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Medizin

Höherer Blutdruck könnte gebrechlichen Senioren mehr nutzen als schaden

Dienstag, 17. Juli 2012

Corvallis – Ein erhöhter Blutdruck schadet im Alter möglicherweise nicht allen Menschen. Die bekannte Assoziation der arteriellen Hypertonie mit einer erhöhten Sterblichkeit war in einer Kohortenstudie in den Archives of Internal Medicine (2012; doi:10.1001/archinternmed.2012.2555) nur für rüstige Senioren nachweisbar. Mit zunehmender Gebrechlichkeit verkehrte sich der kardiovaskuläre Risiko- in einen Schutzfaktor.

In den letzten Jahren hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Behandlung einer arteriellen Hypertonie auch im höheren Alter sinnvoll ist. Sie gilt auch bei über 80-Jährigen als evidenzbasiert, seit die Hypertension in the Very Elderly Trial oder HYVET-Studie gezeigt hat, dass eine Senkung auf unter 150/80 mm Hg die Zahl der tödlichen Schlaganfälle und das Sterberisiko senkt. Wie häufig bei randomisierten klinischen Studien waren die Teilnehmer der HYVET-Studie gesünder als der Altersdurchschnitt. Viele Geriater fragen sich, ob die Ergebnisse auch auf ihre gebrechlichen Senioren anwendbar sind.

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Die Ergebnisse, die Michelle Odden von der Oregon State University in Corvallis jetzt vorstellt, dürften diese Zweifel weiter nähren. Die Epidemiologin wertete die Ergebnisse der National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) aus. Es handelt sich dabei um eine Querschnittserhebung zum Gesundheitszustand der US-Bevölkerung, den das US-National Center for Health Statistics regelmäßig durchführt. Zum Gesundheitscheck gehört nicht nur die Bestimmung des Blutdrucks. Bei Senioren wurde auch die Zeit gemessen, die sie für eine Gehstrecke von 6 Metern benötigten.

Odden unterteilt die Senioren (65 Jahre oder älter) in schnelle und langsame Geher (mehr oder weniger als 0,8 Meter/Sekunde) sowie solche, die die 6-Meter-Strecke gar nicht schafften. Die Ergebnisse setzte sie zu den Todesfällen in den nächsten Jahren in Beziehung. Ergebnis: Bei den schnellen Gehern war ein erhöhter systolischer Blutdruck (140 mm Hg oder höher) wie erwartet mit einem erhöhten Sterberisiko assoziiert (Hazard Ratio HR 1,35; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,03-1,77).

Bei den langsamen Gegner war die Assoziation nicht mehr signifikant, und bei Senioren, die zu gebrechlich für die 6-Meter-Strecke waren, war der erhöhte Blutdruck sogar mit einem niedrigeren Sterberisiko assoziiert (HR 0,38; 0,23-0,62 für die systolische und 0,10; 0,01-0,81) für die diastolische Hypertonie). Danach würde eine systolische und mehr noch eine diastolische Hypertonie das Sterberisiko deutlich vermindern.

Dieser Befund verleitet zu Spekulationen. Könnte es sein, dass ein höherer Blutdruck gebrechlichen Menschen eher nutzt als schadet, weil er die Blutversorgung des Gewebes durch atherosklerotisch versteifte Arterien verbessert? Der Kommentator James Goodwin vom Sealy Center on Aging der Universität von Texas in Galveston zitiert weitere epidemiologische Studien, darunter eine Auswertung der Framingham-Studie, die günstige Auswirkungen eines höheren Blutdrucks im Alter gefunden hätten. Diese epidemiologischen Daten stehen allerdings im Gegensatz zu den Ergebnissen der Interventionsstudien wie HYVET-Studie, die einen günstigen Wert einer maßvollen Blutdrucksenkung gezeigt haben.

Als randomisierte klinische Studien können sie eine höhere Evidenz für sich beanspruchen als epidemiologische Studien. Andererseits repräsentiert NHANES besser als die selektive Auswahl der Patienten in der HYVET-Studie den Bevölkerungsdurchschnitt. Es bleibt deshalb abzuwarten, ob die von Odden und Goodwin aufgeworfene Hypothese aufgegriffen wird für eine erneute Interventionsstudie, die die Auswirkungen der blutdrucksenkenden Therapie nach der Gebrechlichkeit der Senioren stratifiziert. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #110206
kairoprax
am Mittwoch, 18. Juli 2012, 13:44

höherer Blutdruck nutzt

Ein systolischer RR von 100+Lebensalter, sicher war diese alte Faustregel zu grob, aber sie war sicher nicht in Bausch und Bogen verkehrt gewesen.
Momentan erleben wir eine Art Rückbesinnung.
Vor wenigen Wochen stand hier noch die Erkenntnis, daß ein zu scharf eingestellter Diabetes (Typ II) eher schädlich als nützlich sei, jetzt wiederholt sich dasselbe beim Hochdruck.
Entgleisende Zucker- und RR-Werte sind schließlich Ergebnisse von einer zu kalorienreichen, zu unbeweglichen, zu nikotin- und alkoholhaltigen Lebensweise.
Belade ich ein Fahrzeug oder einen Menschen zu sehr und drossle dann nur ein paar Parameter, kann das überhaupt zielführend sein?
Ich bin sehr gespannt auf die weitere Entwicklung.

Dr.Karlheinz Bayer, Bad Peterstal
Avatar #110206
kairoprax
am Mittwoch, 18. Juli 2012, 13:44

höherer Blutdruck nutzt

Ein systolischer RR von 100+Lebensalter, sicher war diese alte Faustregel zu grob, aber sie war sicher nicht in Bausch und Bogen verkehrt gewesen.
Momentan erleben wir eine Art Rückbesinnung.
Vor wenigen Wochen stand hier noch die Erkenntnis, daß ein zu scharf eingestellter Diabetes (Typ II) eher schädlich als nützlich sei, jetzt wiederholt sich dasselbe beim Hochdruck.
Entgleisende Zucker- und RR-Werte sind schließlich Ergebnisse von einer zu kalorienreichen, zu unbeweglichen, zu nikotin- und alkoholhaltigen Lebensweise.
Belade ich ein Fahrzeug oder einen Menschen zu sehr und drossle dann nur ein paar Parameter, kann das überhaupt zielführend sein?
Ich bin sehr gespannt auf die weitere Entwicklung.

Dr.Karlheinz Bayer, Bad Peterstal
LNS

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