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Medizin

IVF: Kaffee und fettes Essen gefährden Kinderwunsch

Dienstag, 3. Juli 2012

Aarhus/Boston – Frauen mit Kinderwunsch sollten auf zu eine zu fetthaltige Kost verzichten und den Kaffeekonsum einschränken. Beides war in zwei Studien, die auf der Jahrestagung der European Society of Human Reproduction and Embryology (ESHRE) in Istanbul vorgestellt wurden, mit einer deutlichen Verminderung der Schwanger­schaftsrate bei der In-vitro-Fertilisation (IVF) und der Intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) verbunden.

Der negative Einfluss von fettiges Kost auf die Fertilität ist bekannt. Der hohe Konsum von Trans-Fetten war bereits in früheren Studien mit einer ovariellen Infertilität, Fehlgeburten und einer Endometriose assoziiert, berichtet Jorge Chavarro von der Harvard School of Public Health in Boston. Eine Störung des Lipidstoffwechsels wird auch für die Unfruchtbarkeit von Frauen mit polyzystischem Ovarialsyndrom verantwortlich gemacht.

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Eine Ursache für die nahrungsbedingte Fertilitätsstörung könnte die verminderte Aus­reifung der Oozyten in der Reduktionsteilung in den Ovarien sein. Chavarro konnte jetzt in einer Studie nachweisen, dass der Anteil der Oozyten, die bei der Entnahme für die IVF die Metaphase II erreicht haben, umso geringer ist, je fetthaltiger sich die Frauen ernähren, wobei die ungesättigten Fettsäuren, zu denen die Trans-Fette gehören, eine wichtige Rolle spielen.

Die fetthaltige Ernährung gefährdete nicht nur die Ausbeute bei der Eizellentnahme. Für IVF und ICSI können nur Oozyten in der Metaphase II verwendet werden. Auch die spätere Teilung der befruchteten Eizelle war bei Frauen, die sich fetthaltig ernähren, vermindert, obwohl dieser Prozess nach IVF/ICSI außerhalb des Körpers im Reagenzglas stattfindet.

Die Furchung ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal des Embryos. Sie bestimmt die Aussichten auf eine ausgetragene Schwangerschaft. Tatsächlich brachten Frauen, die sich fettarm ernähren, 3,45-fach häufiger ein Kind zur Welt als Frauen die mehrfach ungesättigte Fettsäuren bevorzugten. Warum mehrfach ungesättigte Fettsäuren die Fertilität einschränken, ist nach Auskunft von Chavarro unbekannt. Er vermutet, dass Entzündungsreaktionen oder eine Insulinresistenz eine Rolle spielen.

Dass auch Kaffee die Fertilität beeinträchtigen kann, wird ebenfalls seit längerem vermutet. Ein starker Kaffee- oder auch Teekonsum gehörte neben Rauchen, Alkohol, Übergewicht und sozialer Deprivation zu den fünf Lebensstilfaktoren, die in einer vielbeachteten Studie die Zeit bis zum Erzielen einer Schwangerschaft um mehr als den Faktor 7 verlängerte (Fertil Steril 2004; 81: 384-92).

Ob eine Kaffee-Abstinenz die Erfüllung des Kinderwunsches beschleunigen kann, wurde aber durch eine Cochrane-Analyse aus dem Jahr 2009 bezweifelt. Jetzt liefert Ulrik Schiøler Kesmodel von der Fertilitätsklinik an der Universität Aarhus in Dänemark weitere Argumente.

Seine prospektive Beobachtung von fast 4.000 Frauen zeigt, dass Frauen, die täglich 5 Tassen oder mehr Kaffee trinken, zu 50 Prozent seltener durch IVF oder ICSI schwanger werden. Die Wahrscheinlichkeit auf ein ausgetragenes Kind war um 40 Prozent vermindert. Für einen geringeren Konsum konnte Schiøler Kesmodel keine negative Auswirkung nachweisen, so dass er den Kaffeetrinkerinnen rät, den Konsum auf wenige Tassen zu beschränken, wenn sie nicht völlig darauf verzichten möchten. © rme/aerzteblatt.de

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