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Medizin

Adipositas-Chirurgie fördert Alkoholabhängigkeit

Dienstag, 19. Juni 2012

Pittsburgh – Die verschiedenen Varianten der bariatrischen Operation führen zwar zu einem raschen und häufig nachhaltigen Gewichtsverlust. Sie schaffen bei einigen Patienten aber neue Probleme. Dazu gehört laut einer prospektiven Kohortenstudie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2012; doi: 10.1001/jama.2012.6147) ein problema­tischer Alkoholkonsum, der auch den Erfolg der Operation gefährden kann.

Mehr als ein Drittel der erwachsenen US-Bevölkerung sind mit einem Body-Mass-Index (BMI) von 30 oder höher adipös. Etwa 6 Prozent haben sogar einen BMI über 40. Sie erfüllen damit die Einschlusskriterien für eine bariatrische Operation. Diesem Eingriff haben sich nach den Zahlen der American Society for Metabolic and Bariatric Surgery im Jahr 2009 bereits 220.000 Erwachsene unterzogen – zu Kosten von 11.500 bis 26.000 US-Dollar.

Die Fachgesellschaft trifft sich dieser Tage in San Diego, wo US-Chirurgen über die jüngsten Erfolge berichten werden, etwa zur raschen Ausheilung eines Typ-2-Diabetes mellitus, zur Reduktion von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder zu den Möglichkeiten einer roboter-unterstützten Therapie (die es den Chirurgen erleichtern soll, den für die nächsten Jahre erwarteten Boom abzuarbeiten – immerhin gibt es allein in den USA 15 Millionen Kandidaten für die Adipositas-Chirurgie).

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Es werden aber auch Daten einer Studie des National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases vorgestellt, die an einer größeren Anzahl von Patienten prospektiv die möglichen Folgen der Operation untersucht. Die Longitudinal Assessment of Bariatric Surgery (LABS) umfasst etwa 2.500 Patienten, die sich zwischen 2006 and 2009 an zehn US-Zentren operieren ließen.

Bei etwa 70 Prozent wurde ein Roux-en-Y-Magenbypass angelegt, etwa 25 Prozent erhielten ein laparoskopisch adjustierbares Magenband (LAP). Der Rest entfiel auf andere Verfahren wie Schlauchmagen oder die biliopankreatische Diversion mit Switch.

Bereits vor der Operation hatten 7,6 Prozent der Patienten ein Alkoholproblem: Sie erzielten im AUDIT-Fragebogen der WHO 8 oder mehr Punkte, oder es bestanden andere Hinweise auf eine Alkoholabhängigkeit. Wie Wendy King von der Universität Pittsburgh jetzt auf der Tagung berichtet, blieb die Rate im ersten Jahr nach der Operation unverändert (7,3 Prozent).

Im zweiten Jahr kam es dann aber zu einem Anstieg auf 9,6 Prozent. Unter den Patienten, die sich einer Roux-en-Y-Operation unterzogen hatten, wurde jetzt bei 10,7 Prozent ein Alkoholproblem festgestellt. Weitere Prädiktoren waren: männliches Geschlecht, jüngeres Alter, Rauchen, Drogenkonsum und fehlende soziale Unterstützung.

Bedenklich sind Alkoholprobleme vor allem bei Patienten mit Roux-en-Y-Bypass: Die Verkürzung der Resorptionsstrecke führt nämlich nicht nur dazu, dass der Alkohol schneller ins Blut übertritt und dort eine höhere Konzentration erreicht wird. Auch die negativen Auswirkungen auf die – infolge der Operation ohnehin prekäre – Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen sowie auf die Leber machen den Alkoholkonsum nach einer bariatrischen Operation nach Ansicht der Autorin zu einem Risiko. Da alkoholische Getränke auch viele Kalorien enthalten, könne der Konsum außerdem dazu betragen, dass die Patienten wieder zunehmen. © rme/aerzteblatt.de

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