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Politik

Experten fordern Politik­folgeforschung

Dienstag, 19. Juni 2012

Berlin – Welche Elemente müsste ein Gesundheitssystem haben, das multimorbide Patienten gut behandelt? Das fragte Ferdinand M. Gerlach, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, am Dienstag auf dem Medizinkongress „Patientenorientierung und demografischer Wandel“ der Barmer GEK und des Zentrums für Sozialpolitik (ZeS) der Universität Bremen. Die Antwort sei ein Chronic-Care Modell, in dem ein informierter Patient mit einem vorbereiteten, proaktiv handelnden Praxisteam zusammenarbeitet, so Gerlach.

In der Praxis müsse dabei die Akutversorgung der Patienten von der Versorgung der Chroniker getrennt werden. Für jeden Chroniker solle dann ein individueller Therapie­plan erarbeitet werden, der genaue Therapieziele enthält. „Wir müssen weg von der Reaktion, hin zur Aktion. Wir müssen weg vom Hamsterrad, hin zu einer strukturierten Versorgung von chronisch Kranken“, forderte Gerlach.

Das impliziere auch eine neue Rolle insbesondere für den Hausarzt, der zum Spezialisten für die Versorgung des ganzen Menschen und zum Koordinator eines interdisziplinären Teams werde. Die Patienten müssten sich zudem als Teil des Systems sehen und ebenfalls Verantwortung übernehmen.

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Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK, Rolf-Ulrich Schlenker, erläuterte im Anschluss, wie die Barmer GEK künftig Versorgungsforschung angehen will: „Wir wollen die persönlichen Eindrücke der Patienten mit den objektiven Informationen aus den Routinedaten verknüpfen.“ Ersteres könne zum Beispiel in Arztbewertungs­portalen wie der Weissen Liste ermittelt werden, bei der Patienten anhand von wissen­schaftlichen Kriterien ihre Meinungen abgeben könnten. Diese Verknüpfung sei eines der großen Projekte für die Zukunft.

„Wir müssen wegkommen von einer punktuellen Betrachtung und brauchen Verlaufs­analysen, um Behandlungskarrieren darstellen zu können“, erklärte Schlenker und kündigte an, im Zahnreport des kommenden Jahres erste Ergebnisse solcher Verlaufsanalysen zu präsentieren.

Der Leiter des ZeS, Gerd Glaeske, forderte in seinem Vortrag eine Politikfolgen­forschung: „Es geht darum, welche Veränderungen nach Politikentscheidungen beim Patienten ankommen. Das müssen wir evaluieren.“ Bei den Disease Management Programmen (DMP) gebe es zum Beispiel „keine einzige Studie, die methodisch sicher und sauber zeigt, dass die DMP die Evidenz und Effizienz verbessern“. Wenn man die DMP weiterführe, dann müssten sie bitte auch evaluiert werden. © fos/aerzteblatt.de

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Avatar #114107
MMeisel
am Mittwoch, 20. Juni 2012, 08:11

Sinnvolle Weiterentwicklung?

Arztbewertungs­portale, bei der Patienten anhand von wissen­schaftlichen Kriterien ihre Meinungen abgeben könnten, sind der absolutie Höhepunkt der Entwicklung! Da sollte wirklich richtig investiert werden, das Geld sparen wir Ärzte dann in der Patientenversorgung wieder ein!
Der Meinung zur Evaluation der DMP´s (und einieger anderer "Projekte") scliesse ich mich gern an.
LNS
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