 % der Männer und 15,5 % der Frauen die von der WHO empfohlene körperliche Mindestaktivitätszeit von 2,5 Stunden pro Woche.

Untersucht wurde mit der DEGS auch die Gesundheit im Alter.  Dazu  wurden bei mehr als  1.800 Personen im Alter von 65 bis 79 international etablierte Tests zur Erfassung alltagsrelevanter Funktionsfähigkeiten eingesetzt, etwa zu Greifkraft, Mobilität, Gleichgewicht (Balancetest) und kognitiven Leistungen. Die Daten sollen einen Beitrag zur Umsetzung des Ende März 2012 im Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium vorgestellten nationalen Gesundheitsziels „Gesund älter werden“ leisten.

Eine ausführliche und alle Themen umfassende Basispublikation zu DEGS-Ergebnissen soll  2013 erfolgen. © ER/aerzteblatt.de

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