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Medizin

Mäßiger Alkoholkonsum könnte Rheuma vorbeugen

Mittwoch, 11. Juli 2012

Stockholm – Frauen, die über zehn Jahre pro Woche mehr als drei alkoholische Getränke konsumierten, erkrankten in einer prospektiven Kohortenstudie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2012; 345: e4230) nur halb so häufig an einer rheumatoiden Arthritis. Die Autoren führen dies auf eine Hemmung der Autoimmunreaktion durch den Alkohol zurück.

Als Schweden im Jahr 1987 das Mammographie-Screening (schrittweise) einführte, erhielten die Frauen neben einer Einladung zur Früherkennung auch einen Fragebogen, der sich unter anderem nach ihrem Alkoholkonsum erkundigte. Zehn Jahre später wurde ein zweiter Fragebogen versandt. Wegen der zentralen Identifikationsnummer aller Schweden konnte die Gruppe um Alicja Wolk vom Karolinska Institut in Stockholm leicht ermitteln, dass später – zwischen 2003 und 2009 – 197 Frauen neu an einer rheumatoiden Arthritis erkrankten. Darunter waren überdurchschnittlich viele Frauen, die niemals oder nur selten Alkohol tranken.

Der Zusammenhang war zunächst nicht signifikant, was unter anderem damit zusammenhing, dass Frauen, die Alkohol konsumieren, häufig auch rauchen. Rauchen ist aber ein bekannter Risikofaktor für die rheumatoide Arthritis. Erst nach der rechnerischen Korrektur dieser und anderer Faktoren ergab sich eine statistisch eindeutige Assoziation.

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Danach erkrankten Frauen, die bei einer Umfrage angegeben hatten, vier oder mehr alkoholische Getränke pro Woche zu sich zu nehmen, zu einem Drittel seltener an einer rheumatoiden Arthritis (relatives Risiko RR 0,63; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,42-0,96). Frauen, die diesen Alkoholkonsum bei beiden Untersuchungen angegeben hatten, was für eine langfristige Gewohnheit spricht, erkrankten sogar nur halb so häufig an einer rheumatoiden Arthritis (RR 0,48; 0,24-0,98).

Dabei spielte es keine Rolle, ob es sich bei den einzelnen Getränken um 500 ml Bier, 150 ml Wein oder 50 ml Spirituosen handelte. Es ist deshalb unwahrscheinlich, dass andere Bestandteile der Getränke als der Alkohol für die „protektive“ Wirkung verantwortlich waren. Wolk vermutet, dass Alkohol eine hemmende Wirkung auf das Immunsystem hat, dessen Angriff ja die Autoimmunerkrankung Rheuma auslöst.

Sie verweist hier auf eine frühere Auswertung der Nurses’ Health Study. Dort konnte gezeigt werden, dass Patientinnen mit rheumatoider Arthritis vor dem Erkrankungsbeginn niedrigere Interleukin-6-Konzentrationen hatten, wenn sie regelmäßig Alkohol tranken. Die Nurses’ Health Study zeigte eine U-förmige Kurve, nach der ein stärkerer Alkoholkonsum wieder eine schädlichen Wirkung haben würde (Arthritis & Rheumatism 2010; 62: 3554–3559).

Dies konnte in der aktuellen Studie nicht gezeigt werden. Die präventive Wirkung erreichte allerdings bei mehr als drei Getränken in der Woche ein Plateau. Bei einem höheren Konsum müssten ohnehin die bekannten Risiken des chronischen Alkoholkonsums beachtet werden. © rme/aerzteblatt.de

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