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Medizin

Herzinfarkt kann posttraumatische Belastungsstörung auslösen

Donnerstag, 21. Juni 2012

New York – Die posttraumatische Belastungsstörung (PTSD) wird häufig mit Natur­katastrophen, Kriegen oder auch sexuelle Gewaltanwendung in Verbindung gebracht. Die Erinnerung an eine existenzielle und äußerst schmerzhafte Bedrohung kennen aber auch Menschen, die einen Herzinfarkt überlebt haben. Eine Meta-Analyse in PLoS One (2012; 7: e38915) schätzt, dass jeder achte von ihnen an einer Patienten PTSD leidet.

Die PTSD ist eine Angststörung. Sie ist durch das plötzliche und unkontrollierbare Wiedererleben eines traumatischen Erlebnisses gekennzeichnet. Die Gedanken und Alpträume lösen dann eine hormonelle Stressreaktion aus, die den Betroffenen Situationen und Orte vermeiden lässt, die bei ihm die Erinnerung an das Trauma wecken könnten. Diesen heimtückischen Terror kennen auch viele Patienten, die einen Herzinfarkt überlebt haben, der häufig mit einem Vernichtungsschmerz einhergeht und der den Patienten für den Moment hilflos macht und in Todesangst versetzt.

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Kardiologen sind sich der starken Schmerzen ihrer Patienten bewusst, und Morphin gehört zu den Erstmaßnahmen beim Herzinfarkt. Dass das Erlebnis die Patienten aber auch auf Dauer psychisch zusetzen kann, wurde bisher übersehen, schreibt Donald Edmondson vom Columbia University Medical Center in New York.

Erst in den letzten Jahren sei erkannt worden, dass viele Patienten an Depressionen leiden. Eine weitere häufige Folge könnte eine PTSD sein. Edmondson hat jetzt die Ergebnisse von 24 Beobachtungsstudien mit 2.384 Patienten in einer Meta-Analyse ausgewertet. Das Ergebnis ist eine Prävalenz der PSTD von 12 Prozent. Danach würde jeder achte Patient nach einem Herzinfarkt an einer PTSD leiden.

Die Ergebnisse der einzelnen Studien schwankten allerdings stark. Sie waren beispielsweise davon abhängig, ob die PTSD mit einem Fragebogen ermittelt wurde (Prävalenz: 16 Prozent) oder ob die Diagnose auf der Einschätzung des Psychologen nach einem persönlichen Gespräch beruhte (Prävalenz: 5 Prozent), wobei hier die verbreitete Ansicht, dass Herzinfarkte keine PTSD hinterlassen, eine Rolle gespielt haben könnte.

Insgesamt ist Edmondson klar, dass die Studie nur eine grobe Schätzung von der Häufigkeit der PTSD nach Herzinfarkt geben kann. Wenn sie aber zutreffen sollte, dann könnten in Deutschland jeder Jahr etwa 33.600 Menschen nach einem Herzinfarkt an einer PTSD erkranken (12 Prozent von 280.000 Herzinfarkten).

Die PTSD belastet die Patienten nicht nur seelisch, sie könnte auch die Lebensprognose beeinträchtigen. Laut den Berechnungen von Edmondson geht eine PTSD mit einem 2-fach erhöhten Risiko auf einen Re-Infarkt oder eine Tod einher. Die Behandlung der PTSD könnte deshalb, sofern sie erfolgreich ist, ein wichtiger Baustein für eine erfolgreiche Sekundärprävention sein. © rme/aerzteblatt.de

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