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Medizin

Orale Immuntherapie kann Allergie auf Hühnereiweiß (manchmal) beenden

Donnerstag, 19. Juli 2012

Chapel Hill – Eine orale Immuntherapie mit einer langsam steigenden Dosis von Hühnereiweiß kann Kinder und Jugendliche von ihrer Nahrungsmittelallergie befreien. Das zeigen Ergebnisse einer randomisierten klinischen Studie im New England Journal of Medicine (2012; 367: 233-243).

Hühnereiweiß ist der häufigste Auslöser einer Nahrungsmittelallergie bei Kleinkindern. Die Prävalenz soll im Alter von 2 Jahren 2,5 Prozent betragen. Die meisten Kinder wachsen aus der Allergie heraus, einige reagieren aber auch im Alter von 5 bis 18 Jahren noch allergisch. So auch die 55 Teilnehmer einer Studie des Consortium of Food Allergy Research (CoFAR).

Alle hatten hühnereispezifische IgE-Antikörper im Blut und alle hatten die typischen Zeichen einer Allergie auf Hühnereiweiß erfahren: Die Symptome reichen von Rötungen, einer Urtikaria und Juckreiz bis zu lebensgefährlichen Schwellungen im Kehlkopf oder zu Blutdruckabfällen. Diese drohen immer dann, wenn die Allergiker Eier oder mit Hühnereiweiß versetzte Nahrungsmittel essen.

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Da selbst geringste Mengen eine Reaktion auslösen können, darf eine Desensi­bilisierung oder Immuntherapie, wie sie heute genannt wird, nur unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden, wie dies auch in der randomisierten klinischen Studie des CoFAR geschah. Bei 40 Kindern wurde mit einem Pulver aus Hühnerweiß eine orale Immun­therapie durchgeführt, wobei die Dosis im Verlauf der Monate langsam gesteigert wurde. Die anderen 15 Kinder bildeten die Kontrollgruppe. Alle Kinder und Jugendliche wurden angehalten, keine (weiteren) Nahrungsmittel mit Hühnereiweiß zu verzehren.

Dreimal im Verlauf der 2-jährigen Studie fand eine Probeexposition mit der Menge von maximal einem Hühnerei statt. Den ersten Test nach 10 Monaten bestanden 22 von 40 Kindern des Therapiearms, berichtet Wesley Burks von der Universität von North Carolina in Chapel Hill. Alle 15 Kinder der Kontrollgruppe reagierten dagegen weiter allergisch auf Hühnereiweiß.

Sie fielen auch im zweiten Test durch, der nach 22 Monaten durchgeführt wurden. Zu diesem Punkt hatte die Therapiegruppe die Desensibilisierung abgeschlossen: 30 von 34 Kindern reagierten nicht mehr allergisch auf Hühnereiweiß. Weitere 6 Kinder hatten die Studie vorher abgebrochen, zumeist wegen allergischer Reaktionen auf die orale Immuntherapie.

Der dritte abschließende Test fand vier bis sechs Wochen nach dem Ende der Therapie statt. Dieses Mal blieben noch 11 Kinder (28 Prozent der ursprünglich 40 Teilnehmer) ohne allergische Reaktion. Bei ihnen wurde eine anhaltende Nicht-Reaktionsbereitschaft (sustained unresponsiveness) diagnostiziert. Sie dürfen seither wieder Eier und Nahrungsmittel, die aus ihnen hergestellt werden, verzehren. Bei einer weiteren Befragung nach einem weiteren Jahr waren alle beschwerdefrei, teilt Burks mit.

Trotz der insgesamt geringen Rate einer „sustained unresponsiveness“ von 28 Prozent ist Burks mit den Ergebnissen zufrieden, da sie diesen Kindern die Chance bietet sich ohne Einschränkungen zu ernähren (sofern keine weiteren Nahrungsmittelallergien bestehen, was leider häufig der Fall ist). Bei den anderen Kindern konnte teilweise die Schwelle, ab der es zu allergischen Reaktionen kommt, angehoben werden, so dass auch sie nach einem versehentlichen Verzehr nicht gleich durch eine starke allergische Reaktion bestraft werden.

Burke ermahnt allerdings zur Vorsicht. Zwar sei es in der Studie während der oralen Immuntherapie nur selten zu allergischen Reaktionen gekommen; Reaktionen vom Grad 2 oder höher traten zu weniger als 1 Prozent auf. Die hohe Abbruchrate von 15 Prozent – zumeist infolge von allergischen Reaktionen – zeigt jedoch, dass eine orale Immuntherapie nicht völlig risikolos ist. © rme/aerzteblatt.de

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