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Medizin

Periampulläres Adenokarzinom: Chemotherapie mit begrenzter Wirkung

Mittwoch, 11. Juli 2012

Liverpool – Obwohl Karzinome am gemeinsamen Ausgang von Gallen- und Pankreasgang oft frühzeitig entdeckt werden, ist die Prognose auch nach einer vollständigen Resektion ungünstig. Eine randomisierte klinische Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2012; 308: 147-156) zeigt jetzt erstmals eine Wirkung für eine adjuvante Chemotherapie, die allerdings bescheiden ausfiel und erst nach einer Multivariat-Analyse das Signifikanzniveau erreichte.

Die meisten periampullären Adenokarzinome sind noch klein, wenn sie infolge der Beschwerden entdeckt werden, die eine Blockade von Gallen- und/oder Pankreasgang auslöst. Etwa 80 Prozent der Tumore können reseziert werden (30 bis 40 Prozent aller resezierten Pankreaskopfkarzinome entfallen auf das periampulläre Adenokarzinom).

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Wegen des häufigen Befalls der regionalen Lymphknoten erfolgt meist eine radikale Whipple-Operation, gelegentlich mit Erhalt des Pylorus. Sie allein kann allerdings das Schicksal vieler Patienten nicht wenden. Die European Study Group for Pancreatic Cancer, an der sich auch Kliniken in Japan, Australien und Kanada beteiligten, hat erstmals an einer größeren Patientengruppe untersucht, ob eine Chemotherapie die Prognose verbessert.

Die 428 Patienten wurden nach der Operation unverblindet auf drei Studienarme randomisiert, in denen sie entweder nur beobachtet wurden oder eine Chemotherapie mit Fluorouracil oder Gemcitabin erhielten. Wie John Neoptolemos von der Universität Liverpool berichtet, sind nach weniger als 5 Jahren im Beobachtungsarm 61 Prozent der Patienten verstorben gegenüber 58 Prozent unter der Therapie im Fluorouracil-Arm (plus Folinsäure) und 52 Prozent im Gemcitabin-Arm.

Die mittlere Überlebenszeit wurde von 35,2 Monate im Beobachtungsarm auf 43,1 Monate unter einer Chemotherapie verlängert. Der Unterschied war allerdings erst nach einer Multivariat-Analyse signifikant. Sie korrigierte Ungleichverteilungen, die im Alter der Patienten, im Anteil von Gallengangskarzinome, bei der Tumordifferenzierung und im Lymphknotenstatus bestanden hatten.

Dieser statistische Kunstgriff in einer nicht-verblindeten Studie dürfte die Aussagekraft der Studie einschränken, die laut Neoptolemos jedoch erstmals einen Vorteil der Chemotherapie beim periampullärem Adenokarzinom gezeigt hat. Die Autoren hoffen, dass weitere Studien die Ergebnisse bestätigen und eine Kombinationschemotherapie zu besseren Resultaten führen werde. © rme/aerzteblatt.de

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