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Private Krankenhausträger investieren am meisten

Donnerstag, 28. Juni 2012

dapd

Berlin – Der Schweregrad der behandelten Patientenfälle ist in Krankenhäusern privater Träger mit einem Case Mix von 30,4 Punkten je Vollkraft höher als in Krankenhäusern freigemeinnütziger (26,5 Punkte je Vollkraft) und kommunaler Träger (25,0 Punkte je Vollkraft). Die meisten Fallzahlen pro Vollkraft weisen die freigemeinnützigen Träger auf (26,0), gefolgt von den privaten (25,2) und den kommunalen (24,2). Das geht aus dem Faktenbuch „Bedeutung der Krankenhäuser in privater Trägerschaft“ hervor, das das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) im Auftrag des Bundes­verbandes Deutscher Privatkliniken (BDPK) erstellt hat.

Der Ertrag aus dem operativen Geschäft, von dem die Personal- und Sachkosten bereits abgezogen sind, die sogenannte EBITDA-Marge, lag der Studie zufolge bei Kranken­häusern privater Träger im Jahr 2009 bei 10,6 Prozent der Gesamterlöse. Häuser freigemeinnütziger und kommunaler Träger wiesen mit 6,3 beziehungsweise 5,9 Prozent deutlich einen niedrigeren Ertrag aus. 

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Im selben Jahr investierten private Träger 9,7 Prozent ihrer Gesamterlöse. Bei kommunalen Trägern lag die Investitionsquote bei 6,7 Prozent, bei freigemeinnützigen bei 5,4 Prozent. Für die Studie berücksichtigt wurden ausschließlich Allgemeine Krankenhäuser.

Zwischen 2005 und 2009 ist der Anteil an privaten Krankenhäusern in Deutschland von 20,5 auf 24,8 Prozent gestiegen, der Anteil der Betten von 13 auf 16,6 Prozent und der Anteil der Fälle von 12,4 auf 15,9 Prozent. „Wir gehen davon aus, dass die Marktanteile der privaten Krankenhausträger auch weiter zunehmen werden“, sagte einer der Autoren des Faktenbuchs, Boris Augurzky vom RWI.

Denn auch in Zukunft werde es Finanzierungsengpässe geben, weil zwar die Patientenzahl, nicht aber die Zahl der Beitrags- und Steuerzahler zunehmen werde. Die entstehende Finanzierungslücke könne nur mit privatem Kapital geschlossen werden, argumentierte Augurzky ganz im Sinne der Studienfinanziers.

Grundsätzlich gehe es darum, wie in Krankenhäusern das Personal optimal eingesetzt werden könne, um durch gute Prozessabläufe Zeit einzusparen, erklärte Augurzky: „Wenn Krankenhäuser durch gute Abläufe weniger Personal benötigen, ist dies ein Ausdruck von optimierten Prozessen.“ Zudem liefere eine größere Lohnspreizung in einem Krankenhaus bessere Anreizmöglichkeiten, um leistungsfähiges Personal für sich zu gewinnen, so der Leiter des Kompetenzbereichs Gesundheit beim RWI. Dazu zählten sowohl höhere Einstiegsgehälter als auch Bonuszahlungen für Ärzte.

Der Vorstandsvorsitzende der Rhön-Klinikum AG, Wolfgang Pföhler, erklärte, dass künftig die Bedeutung von Krankenhausverbünden zunehmen werde. Sinnvoll sei ein Aufbau von Netzwerken, um eine nahtlose Versorgung der Patienten sicherzustellen. Die Vernetzung von kleineren Krankenhäusern und Häusern der Maximalversorgung könne dabei Spitzenmedizin vor die Haustür bringen. „Damit sind die privaten Träger mit ihrem Geschäftsmodell Vorreiter“, so Pföhler.

Bezüglich weiterer Übernahmen wolle die Rhön-Klinikum AG „in Ruhe abwarten“. Der Privatisierungsdruck werde dafür sorgen, dass der Anteil an Krankenhäusern privater Träger weiter zunehmen werde.

Der Vorsitzende der Konzerngeschäftsführung der Asklepios-Kliniken, Ulrich Wand­schneider, wies Vorwürfe zurück, wonach Krankenhäuser ihre Fallzahlen steigerten, ohne dass dies medizinisch angezeigt sei. Gründe für die gestiegenen Fallzahlen seien unter anderem vielmehr die höheren Ansprüche älterer Menschen an eine hochwertige Behandlung. Zudem seien heute Behandlungen im Krankenhaus möglich, die früher nicht möglich gewesen seien. „Aber natürlich lassen sich die Patienten nicht operieren, nur damit das Krankenhaus höhere Gewinne macht“, so Wandschneider.

Mit Pföhler und Wandschneider saßen die Vorstände der Unternehmen zusammen auf die Podium, die zurzeit Gegenspieler bei der geplanten Übernahme der Rhön-Klinikum AG durch den Gesundheitskonzern Fresenius sind, zu dem auch die Helios-Kliniken gehören. Fresenius hatte den Rhön-Aktionären ein Übernahmeangebot gemacht, dass am Mittwoch um Mitternacht endete. Für eine Übernahme müssten Fresenius zu diesem Zeitpunkt 90 Prozent der Rhön-Aktien angeboten worden sein.

Am Mittwochnachmittag hatte jedoch Asklepios überraschend 5,01 Prozent der Rhön-Aktien übernommen, um die Übernahme noch zu verhindern. Denn eine Fusion von Helios und Rhön würde einen Krankenhausträger schaffen, dessen Umsatz fast doppelt so hoch liegt wie der von Asklepios. 

Trotz mehrfacher Nachfrage wollten sich Pföhler und Wandschneider nicht zu den Auseinandersetzungen beider Unternehmen äußern. Ob Fresenius 90 Prozent der Rhön-Aktien angeboten worden sind, steht zurzeit noch nicht fest. © fos/aerzteblatt.de

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