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Medizin

Transplantations­tourismus ist weltweit zurückgegangen, aber nicht gestoppt

Mittwoch, 18. Juli 2012

Berlin – Der Handel mit Organen und der Transplantationstourismus sind seit einem Bann der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) durch die Deklaration von Istanbul 2008 weltweit zurückgegangen, aber noch nicht gestoppt. Das war der Tenor einer Veran­staltung zum Transplantationstourismus während des Kongresses der Transplantation Society (TTS) in Berlin.

„Um Transplantationstourismus wirklich gut zu kontrollieren, ist vollständige Transparenz der Daten für Organempfänger und -spender eine unabdingbare Voraussetzung“, sagte Gabriel Danovitch von der University of California in Los Angeles, der federführend in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe der TTS und der International Society of Nephrology weltweit die Situation beobachtet und die Daten an die WHO weiterleitet.

Hatte die WHO im Jahr 2007 geschätzt, dass bei circa jedem zehnten transplantierten Organ Geld geflossen ist, so habe sich vor allem in den lateinamerikanischen Ländern, aber auch im mittleren und nahen Osten und auch in Singapur die Situation durch nationale Gesetze, die sich an der Deklaration von Istambul orientiert, deutlich verbessert.

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Dies sei dem internationalen Druck, auch aus der Wissenschaft, zu verdanken, sagte  Faissal Shaheen vom saudischen Center for Organ Transplantation in Rijad für die Middle East Society for Organ Transplantation. In Saudi-Arabien zum Beispiel waren im Jahr 2005 noch circa 750 Patienten für eine Organtransplantation ins Ausland, zum Beispiel nach China, gefahren und hätten vermutlich für die Organspende bezahlt, 2011 habe es noch circa 50 kommerziell vermittelte Transplantationen gegeben. In Kolumbien ist die Rate kommerzieller Transplantationen von 16 Prozent im Jahr 2008 auf ein Prozent gesunken.

Verbessert habe sich auch die Lage in China, wo in der Vergangenheit Organe von Exekutierten oder Gefangenen transplantiert wurden. Gleichwohl geht die TTS davon aus, dass das Problem nicht vollständig behoben ist. Um zu vermeiden, dass beim TTS klinische Daten präsentiert werden, die im Zusammenhang mit Verstößen gegen die Deklaration gewonnen wurden, hat die TTS die wissenschaftlichen Präsentationen chinesischer Forscher im Wesentlichen auf Grundlagenforschung beschränkt.

Für Deutschland, das immer wieder Ziel von Patienten zum Beispiel aus den Golfstaaten ist, forderte Richard Viebahn, Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik Bochum, eine erneute Diskussion der „Fünf-Prozent-Klausel“. Zentren dürfen für bis zu fünf Prozent der Transplantationen des Vorjahres Patienten aus Nicht-EU-Ländern auf die Warteliste setzen. Die Transplantationen werden privat liquidiert und sind für die Kliniken lukrativ.

Wenn eine Lebendorganspende zum Beispiel nicht durchführbar ist oder fehlschlägt, erhalten die Patienten ein Organ aus dem Pool von Eurotransplant. „Aus den Herkunftsländern der Patienten fließen keine Organe in den Pool zurück“, sagte Viebahn. „Das ist ein ethisches Problem, das wir angesichts des eklatanten Organmangels erneut diskutieren sollten“, sagte Viebahn zum Deutschen Ärzteblatt.

Die WHO entwickelt derzeit Richtlinien für die Diagnostik des Hirntods. In Deutschland  überarbeitet die Bundes­ärzte­kammer die entsprechenden Richtlinien, „allerdings nur im Sinne eines Feintunings“, sagte Peter Neuhaus von der Charite. Es werde die Frage diskutiert, wie sich bildgebende Verfahren obligatorisch in die Diagnostik etablieren ließen. © nsi/aerzteblatt.de

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