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Medizin

Diabetes: Kognitive Störungen durch hohen Blutzucker

Mittwoch, 20. Juni 2012

San Francisco – Das Gehirn gehört bisher nicht zu den Organen, die mit Spätschäden des Typ-2-Diabetes mellitus in Verbindung gebracht werden. Eine prospektive Kohortenstudie in den Archives of Neurology (2012; doi: 10.1001/archneurol.2012.1117) kommt jetzt jedoch zu dem Ergebnis, dass die Diabeteserkrankung mit einem beschleunigten kognitiven Abbau im Alter einhergeht.

Ein Viertel aller US-Senioren leiden aufgrund von hyperkalorischer Ernährung und Bewegungsmangel an einem Typ-2-Diabetes mellitus. Auch in der Health, Aging, and Body Composition (Health ABC) Study, einer prospektiven Beobachtungsstudie des US-National Institute on Aging, lag der Anteil der Diabetiker zu Beginn bei 23,4 Prozent. In den folgenden 9 Jahren stieg die Prävalenz um weitere 5,2 Prozentpunkte.

Schon zu Beginn der Studie im Durchschnittsalter von 74 Jahren hatten die Diabetiker schlechtere Werte im Modified Mini-Mental State Examination und im Digit Symbol Substitution Test, die die kognitiven Fähigkeiten im Alter beurteilen. Kristine Yaffe von der Universität von Kalifornien in San Francisco kann sogar eine Abhängigkeit vom Langzeitblutzuckerwert HbA1c aufzeigen: Je höher der Wert und je schlechter mithin die Blutzuckereinstellung war, desto geringer waren die Ergebnisse in den Demenztests.

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Während der Nachbeobachtungszeit weitete sich die kognitive Lücke zwischen Diabetikern und Nichtdiabetiker. Patienten mit einer Diabetesneuerkrankung lagen in der Mitte, näherten sich mit der Zeit aber den kognitiven Schwächen der Langzeitdiabetiker an. Wie immer bei Beobachtungsstudien kann die Assoziation keine Kausalität beweisen. So ist nicht auszuschließen, dass sich Menschen mit kognitiven Einschränkungen weniger um eine gesunde Lebensweise kümmern und im Fall eines Diabetes sich die Blutzuckereinstellung schwierig gestaltet.

Es gibt auch keine Gewähr, dass eine bessere Blutzuckereinstellung den geistigen Verfall im Alter aufhalten kann. Wenn die Vermutung von Yaffe, dass der Diabetes das Gehirn langfristig schädigt, allerdings stimmen sollte, könnte die hohe Diabetes-Prävalenz ein Grund für die Zunahme von Demenzerkrankungen im Alter sein.

Die Pathogenese ließe sich leicht plausibel erklären. Der Diabetes führt im gesamten Körper zu einer Mikroangiopathie. Sie könnte im Gehirn die Sauerstoffversorgung der Hirnzellen herabsetzen. Außerdem ist bekannt, dass Nierenerkrankungen, Schlaganfälle, Bluthochdruck und Hyperlipidämie, die alle zu den Spätkomplikationen des Typ-2-Diabetes mellitus gehören, mit kognitiven Einbußen einhergehen. © rme/aerzteblatt.de

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