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Medizin

„Impfstoff“ gewöhnt Mäusen das Rauchen ab

Donnerstag, 28. Juni 2012

New York – US-Forscher haben ihren Versuchstieren den Spaß am Rauchen genommen. Nach einer Gentherapie produzierte die Leber der Mäuse genügend Antikörper, die einer Studie in Science Translational Medicine (2012; 4: 140ra87) zufolge das Nikotin im Blut abfing, bevor es das Gehirn erreichte.

Das Team um Ronald Crystal vom Weill Cornell Medical College spricht von einer neuen Art der „Impfung“, da bereits eine einmalige Behandlung die Tiere lebenslang gegen die Wirkung von Nikotin, dem Suchtstoff im Tabakrauch, immunisiere. In Wirklichkeit handelt es sich um eine klassische Gentherapie.

Wie bei anderen Formen der Gentherapie wird der Körper mit einem Adeno-assoziierten Virus infiziert. Es wurde von Chemikern des Scripps Research Institute in La Jolla/Kalifornien so konstruiert, dass es Hepatozyten infiziert und dort seine Genlast ablädt. Diese besteht aus dem Gen für einen hoch-affinen Antikörper, der von der Leberzelle produziert und ins Blut freigesetzt, Nikotin bindet.

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In den Experimenten erwies sich der Impfstoff als äußerst effizient. Laut Crystal erreichte nur 15 Prozent des von den Tieren inhalierten Nikotin das Gehirn. Der Rest wurde von den Antikörpern im Serum sequestriert. Während sich die Tiere einer Vergleichsgruppe nach der Benebelung mit Tabakrauch begannen, im Käfig zu „chillen“ (Crystal) und Blutdruck und Herzfrequenz nikotinbedingt sanken, bewahrten die geimpften Mäuse, die ihrer Natur entsprechende Unruhe.

In einem nächsten Schritt wollen die Forsche die Ergebnisse an Ratten wiederholen. Danach kämen dann Affen in den Genuss der Therapie, bevor am Ende klinische Studien am Menschen durchgeführt würden. Dies würde allerdings voraussetzen, dass sich die Therapie als sicher erweist.

Da die Tabaksucht eine Mischung aus physischer Abhängigkeit und psychischer Gewöhnung ist, erscheint ein Erfolg nicht unbedingt garantiert. Wegen der schlechten Nikotinwirkung könnte die Zahl der gerauchten Zigaretten und damit die Schadenswirkung noch zunehmen. Die von Crystal vorgebrachte Idee, Eltern könnten ihre Kinder vor der Pubertät, ähnlich wie bei der HPV-Impfung, vor späteren Schäden bewahren, dürfte auf ethische Bedenken stoßen. © r0e/aerzteblatt.de

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