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Medizin

Niederlande: Chlamydien-Screening gescheitert

Donnerstag, 5. Juli 2012

Bilthoven – Ein jährliches Screening junger Menschen hat in einer Implementierungs­studie in den Niederlanden die Prävalenz von Chlamydieninfektionen nicht wesentlich senken können. Die Autoren sprechen sich im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2012; 345: e4316) gegen die landesweite Einführung des Screenings aus.

Infektionen mit Chlamydia trachomatis gehören zu den häufigsten sexuell übertragbaren Erkrankungen. Betroffen sind vor allem jüngere Frauen, bei denen die zumeist asymptomatischen chronischen Infektionen zur Infertilität und zu chronischen Beckenentzündungen (“pelvic inflammatory disease“) führen können, während die Infektion bei Männern selten dauerhafte Schäden hinterlässt. Eine Behandlung ist mit Tetrazyklinen und anderen Antibiotika effektiv und gut verträglich.

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In England wird seit 2003 allen Männern und Frauen unter 25 Jahren kostenlos ein jährlicher Test angeboten, zu dem auch nach jedem Partnerwechsel geraten wird. Der Zuspruch ist hoch. Zuletzt konnten 33 Prozent der 15 bis 24-jährigen erreicht werden. In den Niederlanden wird ebenfalls die Einführung eines Screenings überlegt.

In einer Pilotstudie waren 2002/03 Test-Kits an 21.000 Frauen und Männer im Alter von 15 bis 29 Jahren verschickt worden. 41 Prozent schickten damals die Test-Kits ans Labor zurück. Aufgrund der hohen Kosten des Screenings verlangte die niederländische Regierung eine zweite Implementierungsstudie. Sie sollte untersuchen, ob die Prävalenz nach drei Screening-Runden gesenkt werden kann.

Zwischen 2008 und Mai 2010 waren in Amsterdam, Rotterdam und Süd-Limburg mehr als 300.000 Menschen im Alter von 16 bis 29 Jahren angeschrieben worden. Auf einer Internetplattform konnten sie die Test-Kits anfordern. Die Registrierung sollte verhindern, dass die meisten Test-Kits unbenutzt im Müll landen. Doch der Umweg über das Internet hat die Teilnehmerrate im ersten Durchgang auf 16,1 Prozent gesenkt. Bei den beiden folgenden Runden ging sie auf 9,5 Prozent zurück.

Das geringe und im Verlauf weiter sinkende Interesse ist für Ingrid van den Broek vom Rijksinstituut voor Volksgezondheid en Milieu Bilthoven (RIVM) ein Grund, am langfristigen Erfolg des Screenings zu zweifeln. Der zweite wichtigere Grund für das Scheitern ist, dass die Rate der Chlamydieninfektionen nur von 4,3 auf 4,1 Prozent gesenkt werden konnte. Dies lasse auf lange Sicht keine wesentliche Reduktion der Prävalenz von Chlamydieninfektionen erwarten. Das Screening sei somit nicht kosteneffektiv, heißt es in der Pressemitteilung des RIVM.

Dabei zeigt die Auswertung, dass bei regelmäßiger Teilnahme die Prävalenz halbiert werden könnte. Unter den 2,8 Prozent der Angeschriebenen, die an allen drei Untersuchungen teilnahmen, fiel der Anteil der positiven Testergebnisse von 5,9 auf 2,9 Prozent (Odds Ratio 0,49; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,47-0,50). © rme/aerzteblatt.de

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