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Medizin

Schilddrüsenknoten: Gentest könnte unnötige Operationen verhindern

Dienstag, 26. Juni 2012

Boston – Die Genexpressionsanalyse eines US-Herstellers hat in einer Studie im New England Journal of Medicine (2012; doi: 10.1056/NEJMoa1203208) die Zahl der unklaren Befunde bei der Feinnadelbiopsie von Schilddrüsenknoten gesenkt. Es bleibt aber ein Restrisiko, dass Malignome übersehen werden.

Hinter den wenigsten Schilddrüsenknoten verbirgt sich ein Karzinom. Da dies dem Knoten nicht anzusehen ist und Ultraschall und Szintigraphie nicht immer weiterhelfen, erfolgt häufig eine Feinnadelbiopsie. Der histologische Befund des Aspirats ist jedoch ebenfalls in etwa einem Drittel der Fälle vage. Die Folge ist, dass sich bei vielen Patienten erst nach der Operation – häufig ist dies eine Hemithyrektomie – herausstellt, dass der Tumor benigne ist. In den USA werden auf diese Weise jedes Jahr 75.000 Schilddrüsen unnötigerweise entfernt.

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Der US-Hersteller Beracyte hat eine Genexpressionsanalyse entwickelt, die die Rate senken soll. Der Test weist 142 Gene nach, die in einer früheren Analyse mit einem benignen oder malignen Befund korrelierten. Es handelt sich dabei nicht um Krebsgene, sondern lediglich um einen statistischen Befund, der deshalb kein sicheres Ergebnis liefern kann.

Darüber hinaus sucht der Test zwar nach 25 weiteren Genen, von denen man annimmt, dass sie ein Schilddrüsenkarzinom auslösen können. Diese erklären jedoch nur eine Minderheit aller Erkrankungen. Es war deshalb nicht zu erwarten, dass die Genexpressionsanalyse immer einen eindeutigen Befund liefert. Sie war jedoch überraschend häufig in der Lage, die diagnostische Genauigkeit zu verbessern.

Die Studie verglich die Ergebnisse der Genexpressionsanalyse mit dem postoperativen Befund bei 265 Knoten, bei denen die Feinnadelbiopsie kein eindeutiges Ergebnis geliefert hatte. Unter den 265 Knoten waren, wie sich nach der Operation herausstellte, 85 Karzinome, von denen die Genexpressionsanalyse 78 erkannte. 7 Karzinome wurden nicht erkannt (darunter waren sechs Fälle, in denen keine follikulären Zellen im Aspirat enthalten waren, was für eine Wiederholung der Punktion sprechen würde). Erik Alexander von der Harvard Medical School in Boston errechnet in der vom Hersteller gesponserte Studie einen negativen prädiktiven Wert von 85 bis 95 Prozent.

Danach kann der Test die meisten falsch-negativen Befunde (bei denen fatalerweise auf eine lebensrettende Operation verzichtet würde) verhindern. Der Editorialist Larry Jameson von der Perelman School of Medicine in Philadelphia rät im Editorial dazu, den Test im Zweifelsfall zu wiederholen. Seiner Schätzung zufolge könnte der Test in den USA pro Jahr wenigstens 25.000 unnötige Schilddrüsen-Operationen verhindern. © rme/aerzteblatt.de

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