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Medizin

Eisenmangel: Substitution auch bei nicht-anämischen Frauen wirksam

Dienstag, 10. Juli 2012

Genf – Ein latenter Eisenmangel führt nicht sofort zur Anämie. In einer randomisierten Studie im Canadian Medical Association Journal (CMAJ 2012; doi: 10.1503 /cmaj.110950) war die Substitution dennoch in der Lage, das Leitsymptom Abgeschla­genheit zu lindern. Aber auch im Placebo-Arm wurde eine beachtliche Wirkung erzielt.

Eine Indikation zur Eisensubstitution wird bei Frauen im gebärfähigen Alter heute in der Regel erst bei einem Abfall des Hämoglobins (Hb) auf unter 12 g/dl gesehen. Die 198 Teilnehmerinnen der Studie, die die Gruppe um Bernard Favrat von der Universität Genf im Auftrag eines Herstellers eines Eisenpräparates durchführte, hatten alle Teilneh­merinnen einen höheren Hb: Bei einem Drittel lag er über 13 g/dl. Ihr Ferritinwert war jedoch grenzwertig. Einschlusskriterium war ein Abfall auf unter 50 µg/l, bei einem einem Drittel war er auf unter 15 µg/l abgefallen. Alle klagen über Abgeschlagenheit (Fatigue) mit mindestens 6 von 10 Punkten auf einer Likert-Skala. Die Fatigue ist ein Leitsymp­tome der Anämie.

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Nach einer Randomisierung wurde die Hälfte der Frauen mit oralem Eisensulfat behandelt, während die andere Hälfte Placebo erhielt. Die Substitution füllte die Eisenspeicher auf (Ferritin plus 11,6 µg/l), der Einfluss auf den Hb-Wert (plus 0,28 g/dl) blieb allerdings bescheiden. Nur bei Frauen mit einem Ausgangswert unter 13 g/dl wurde ein Anstieg um etwa 1 g/dl erzielt.

Trotz der geringen Auswirkungen auf die Laborparameter waren die Auswirkungen auf die Abgeschlagenheit deutlich. Favrat berichtet nach 12 Wochen Therapie von einem Rückgang auf der Fatigue-Scale in der Current and Past Psychological Scale (CAPPS), dem primären Endpunkt der Studie, um 47,7 Prozent. Auch in zahlreichen sekundären Endpunkten zur Abgeschlagenheit und sogar zu Angst und Depression wurden Verbesserungen erzielt.

Allerdings erwies sich auch die Placebobehandlung als überraschend effektiv. Die Fatigue-Scale besserte sich um 28,8 Prozent, so dass die Eisensubstitution am Ende nur noch eine Verbesserung um 18,9 Prozent erzielten. In den sekundären Parametern zu Angst und Depressionen gab es keine signifikanten Unterschiede zur Eisensubstitution.

Für Favrat zeigen die Ergebnisse, dass der Eisenmangel eine unterschätzte Ursache für eine Abgeschlagenheit bei Frauen mit regelmäßigem menstruellem Blutverlust ist. Sofern sekundäre Ursachen ausgeschlossen sind, könnte eine Substitution die Frauen davor bewahren, dass die Symptome anderen emotionalen Faktoren zugeschrieben werde, schreibt Favrat. Die Möglichkeit, es vor einer echten Eisensubstitution mit einem Placebo zu versuchen, erwähnt er nicht. © rme/aerzteblatt.de

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