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Medizin

Chronischer Rückenschmerz könnte im Gehirn entstehen

Montag, 2. Juli 2012

Chicago – Ist chronischer Rückenschmerz das Ergebnis eines fehlgeleiteten Lern­prozesses im Gehirn? US-Forscher beschreiben in Nature Neuroscience (2012: doi: 10.1038/nn.3153), wie die Chronifi­zierung von Rückenschmerzen mit einem Verlust an grauer Hirnsubstanz einhergeht und durch eine Untersuchung mit der funktionellen Kernspintomographie sogar vorhersehbar sein könnte.

Die meisten Wissenschaftler vermuten die Ursache der chronischen Rückenschmerzen in Deformierungen der Bandscheiben oder den resultierenden Verspannungen der Rückenmuskulatur. Hier setzen auch die meisten Therapien der chronischen Lumbalgie an. Der Hirnforscher Vania Apkarian von der Feinberg School of Medicine in Chicago dagegen ist davon überzeugt, dass das Gehirn an der Chronifizierung zumindest beteiligt ist.

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In den letzten zwei Jahrzehnten hat sein Labor zeigen können, dass die Entwicklung chronischer Rückenschmerzen tatsächlich mit Veränderungen im Gehirn einhergeht. Jetzt glaubt Apkarian belegen zu können, dass es sich nicht allein um Begleiterscheinungen der quälenden Schmerzen handelt, sondern dass die Chronifizierung im Gehirn angelegt ist.

Für die aktuelle Studie hat das Team 39 Patienten, die seit 4 bis 16 Wochen an akuten Rückenschmerzen litten, über ein Jahr begleitet. Insgesamt 20 Patienten sollten sich in dieser Zeit von ihren Rückenschmerzen erholen, während die anderen chronische Rückenschmerzen entwickelten. An insgesamt vier Terminen wurden alle Teilnehmer mit einem 3-Tesla-Kernspintomographen untersucht.

Auffälligste Begleiterscheinung der Chronifizierung war ein Rückgang der grauen Hirnsubstanz. Betroffen waren vor allem zwei Hirnregionen: die Insula und der Nucleus accumbens. Die Insula ist direkt an der Wahrnehmung von Schmerzen beteiligt. Der Nucleus accumbens, Teil des mesolimbischen Systems, ist für ihre emotionale Bewertung zuständig. Eine falsche Bewertung der Schmerzen durch diese Region könnte, so vermutet Apkarian, zu einem Lerneffekt führen, an dessen Ende der chronische Schmerz stünde.

Der Nucleus accumbens ist mit einer weiteren Region, dem medialen präfrontalen Cortex, verbunden. Die Studie zeigt, dass es hier ebenfalls zu Veränderungen der „Konnektivität“ kommt. Anhand der Untersuchungen dieser Verbindungen mittels einer funktionellen Kernspintomographie konnte Apkarian sogar vorhersagen, welche Patienten später chronische Rückenschmerzen entwickelten, wobei man diese Aussage des Hirnforschers sicherlich nicht auf die klinische Goldwaage legen sollte.

Der Befund des Grundlagenforschers müsste in einem nächsten Schritt prospektiv an einer größeren Zahl von Patienten überprüft werden. Wenn Apkarian allerdings Recht haben sollte, könnten sich daraus neue Konzepte für die Therapie der akuten Lumbalgie ergeben. © rme/aerzteblatt.de

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