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Politik

Risiken der Polymedikation vielen Patienten unbekannt

Donnerstag, 21. Juni 2012

dapd

Berlin/Köln – Viele Patienten wissen nicht, dass die Einnahme mehrerer Medikamente mit einem gesteigerten Risiko für Nebenwirkungen einhergeht. Das ergibt eine aktuelle Untersuchung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). „Ärzte und Apotheker müssen die Patienten besser über Arzneimittelrisiken aufklären“, forderte der WIdO-Geschäftsführer Jürgen Klauber.

Die Notwendigkeit, Patienten umfassend über Risiken der Arzneimitteltherapie aufzuklären, sieht auch Ulrich Thiem, Altersmediziner an der Ruhr-Universität Bochum und Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG). Klar sei allerdings auch, dass viele chronisch Kranke wegen der Art ihrer Erkrankungen auf mehr als nur ein Medikament angewiesen seien.

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„Die Patienten nehmen viele Pillen ein, weil sie eben auch viele Erkrankungen haben“, so Thiem. Dass dies nicht ohne Risiko bleibt, sei den Ärzten bewusst. Aber mit welchen Konzepten sie die Fülle der Einnahmen reduzieren könnten, ohne dem Patienten durch unterlassene Therapie zu schaden, sei in vielen Fällen unklar. „Wir brauchen weit mehr Forschung in diesem Bereich“, so Thiems Fazit.

Die WIdO-Wissenschaftler hatten für ihre Studie 1.000 gesetzlich Versicherte ab 65 Jahren zu Arzneimittelverbrauch, Arzneimittelrisikobewusstsein, Therapietreue und erlebter Arzneimittelberatung befragt.

Danach nahmen etwa 87,1 Prozent der GKV-Versicherten über 65 Jahre in den letzten drei Monaten ärztlich verordnete Arzneimittel ein. Rund ein Viertel von ihnen (27,4 Prozent) kommt auf fünf oder mehr verordnete Packungen und bewegt sich damit im Bereich der Polymedikation. Von diesen Patienten nehmen 17,2 Prozent Arzneimittel ein, die für ältere Menschen als potenziell ungeeignet gelten und deshalb auf der sogenannten Priscus-Liste stehen. Hinzu kommt, dass fast ein Drittel der Patienten mit Polymedikation (30,4 Prozent) rezeptfreie Arzneimittel zukauft.

„Häufig wissen weder Arzt noch Apotheker, was ein Patient einnimmt und ob er sich an die Therapie hält“, so Klauber. Umso wichtiger sei, dass sie die Patienten umfassend zu Arzneimittelrisiken beraten Dies ergebe sich nicht zuletzt daraus, dass die weitaus meisten Patienten ihrem behandelnden Arzt hinsichtlich der verordneten Medikamente vertrauen (71,2 Prozent).

Aber nur etwa die Hälfte der Befragten (49,3 Prozent) habe angegeben, dass ihr Hausarzt sie schon einmal auf die Risiken der Mehrfacheinnahme von Arzneimitteln angesprochen habe. 41,2 Prozent der betroffenen Patienten hat der Arzt laut WidO danach gefragt, ob sie weitere Medikamente einnähmen. Die Verordnung von Priscus-Arzneimitteln an ältere Menschen mit Polymedikation habe der Hausarzt nur in knapp der Hälfte der Fälle (44,7 Prozent) beratend begleitet. © hil/aerzteblatt.de

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