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Medizin

Thrombo­poetin-Agonist lindert aplastische Anämie

Donnerstag, 5. Juli 2012

Bethesda – Der orale Thrombopoetin-Rezeptoragonist Eltrombopag, (Revolade®), der zur Behandlung der Thrombozytopenie entwickelt wurde, kann offenbar auch die beiden anderen Zelllinien des Knochenmarks stimulieren. In einer Studie im New England Journal of Medicine (2012; 367: 11-19) wurde das Medikament erfolgreich bei Patienten mit therapierefraktärer aplastischer Anämie eingesetzt.

Die aplastische Anämie ist eine glücklicherweise seltene Autoimmunerkrankung, die gegen die hämatopoetischen Stammzellen gerichtet ist. Es kommt zu einem kombinierten Mangel an Thrombozyten, Erythrozyten und Knochenmarksleukozyten. Als Gegenregulation steigert die Körper die Bildung der Wachstumsfaktoren für diese Zellen, was erklären mag, warum die Therapie mit Erythropoetin und koloniestimulierenden Faktoren für Granulozyten und Makrophagen in der Regel erfolglos bleibt.

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Auch die Konzentration von Thrombopoietin war bei den 25 Patienten erhöht, die das Team um Cynthia Dunbar vom National Heart, Lung and Blood Institute in Bethesda behandelt hat. Dennoch hat die Therapie mit Eltrombopag die Thrombozytenzahl so weit gesteigert, dass neun Patienten auf Transfusionen mit Thrombozyten verzichten konnten. Dunbar führt dies darauf zurück, dass Eltrombopag nicht mit dem natürlichen Hormon Thrombopoietin um die Bindungsstelle konkurriert, sondern an anderer Stelle die Umsetzung des Signals über Proteinkinasen fördert.

Noch erstaunlicher war indes, dass sich bei sechs Patienten der Hämoglobinwert besserte und neun Patienten sich von einer Neutropenie erholten (Insgesamt sechs Patienten erzielten Verbesserungen in allen drei Zelllinien). Eine mögliche Erklärung ist, dass Thrombopoietin nicht nur ein Wachstumsfaktor für Thrombozyten ist, sondern auf den gemeinsamen Vorläufer aller drei Zelllinien wirkt. Dafür sprechen auch gentechnische Experimente an Knock-out-Mäusen, die ohne Thrombopoietin-Rezeptor ebenfalls an einer Panzytopenie des Knochenmarks erkranken.

Für die 25 Studienteilnehmer war die Therapie mit Eltrombopag ohne Alternative. Sie hatten auf die Standardtherapie, eine immunsuppressive Kombination mit Pferde-Antithymozytenglobulin (ATG) plus Ciclosporin nicht angesprochen und es stand kein geeigneter Spender für eine allogene Knochenmarktransplantation zur Verfügung.

Die Eltrombopag-Therapie wurde in den ersten 12 Wochen gut vertragen. Eine Garantie für eine langfristige Sicherheit ist dies nicht. Es ist nicht auszuschließen, dass die starke Stimulation des Knochenmarks langfristig der Bildung eine Myelodysplasie und Leukämien Vorschub leisten könnte. Auch ohne Therapie kommt es bei 10 bis 15 Prozent der Patienten zum unkontrollierten Wachstum von Zellklonen, was mit dem ungehemmten Antrieb durch die natürlichen Wachstumsfaktoren zusammenhängen dürfte. © rme/aerzteblatt.de

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