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Medizin

Erneut Milzbrand bei Heroinkonsumenten

Freitag, 22. Juni 2012

Berlin – Im Raum Regensburg sind in den vergangenen zwei Wochen zwei intravenös injizierende (i.v.) Drogenkonsumenten am Milzbrand erkrankt. Einer verstarb noch am Tag der ärztlichen Vorstellung. Das Robert-Koch-Institut (RKI) vermutet eine Kontami­nation von Heroin oder anderen Drogen mit Milzbrandsporen und ruft die Ärzte auf, bei der Behandlung von i.v.-Drogenkonsumenten differenzialdiagnostisch frühzeitig an Milzbrand zu denken.

Die Zoonose Milzbrand ist in den Industrieländern sehr selten geworden. Dem RKI wurde im letzten Jahr kein einziger Fall der meldepflichtigen Erkrankung bekannt. In den Jahren 2009 und 2010 war es in Nordrhein-Westfalen jeweils zu einer Erkrankung bei Heroin­konsumenten gekommen. Die Genanalyse der Erreger stellte damals eine Verbindung zu einer kleinen Epidemie in England und Schottland her, wo mindestens 30 Heroin­konsumenten erkrankt waren.

Der Erreger, der bei den aktuellen beiden Milzbrandfällen nachgewiesen wurde, ist ebenfalls identisch mit dem Ausbruchstamm 2009/2010. Es besteht deshalb der Verdacht, dass erneut mit Milzbrandsporen kontaminiertes Heroin im Verkehr ist.

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Milzbrandsporen sind außerhalb des Körpers jahrelang überlebensfähig. In einer geeigneten Umgebung, zum Beispiel Blut, bilden sich dann rasch neue Keime. Bei den i.v.-Drogenkonsumenten muss mit einem sogenannten Injektionsmilzbrand gerechnet werden. Typisch ist dabei laut RKI die Entwicklung einer massiven entzündlichen Weichteilinfektion mit Kompartmentsyndrom und einer nekrotisierenden Fasziitis in der Region der Injektionsstelle.

Da das klinische Bild nicht unbedingt eine Unterscheidung zu anderen Haut- oder Weichteilinfektion zulässt, sollten Ärzte derzeit bei i.v.-Drogenabhängigen differenzialdiagnostisch frühzeitig an Milzbrand denken und eine mikrobiologische Diagnostik veranlassen. Das RKI bietet den Ärzten Unterstützung beim Nachweis des Milzbranderregers Bacillus anthracis an.

Für Ärzte, Personal und Angehörige besteht kein erhöhtes Ansteckungsrisiko. Eine direkte Milzbrandübertragung von Mensch zu Mensch findet in der Regel nicht statt. Der Eintritt des Erregers setzt eine Verletzungen der Haut voraus. © rme/aerzteblatt.de

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