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Medizin

Fraktur- und Tumorrisiko nach Transplantation ist eng mit der HLA-Kompatibilität assoziiert

Freitag, 13. Juli 2012

Heidelberg –  Die Bedeutung der Kompatibilität von HLA-Merkmalen für die Gesundheit eines Organempfängers ist zeitweise unterschätzt worden. Darauf hat Gerhard Opelz, Direktor der Abteilung Transplantations-Immunologie an der Universität Heidelberg, im Vorfeld des internationalen 24. Kongresses der Transplantation Society (TTS) in Berlin hingewiesen.

Die Immunsuppression habe sich vor allem seit Mitte der neunziger Jahre so weit verbessert, dass die HLA-Kompatibilität als Allokationskriterium in Ländern wie den USA in den Hintergrund getreten sei. Die Daten der Collaboration Transplant Study (CTS) aber, an der sich circa 500 vor allem europäische Zentren beteiligen, belegen, dass die HLA-Kompatibilität nicht nur einen Einfluss auf die Langzeitfunktion des übertragenen Organs hat. Je höher die HLA-Übereinstimmung, desto geringer auch das Risiko für Hüftfrakturen und Non-Hodgkin-Lymphome (NHL).

 „Wir erleben derzeit eine Renaissance der HLA-Merkmale in der Transplantations­medizin“, sagte Opelz, Präsident der TTS. Er hat die CTS im Jahr 1982 an der Universität Heidelberg etabliert: Es ist die größte Studie auf freiwilliger Basis im Bereich der Medizin, der Datenpool umfasst derzeit circa 550 000 Transplantationen.

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„Trotz einer steten Verbesserung der Langzeitfunktionsraten von Transplantaten beobachten wir noch immer eine Differenz von wenigen Prozent pro HLA-Mismatch“, sagte Opelz zum Deutschen Ärzteblatt. Mindestens ebenso bedeutend aber seien die in der CTS-Studie gefundenen Assoziationen zwischen HLA-Mismatches mit der Rate an Non-Hodgkin-Lymphomen (NHL) und Hüftfrakturen. Ein Grund für den Zusammenhang sei vermutlich die Intensität der Immunsuppression.

So habe eine Auswertung der Daten von 20.509 Nierenempfängern eine kumulative Hüftfrakturrate von 0,85 Prozent für die ersten fünf Jahre nach Transplantation ergeben. Die Cox-Regressionsanalyse zeigte deutlich erhöhte Risiken für weibliche Empfänger über 60 Jahre (Hazard Ratio (HR) 5,14; p<0,001), für Männer über 60 Jahre (HR 2,39; p=0,028), für Nierenspender über 60 Jahre (HR 1,75; p=0,009) und für die Übereinstimmung im HLA-DR-Locus: bei nur einem Mismatch betrug die HR 1,85 (p=0,007), bei zwei HLA-DR-Mismatches war das Hüftfrakturrisiko mehr als doppelt erhöht (HR 2,24; p=0,007).

Ebenfalls statistisch signifikante Zusammenhänge ergaben sich für die Rate an NHL-Erkrankungen und HLA-Kompatibilität. Die Analyse der CTS-Daten von 152.728 Patienten, die zwischen 1985 und 2007 eine postmortale Niere erhalten hatten, ergab ein um mehr als das doppelte erhöhtes Lymphomrisiko für je zwei HLA-DR- und –B-Mismatches (HR 2,29 und 2,82), nicht aber für HLA-A-Mismatches.

„Zwei HLA-DR-Mismatches sollten vermieden werden, gerade auch bei Kindern, bei denen wir ebenfalls ein erhöhtes Lymphomrisiko bei zwei Mismatches festgestellt haben“, sagte Opelz. Zusammenhänge wie diese ließen sich nur in großen Studien oder Registern darstellen. Es sei gut, dass im Eurotransplant-Verbund die HLA-Merkmale als Allokationskriterien erhalten geblieben seien. © nsi/aerzteblatt.de

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