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Politik

Volkswirtschaft könnte durch mehr Compliance Milliarden gewinnen

Montag, 9. Juli 2012

Gütersloh – Rund 20 Milliarden Euro könnte die deutsche Volkswirtschaft 2012 zusätzlich erwirtschaften, wenn chronisch kranke Arbeitnehmer bei der Bewältigung und Behandlung ihrer Krankheit mehr Unterstützung erhielten und dadurch therapietreuer wären. Das berichten die Bertelsmann Stiftung und die Strategieberatung Booz & Company in einer gemeinsamen Studie namens „Productivity gains from improving therapy adherence“.

Danach leiden in Deutschland unter der erwerbsfähigen Bevölkerung im Alter von 16 bis 65 Jahren 21,2 Prozent an Bluthochdruck, 17 Prozent an chronischen Rücken­schmerzen, 8,5 Prozent an Asthma, 5,2 Prozent an Depressionen und 3,8 Prozent an Arthritis. Sie verursachen erhebliche Produktivitätsausfälle. So kosteten wiederholte Fehlzeiten und Arbeitsunfähigkeit allein bei den Krankheitsbildern Depression und Rückenschmerzen in Deutschland bis zu 21 beziehungsweise 26 Milliarden Euro jährlich.

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Die Studie empfiehlt, Arbeitgeber und Sozialversicherung konsequenter in wirksame therapiebegleitende Maßnahmen einzubinden. „Das Kernproblem ist, dass Berufswelt einerseits und therapeutischer Kontext andererseits in keinerlei Zusammenhang stehen“, sagte Peter Behner von Booz & Company.

Auf die Bedeutung der Lebensführung beim Umgang mit der Krankheit wies Brigitte Mohn hin, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung. „Patienten müssen von der Notwendigkeit einer solchen Umstellung überzeugt sein und gemeinsam mit dem Arzt die Entscheidung über die individuelle Ausgestaltung der Therapie treffen“, betonte sie. Eine umfassende Patienteninformation, Coaching-Programme, aber auch der Austausch mit anderen Betroffenen über spezielle Netzwerke seien von großer Bedeutung.

Als einen wichtigen Hemmschuh identifiziert die Studie, dass es bisher kaum ausgereifte Ansätze für eine individualisierte und settingbezogene Therapiebegleitung gebe.   hil

http://www.bertelsmann-stiftung.de/bst/de/media/xcms_bst_dms_36199_36200_2.pdf  |   Studienzusammenfassung

© hil/aerzteblatt.de

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