NewsMedizinNur hoch dosiertes Vitamin D kann Frakturen verhindern
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Nur hoch dosiertes Vitamin D kann Frakturen verhindern

Donnerstag, 5. Juli 2012

Zürich – Randomisierte Studien zur Vitamin-D-Prophylaxe von osteoporotischen Frakturen im Alter haben bisher keine eindeutigen Ergebnisse geliefert. Eine neue Meta-Analyse im New England Journal of Medicine (2012; 367:40-49) kommt zu dem Ergebnis, dass ein Effekt nur bei höheren Dosierungen zu erwarten ist.

Vitamin D fördert die Resorption von Kalzium im Darm und dessen Einbau in den Knochen. Die Substitution mit Vitamin D ist deshalb ein plausibler Ansatz in der Präven­tion der Osteoporose, zumal viele ältere Menschen niedrige Vitamin D-Werte haben, da sie sich zu wenig im Freien aufhalten und sich oft vitaminarm ernähren.

Die Ergebnisse der zahlreichen randomisierten klinischen Studien waren nicht eindeutig. Eine Cochrane-Analyse auf der Basis von 45 Studien mit 84.585 Teilnehmern kam zuletzt zu dem Ergebnis, dass allenfalls die Kombination von Vitamin D mit Kalzium in der Lage ist, Frakturen zu vermindern. Doch auch hier wurde nur eine Reduktion um relativ 16 Prozent erreicht.

Anzeige

Heike Bischoff-Ferrari vom Universitätsspital Zürich glaubt, dass die unbefriedigenden Ergebnisse in den Studien auf eine häufig zu niedrige Dosierung zurückzuführen sind. Ihre Meta-Analyse schlüsselt deshalb die Daten (aus 11 Studien mit 31.022 Teilnehmern) nach der aktuellen Einnahme von Vitamin D auf, wobei sie die Therapieadhärenz und die zusätzliche Einnahme von Supplementen (neben der Medikation) berücksichtigt hat.

Für das Quartil mit der höchsten Vitamin D-Zufuhr (median 800 IU pro Tag) errechnet Bischoff-Ferrari eine Reduktion der Hüftfrakturen um 30 Prozent gegenüber Placebo (Hazard Ratio HR 0,70; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,58-0,86), während es in der Gesamtgruppe nur zu einem Rückgang um 10 Prozent kam.

Die Rate von nicht-vertebralen Frakturen geht bei einer hohen Zufuhr von Vitamin D um 14 Prozent zurück (HR 0,86; 0,76-0,96) gegenüber nur 7 Prozent in der Gesamtheit aller Vitamin-D-Dosierungen. Anders als in den früheren Meta-Analysen war die Wirkung nicht an die zusätzliche Einnahme von Kalzium gebunden oder auf Subgruppen (wie Pflege­heimbewohner) beschränkt.

Der Editorialist Robert Heaney vom Osteoporosis Research Center an der Creighton University Medical Center in Omaha/Nebraska vermutet, dass die Wirkung von Vitamin D noch besser sein könnte, wenn die Dosis an den Bedarf angepasst würde. In den meis­ten Studien wurden die Teilnehmer nämlich ohne Rücksicht auf die Ausgangs­kon­zen­trationen im Blut behandelt, die beim Vitamin D in Abhängigkeit von Sonnenexposition und Ernährung stark schwanken können.

Bei sehr niedrigen Plasmawerten könnte die Dosis zu gering sein, um eine Wirkung zu erzielen. Bei sehr hohen Ausgangswerten könnte eine zusätzliche Substitution sogar toxische Wirkungen haben, ohne die Frakturrate weiter zu senken, befürchtet der Osteoporoseforscher. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

25. November 2020
Zürich – Die tägliche Einnahme von Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren und/oder ein regelmäßiges Sportprogramm haben in einer randomisierten Studie den Gesundheitszustand gesunder Senioren in den ersten
Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren und Sport in Altersstudie vorerst ohne Nutzen
8. September 2020
Pittsburgh – Der Ausgleich eines Vitamin D-Mangels hat in einer randomisierten klinischen Studie an asthmaerkrankten Kinder nicht vor weiteren Exazerbationen schützen können. Die im Amerikanischen
Vitamin D kann Asthmaanfälle bei Kindern nicht verhindern
28. August 2020
Seoul – Die tägliche Einnahme von Vitamin D und Kalziumkarbonat hat in einer randomisierten Studie die Zahl der Rezidive nach einer erfolgreichen Behandlung des benignen paroxysmalen
Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel: Vitamin D plus Kalzium senken Anfallsrate in Studie
6. August 2020
Boston – Obwohl mehrere Beobachtungsstudien auf ein erhöhtes Risiko von Depressionen bei Menschen mit Vitamin D-Mangel hingewiesen haben, blieb die Behandlung mit dem sogenannten Sonnenhormon in einer
Vitamin D kann Depressionen bei Erwachsenen in großer Studie nicht verhindern
24. Juli 2020
Boston – Eine wöchentliche Substitution hat in der Mongolei, einer Region mit einer verbreiteten Vitamin-D-Unterversorgung, bei Kindern den Mangel behoben. Die erhoffte präventive Wirkung auf eine
Vitamin D schützt nicht vor Tuberkulose und anderen schweren Atemwegsinfektionen
21. April 2020
Berlin − Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln sowie Lebensmitteln mit Vitaminzusatz sollten aus Sicht der Bundesregierung EU-weit geregelt werden. Nationale
Klöckner für EU-weit einheitliche Vorgaben für Vitaminzusätze
5. März 2020
Chapel Hill/North Carolina. Die tägliche Einnahme von antioxidativen Multivitaminen hat in einer randomisierten Studie die Zeugungsfähigkeit von Männern mit Störungen der Spermienproduktion nicht
VG WortLNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER