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Medizin

Diabetesmedikament Metformin lässt Nervenzellen sprießen

Freitag, 6. Juli 2012

Toronto – Der gleiche Mechanismus, über den Metformin in der Leber die Glukoneo­genese hemmt, kann im Gehirn neuronale Stammzellen aktivieren. Zellbiologen berichten in Cell (2012; doi; 10.1016/j.stem.2012.03.016), dass das Diabetesmittel bei Mäusen die kognitiven Fähigkeiten fördert. Damit könnte Metformin ein wirksames Mittel bei neurode­generativen Erkrankungen sein.

Vor anderthalb Jahren hatte Freda Miller von der Universität Toronto entdeckt, dass ein Stoffwechselweg namens PKC-CBP neuronale Stammzellen zur Bildung neuer Nerven­zellen veranlasst. Etwas zur gleichen Zeit hatten Forscher an der Johns Hopkins Universi­tät in Baltimore herausgefunden, dass die Wirkung von Metformin ebenfalls über die Aktivierung von PKC-CBP zustande kommt. Miller hat dann eins und eins zusammen­gezählt und die Wirkung von Metformin auf neuronale Stammzellen untersucht.

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Tatsächlich zeigen ihre Experimente, dass Metformin in Zellkulturen die Differenzierung von neuronalen Stammzellen der Maus und des Menschen anregt. Neuronale Stamm­zellen sind im Gehirn vor allem im Hippocampus vorhanden. Miller kann zeigen, dass die Behandlung von Mäusen mit Metformin in diesen Hirnregionen die Reifung neuer Hirn­zellen aus Stammzellen anregt.

Diese Nervenzellen werden im Hippocampus für das Gedächtnis benötigt. Miller hat deshalb untersucht, ob die Therapie mit Metformin sich auf die Lernfähigkeit der Tiere auswirkt, was in der Tat der Fall war: In einem typischen Labyrinthtests konnten sich die Tiere unter Metformin besser an die genaue Lage einer Unterwasserplattform erinnern.

Auch die klinische Erfahrung zeigt, dass sich die kognitiven Fähigkeiten unter einer Metformintherapie verbessern können. Dies wurde bisher allerdings auf die blutzucker­senkende Wirkung und den dann verminderten Bedarf an Insulin zurückgeführt. Wenn Metformin auch beim Menschen die Bildung neuer Nervenzellen im Hippocampus fördern sollte, dann könnte das Medikament auch für Patienten mit Hirnschäden oder degene­rativen Erkrankungen wie dem Morbus Alzheimer eine therapeutische Option sein.

Klinische Studien zu dieser Frage könnten sofort begonnen werden, da Metformin als Medikament zugelassen ist. Beim Typ-2-Diabetes mellitus ist es heute sogar das bevorzugte Mittel. Das bereits 1922 synthetisierte Biguanid Metformin gehört derzeit zu den interessantesten Molekülen in der medizinischen Forschung.

Tierversuche haben gezeigt, dass Metformin bei Mäusen mit Morbus Huntington das Leben verlängert. Auch eine krebspräventive Wirkung wird diskutiert. Ob dies auch für den Menschen relevant ist, kann mangels klinischer Daten derzeit nicht beurteilt werden. Die jetzige Publikation dürfte aber das Interesse der Forschung an Interventionsstudien mit Metformin bei Hirnerkrankungen fördern. © rme/aerzteblatt.de

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