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Medizin

Diabetes: Verstellen der Inneren Uhr kann Blutzucker senken

Freitag, 13. Juli 2012

dpa

La Jolla – US-Biologen, die die Grundlagen des Tag/Nachtrhythmus untersuchen, sind auf eine Substanz gestoßen, die den Blutzucker senkt. Die Wirkung kommt laut ihrem Bericht in Science (2012; doi: 10.1126/science.1223710) durch die Inhibition der Gluconeogenese in der Leber zustande.

Das menschliche Gehirn benötigt rund um die Uhr Glukose als Energieträger. Tagsüber erhält der Körper während der Mahlzeiten regelmäßig Nachschub. In der Nacht stellt die Leber die Grundversorgung sicher: Die Gluconeogenese ist dafür verantwortlich, dass der Blutzucker nicht ausgeht. Die Kontrolle erfolgt nicht nur über das Fastenhormon Glucagon, das in den Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse gebildet wird.

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Auch die Innere Uhr hat ein Mitspracherecht. Vor zwei Jahren fand Steve Kay von der Universität von Kalifornien in La Jolla heraus, dass die Moleküle Cryptochrom 1 und 2, die an der zirkadianen Rhythmik beteiligt sind und unter anderem in der Leber exprimiert werden, dort die Gluconeogenese hemmen (Nature Medicine 2010; 16: 1152-6).

Jetzt haben die Forscher ein Molekül gefunden, das den Abbau von Cryptochrom durch die Proteasomen hemmt. Die Proteasomen sind in den Zellen der „Schredder“, der verbrauchte Proteine entsorgt. Die KL001 genannte Substanz verhindert dies, so dass Cryptochrome länger wirksam sind.

Das Ergebnis ist eine verminderte Gluconeogenese und damit ein niedrigerer Blutzucker. Kay fand auch heraus, dass Cryptochrome die Wirkung von Glucagon in der Leber hemmen. Sie verhindern, dass das Fastenhormon die Enzyme aktiviert, für diese Synthese von Blutzucker aus Aminosäuren benötigt werden.

Ob KL001 sich zur Behandlung eines Typ-2-Diabetes mellitus eignen würde, kann derzeit nicht beurteilt werden. Die Studien beschränken sich auf Zellexperimente und mathe­matische Modelle. Ein Abfall der nächtlichen Glukosekonzentration ist außerdem eine gefürchtete Komplikation der Diabetestherapie. Der Einfluss der Inneren Uhr auf die Gluconeogenese könnte jedoch erklären, warum Schichtarbeiter häufiger an Adipositas und Typ-2-Diabetes mellitus erkranken. Schuld sein könnte eine Störung der Inneren Uhr. © rme/aerzteblatt.de

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