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Australisches Contergan-Opfer erzielt Millionen-Vergleich

Mittwoch, 18. Juli 2012

Sydney – Im Prozess gegen mehrere Pharmaunternehmen ist einem australischen Contergan-Opfer eine mehrfache Millionensumme zugesprochen worden. Es sei ein Vergleich erzielt worden, dessen Summe vertraulich behandelt werde, erklärten die Anwälte der 50-jährigen Lynette Rowe heute vor dem Obersten Gerichtshof im Bundesstaat Victoria. Der Betrag reiche aus, um die ohne Arme und Beine geborene Frau für den Rest ihres Lebens gut zu versorgen. 

Der Vergleich wurde demnach mit dem Pharmakonzern Diageo getroffen, der Nachfolge­gesellschaft der britischen Vertreiberfirma Distillers. An der Sammelklage sind zahlreiche weitere Opfer beteiligt, die mit Fehlbildungen zur Welt kamen, nachdem ihre Mütter während der Schwangerschaft ein Mittel mit dem Contergan-Wirkstoff Thalidomid eingenommen hatten.

Nach Angaben von Rowes Anwälten will Diageo auch mit anderen Klägern einen Vergleich erzielen. Bei der Bekanntgabe der Einigung brach Rowe in Tränen aus. Ihr Fall zeige, „dass man keine Arme und Beine braucht, um die Welt zu verändern“, sagte sie.

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Die Klage richtet sich auch gegen das deutsche Pharmaunternehmen Grünenthal. Der Prozess läuft derzeit noch, eine Anhörung ist für Oktober geplant. Rowes Anwälte wollen diese jedoch auf August 2013 verschieben, um Vergleichsverhandlungen zu ermöglichen und weiteren Geschädigten die Möglichkeit zu geben, sich an der Klage zu beteiligen. Rowes Anwalt Michael Magazanik warf Grünenthal vor, mehrfach versucht zu haben, den Fall zu behindern und sich nun „geweigert“ zu haben, sich an dem Vergleich zu beteiligen.  

Grünenthal kündigte an, sich dem Gerichtsverfahren stellen zu wollen. Er bedauere die „Konsequenzen der Thalidomid-Tragödie“, sei aber davon überzeugt, bei „Entwicklung des Medikaments“ alle damaligen Standards eingehalten zu haben, erklärte der deutsche Arzneimittelhersteller.  

In Deutschland war das Schlaf- und Beruhigungsmittel Contergan von 1957 bis 1961 rezeptfrei vertrieben worden. Sein Wirkstoff Thalidomid führte weltweit bei bis zu 12.000 Kindern, davon rund 5.000 in Deutschland, zu dauerhaften Schädigungen wie schwerwiegende Fehlbildungen von Armen und Beinen. © afp/aerzteblatt.de

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Gruenenthalopfer
am Samstag, 28. Juli 2012, 00:12

Pharmalobby verhindert nach wie vor angemessenen Schadenersatz für deutsche Opfer

Spätestens seit 1959 war den Verantwortlichen in Stolberg nachweislich klar, das Contergan Polyneuritis und Fruchtschäden verursachen kann. Aus Profitgier wurde das Präparat Contergan wider besseren Wissens weitere 2 Jahre nicht vom Markt genommen.
Wenn Grünenthal die Tötung und Verstümmlung Tausender von Opfern durch Contergan tatsächlich "unendlich leid " täte, so wie man in einer Presseerklärung verkündete, dann hätte das Unternehmen doch schon vor 50 Jahren angefangen, die Opfer in gleicher Höhe wie die australischen Opfer zu entschädigen oder würde sich zumindest heute der finanziellen Verantwortung stellen. In Australien verglich sich ein thalidomidgeschädigtes australisches Opfer mit Diageo (Der Rechtsnachfolger des damaligen britischen Grünenthal-Lizenznehmers Distillers) in einer Höhe von mehreren Millionen australischer Dollar.
Bis auf den heutigen Tag erfolgte weder eine nur ansatzweise adäquate Entschädigung noch auch nur ein Wort einer Entschuldigung gegenüber den deutschen Opfern. Statt dessen werden bei Grünenthal die Gewinne weiter kapitalisiert und die Verluste sozialisiert. Gewinne fliessen in die millionenschwere Renovierung des firmeneigenen Kupferhofs in Stolberg sowie in die Erweiterung des Auslandsgeschäfts. Die Verluste lässt sich die Firma durch den Steuerzahler seit nunmehr 41 Jahren bezahlen. Diejenigen ohne Arme und Beine unter uns, die im Rollstuhl mit 24-Stunden-Pflege leben müssen, werden mit einer vollkommen unzureichenden "Conterganrente" von max. nur 1152 Euro im Monat abgespeist wofür der Bund aufkommt. Das Familienvermögen der Grünenthaleigner Familie Wirtz in Aachen und Stolberg hingegen beträgt derzeit über 3300 Millionen Euro. Wenn denen das "unendlich leid" täte was sie da angerichtet haben, dann hätten sie die Opfer auch in der Weise entschädigt wie jüngst in Australien geschehen. Da muss das Unternehmen dann auf Worte Taten folgen lassen, um in der Öffentlichkeit glaubwürdig zu sein. Sonst bleibt es billige PR-Propaganda und zynische Makulatur eines wirtschaftlich gesunden Unternehmens mit einer höchst dubiosen Unternehmenshistorie.
In Deutschland schützt Grünenthal weiterhin als Bollwerk das Contergan-Stiftungsgesetz, welches den deutschen Opfern jegliches Recht untersagt, jemals Schadensersatz- und Regressforderungen gegenüber Grünenthal geltend zu machen. Wenn Grünenthal sich einem Gerichtsverfahren in Australien stellen "will" (besser gesagt: muss), warum dann nicht auch in Deutschland ?
LNS

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