NewsMedizinSchweiz: Erhöhtes Sterberisiko in ärmlichen Wohngegenden
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Schweiz: Erhöhtes Sterberisiko in ärmlichen Wohngegenden

Montag, 25. Juni 2012

Bern – Niedriger Bildungsstand und geringes Einkommen gehen auch in der Schweiz mit einem erhöhten Sterberisiko einher. Betroffen sind neben den Innenstädten mit hohem Migrantenanteil auch ländliche Regionen, wie eine Studie im Journal of Epidemiology and Community Health (2012; doi: 10.1136/jech-2011-200699) zeigt.

Der regionale Einfluss des sozio-ökonomischen Status auf das Sterberisiko wurde bisher vor allem für England nachgewiesen, das für die ausgeprägte Segregation der Bevöl­kerung nach sozialen und wirtschaftlichen Eigenschaften bekannt ist, wobei die Armut sich vor allem in den Großstadtvierteln mit dem höchsten Migrantenanteil konzentriert.

Anzeige

Eine ähnliche Aufsplitterung würde man für die Schweiz nicht erwarten. Doch die Schweiz weist nach Luxemburg und Liechtenstein den dritthöchsten Anteil von Migranten in Europa auf, und nur in sehr seltenen Ausnahmefällen handelt es sich dabei um reiche Steuerflüchtlinge anderer Länder.

Städte wie Zürich, Basel, Lausanne und Genf haben mehr oder weniger abgegrenzte Armenviertel. Sie sind gut auf der Landkarte zu erkennen, die Matthias Egger vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern jetzt mit Forschern aus Lausanne und Bristol in England erstellt hat.

Grundlage der Landkarte ist der Swiss-SEP. Er basiert auf den Angaben, die in der Volkszählung 2000 zu Mieten, Bildung, Berufen und den Wohnverhältnissen der Schweizer erhoben wurden, und kombiniert sie mit unabhängigen Daten über Einkommen und Sterberaten von 2001 bis 2008. Der Swiss-SEP wurde für insgesamt 1,27 Millionen Häuser errechnet, wobei jeweils die Daten der umliegenden Häuser berücksichtigt wurden.

Das Ergebnis war nicht nur eine ausgeprägte Segregation der Bevölkerung. Sie zeigt, dass sich in den urbanen Ballungszentren neben den Armenvierteln auch Nachbar­schaften mit dem höchsten Swiss-SEP finden, allen voran in Zürich, Genf, Basel, Bern und deren Umgebung, etwa am Genferseebogen oder auf beiden Seiten des Zürichsees. Nachbarschaften der niederen Kategorien finden sich auch auf dem Land, vor allem unmittelbar nördlich der Alpen und in den alpinen Tälern.

Zum zweiten können Egger und Mitarbeiter zeigen, dass in ärmlichen Wohngegenden (niedriger Swiss-SEP) das Sterberisiko um 38 Prozent höher ist als den reicheren Wohngegenden (Hazard Ratio HR 1,38). Wie zu erwarten ist in den ärmeren Regionen das Sterberisiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (HR 1,48) und Lungenkrebs (HR 1,83) höher. Auch die Zahl der Verkehrstoten ist deutlich erhöht (HR 2,42). Für Brustkrebs (HR 0,93) wurde dagegen eine tendenziell niedrigere Sterberate gefunden.

Für Suizide war die Sterberate sogar signifikant niedriger (HR 0,86), was Egger teilweise auf die in der Schweiz praktizierte Suizidbeihilfe zurückführt, die vor allem in gut gebildeten, urbanen Schichten praktiziert werde.

Sozioökonomische Ungleichheiten sind auch in der Schweiz ein wichtiges Thema, erklärt Egger. Mit dem Index stehe nun ein Instrument zur Verfügung, um diese Ungleichheiten zu lokalisieren, Massnahmen zu planen und deren Wirksamkeit zu prüfen. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

6. Dezember 2019
Berlin – Die Bundesregierung hat einen Gesetzentwurf zur Einführung einer bundesweit einheitlichen Wohnungslosenstatistik vorgelegt. Diese soll belastbare Aussagen zu Obdachlosenzahlen liefern und
Bundesweite Wohnungslosenstatistik geplant
5. Dezember 2019
Gütersloh – Gut zehn Jahre nach Beginn der globalen Finanzkrise 2008 haben sich einer Studie zufolge die Arbeitsmärkte in vielen Industrieländern deutlich erholt. Das habe aber keine entscheidenden
Armutsrisiko in Industrieländern bleibt hoch
3. Dezember 2019
Frankfurt am Main – Jeder Zweite in Deutschland hat einer Umfrage zufolge Angst vor Altersarmut – doch für die private Vorsorge fehlen nach eigener Einschätzung fast ebenso vielen Menschen die Mittel.
Deutsche sorgen sich wegen Altersarmut
22. November 2019
Düsseldorf – Die soziale Lage der Menschen in Nordrhein-Westfalen (NRW) hat sich nach jüngsten Zahlen des Arbeitsministerium erstmals seit Jahren in Kernbereichen verbessert. Nachdem das Armutsrisiko
Generelles Armutsrisiko in Nordrhein-Westfalen gesunken
21. November 2019
Augsburg – Eine neue Stiftung soll in den kommenden zehn Jahren Projekte gegen Obdachlosigkeit in Bayern fördern. Obwohl Bayern ein reiches Land sei, gebe es viele wohnungslose Menschen im Freistaat,
Fünf Millionen für Projekte gegen Obdachlosigkeit in Bayern
20. November 2019
Saarbrücken – Die saarländische Regierung will im Januar 2020 einen lange angekündigten Aktionsplan gegen Armut vorlegen. Sozialministerin Monika Bachmann (CDU) sagte heute vor dem Landtag in
Saar-Regierung will Aktionsplan gegen Armut im Januar vorlegen
20. November 2019
Paris – Die Kinderarmut ist in vielen Industrie- und Schwellenländern gestiegen: Im Schnitt wächst eins von sieben Kindern in den OECD-Staaten in Armut auf, wie die Organisation für wirtschaftliche
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER