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Medizin

Vorhofflimmern: Kurzzeittherapie kann erfolgreich sein

Mittwoch, 20. Juni 2012

Birmingham – Die antiarrhythmische Therapie, die nach einer elektrischen Kardio­version, ein Rezidiv des Vorhofflimmerns verhindern soll, könnte von 6 Monate auf 4 Wochen verkürzt werden. Zu diesem Schluss kommen Experten des deutschen Kompetenznetzes Vorhofflimmern, obwohl ihre randomisierte klinische Studie im Lancet (2012; doi: 10.1016/S0140-6736(12)60570-4) nicht den erhofften Beleg dafür lieferte.

Eine elektrische Kardioversion kann ein Vorhofflimmern in fast allen Fällen erfolgreich beenden. Doch bei den meisten Patienten kommt es in den ersten Tagen und Wochen danach erneut zum Vorhofflimmern. Deshalb erhalten die meisten Patienten derzeit eine Rezidivprophylaxe mit einem Antiarrhythmikum.

Üblich ist eine sechsmonatige Therapie. Die Gruppe um Paulus Kirchhof von der Universität Birmingham vertritt die Ansicht, dass diese Therapiedauer deutlich verkürzt werden kann. Sie berufen sich auf pathophysiologische Untersuchungen, wonach das „elektrische Remodeling“ der Vorhöfe in den ersten vier Wochen abgeschlossen. Denn die meisten Rezidive treten in dieser Phase auf.

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Das Kompetenznetz Vorhofflimmern (AFNET) hat jetzt in einer randomisierten klinischen Studie untersucht, ob die Therapie auf vier Wochen verkürzt werden kann. An 44 Zentren in Deutschland wurden über 600 Patienten auf eine Behandlung mit Flecainid über vier Wochen oder sechs Monate randomisiert.

In einer dritten Gruppe wurde von Anfang an auf eine antiarrhythmische Therapie verzichtet. Wie zu erwarten kam es in dieser Kontrollgruppe am häufigsten zum Rezidiv. Bei jedem Zweiten war bei einer Kontrolluntersuchung nach vier Wochen wieder ein Vorhofflimmern nachweisbar. Unter der Flecainid-Therapie waren in den beiden anderen Studienarmen dagegen noch 70 Prozent der Patienten ohne Rezidiv.

In den Folgezeit kam es auch hier noch zu weiteren Rezidiven. Paulus hatte gehofft, dass es zwischen der Gruppe, in der die Patienten Flecainid nach 4 Wochen abgesetzt hatten, und denen, die die Therapie über sechs Monate fortsetzten, keine Unterschiede geben würde. Dies war allerdings nicht der Fall. Am Ende waren nach der Langzeittherapie 56,4 Prozent der Patienten ohne Rezidiv. Nach der Kurzzeittherapie waren es nur 48,4 Prozent. Bei einem Unterschied von 8 Prozentpunkten wurde das Ziel der Studie, die Non-Inferiorität der Kurztherapie zu belegen, nicht erreicht.

Auf der anderen Seite waren die Unterschiede aber nicht sehr groß, so dass nach Ansicht von Kirchhof bei vielen Patienten eine Kurzzeittherapie gewagt werden kann. Insbesondere für Patienten, die ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen oder Komplikationen haben, könnte eine Kurzzeitbehandlung eine sinnvolle Alternative sein, berichtet der Studienleiter. Er hofft, dass die neuen Ergebnisse Eingang in die Behandlungsleitlinien zum Vorhofflimmern finden werden. © rme/aerzteblatt.de

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