Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Rechtsgutachten hält neuen Bluttest auf das Down-Syndrom für illegal

Donnerstag, 5. Juli 2012

dapd

Berlin – Der vom Konstanzer Unternehmen „LifeCodexx“ für Juli angekündigte pränatale Test auf Down-Syndrom „PraenaTest“ durch eine Blutentnahme bei der werdenden Mutter ist kein zulässiges Diagnosemittel nach dem Gendiagnostikgesetz. Dies ist zumindest das Fazit des heute veröffentlichten Rechtsgutachtens von Ferdinand Gärditz von der Universität Bonn. Wegen einer unzulässigen Gefährdung der Sicherheit und Gesundheit Dritter sei zudem der „PraenaTest“ entsprechend dem Medizinprodukte­gesetz nicht als Medizinprodukt verkehrsfähig, erklärte Gärditz. Die zuständigen Landesbehörden seien nach dem Gesetz ermächtigt, zu verhindern, dass der "PraenaTest" auf den Markt komme.   

„Der Test dient weder medizinischen noch therapeutischen Zwecken. Nach dem Gendiagnostikgesetz müssen aber gerade diese Zwecke für eine zulässige vorgeburtliche Untersuchung vorliegen“, erklärte Hubert Hüppe, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen.  Das Down-Syndrom ist weder therapierbar noch heilbar. „Es geht beim Bluttest fast ausschließlich um die Selektion von Menschen mit Down-Syndrom. Er diskriminiert damit Menschen mit Down-Syndrom in der schlimmsten Form, nämlich in ihrem Recht auf Leben", warnte Hüppe.

Im Gegensatz zur risikoreichen Amniozentese werden für „PraenaTest“ nur zweimal zehn Milliliter Blut der Mutter untersucht. Von den Krankenkassen wird er nicht übernommen  und kostet etwa 1.200 Euro. Doch mit dem neuen „vermeintlich einfacheren“ Test sei zu befürchten, dass die „Rasterfahndung“ nach Menschen mit Down-Syndrom noch verstärkt werde, sagte Hüppe.

 „Damit steigt der Druck auf Frauen, den angeblich risikoärmeren Test durchführen zu lassen und bereits bei auffälligem Befund abzutreiben. Frauen, die ein Kind mit Down-Syndrom austragen, werden sich zukünftig noch mehr rechtfertigen müssen.“ Im Gendiagnostikgesetz seien für derartige unzulässige vorgeburtliche Untersuchungen mögliche strafrechtliche Folgen vorgesehen.

Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Frank Ulrich Montgomery, sieht den Test indes nicht als den Kern des Problems: Es stehe nicht eine neue Diagnose-Methode zur Diskussion, „sondern es geht um die Pränatal-Diagnostik und ihre Konsequenzen insgesamt“, sagte er der Rheinischen Post. „Unsere Gesellschaft hat sich für Pränatal-Diagnostik entschieden. Das Rad lässt sich nicht mehr zurückdrehen. Daher ist es besser, diesen Bluttest anzuwenden, als eine mit Risiken behaftete Fruchtwasser­untersuchung vorzunehmen.“

Behindertenverbände, Lebensschützer und Vertreter der katholischen Kirche lehnen den Bluttest indes ab, weil er eine Selektion von Menschen mit Behinderung ermögliche. Zuletzt hatte der Münsteraner Bischof Felix Genn die „Allmachtsfantasie“ angeprangert, dass der Mensch bis ins Erbgut hinein alles machen und kontrollieren wolle. © ER/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

20.12.17
Nichtinvasive Pränataltests auf Trisomie 21 arbeiten zuverlässig
Köln – Nichtinvasive Pränataltests auf Trisomie 21 können laut einer Analyse des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) Feten mit einer Trisomie 21 sehr zuverlässig......
29.05.17
Belgien bezuschusst Pränataltests
Brüssel – Ab Juli können Schwangere in Belgien für maximal 8,68 Euro ihr ungeborenes Baby auf das Down-Syndrom testen lassen. Ge­sund­heits­mi­nis­terin Maggie De Block stelle für die Bezuschussung des......
25.05.17
Ärztinnenbund gegen flächendeckenden Einsatz nicht invasiver Pränataltests
Berlin – Der Ethikausschuss des Deutschen Ärztinnenbundes (DÄB) hat sich in einer aktuellen Stellungnahme gegen die Übernahme von Kosten für nicht invasive Pränataltests (NIPT) aus mütterlichem Blut......
05.05.17
Kostenloser Pränataltest für Schwangere in Frankreich
Paris – Schwangere können in zwei staatlichen Frauenkliniken in Paris kostenlos ihr ungeborenes Baby auf das Down-Syndrom testen lassen. Bezuschusst werde der Test vom Ge­sund­heits­mi­nis­terium,......
04.04.17
Medizinprodukte­reform: EU-Parlament stimmt auch über Pränatal-Tests ab
Brüssel/Straßburg – In Europa sind mehr als 40.000 verschiedene In-Vitro-Diagnostik-Produkte auf dem Markt. Mit ihnen kann man genetische Veranlagungen und Krankheiten feststellen, wie etwa die......
31.03.17
Niederlande erlaubt Pränataltest für alle Schwangeren
Den Haag – In den Niederlanden kann Medienberichten zufolge ab Samstag jede Schwangere einen Bluttest zur Untersuchung der DNA des Fötus machen. Zuvor sei es nur für Schwangere mit einem erhöhten......
16.02.17
G-BA beauftragt Elterninformationen zu Pränataltest
Berlin – Die Mitglieder des Gemeinsamen Bundes­aus­schuss (G-BA) haben Versicherteninformationen zur nicht invasiven Pränataldiagnostik (NIPD) zur Bestimmung des Risikos autosomaler Trisomien 13, 18 und......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige