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Medizin

ADHS-Therapie: Risiko kardialer Zwischenfälle gering

Freitag, 20. Juli 2012

Gainesville – Der Einsatz von Methylphenidat und Amphetamin-Salzen hat in den USA bisher nicht zu einem Anstieg von kardialen Todesfällen bei Kindern und Jugendlichen geführt. Dies geht aus einer Kohortenstudien an fast 400.000 Kindern im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2012; 345: e4627) hervor.

Ritalin (Wirkstoff: Methylphenidat) und das in Nordamerika häufig verordnete Adderall (Wirkstoff: Amphetaminsalze) können Herzrate und Blutdruck steigern. Nach mehreren Berichten über Todesfälle trägt Adderall in den USA deshalb einen umrahmten („boxed“) Warnhinweis. In Kanada war es sogar vorübergehend vom Markt genommen.

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In den Fachinformationen von Ritalin wird ebenfalls (auch in Deutschland) auf die Gefahr plötzlicher Todesfälle hingewiesen. Bei Patienten mit strukturellen Herzanomalien oder anderen schwerwiegenden Herzproblemen wird von einer Anwendung abgeraten. In der alltäglichen Verordnung von Ritalin scheint es aber selten zu Problemen zu kommen, wie Almut Winterstein von der Universität von Florida in Gainesville recherchiert hat.

Die Epidemiologin hat die Daten von Begünstigsten der US-Armenkasse Medicaid ausgewertet. Unter 24 Millionen unter 19-Jährigen waren 386.584 Kinder, denen eines der beiden Stimulanzien wenigstens einmal verschrieben worden war. Während einer Beobachtungszeit von 1,6 Jahren kam es zu insgesamt 66 plötzlichen Todesfällen oder Hospitalisierungen wegen Schlaganfall oder Herzinfarkt. Dies sind in diesem jungen Alter zwar sehr ungewöhnliche Ereignisse, sie traten aber auch bei Kindern auf, die niemals mit einem der beiden Medikamente behandelt wurden.

Winterstein errechnet eine Odds Ratio von 0,62 (also eher einer Risikominderung um 38 Prozent) für die mit Stimulanzien behandelten Kinder. Das 95-Prozent-Konfidenzintervall reicht von 0,27 bis 1,44. Selbst im ungünstigsten Fall würde die Therapie das Risiko schwerer kardiovaskulärer Ereignisse „nur“ um 44 Prozent erhöhen. Bei einer Hintergrundrate von weniger als 3 Ereignissen pro 100.000 Patientenjahre käme es auch unter der ungünstigen Annahme nur zu sehr wenigen zusätzlichen kardialen Komplikationen.

Winterstein weist aber darauf hin, dass die Hälfte aller Ereignisse bei einer kleinen Zahl von Patienten mit einem erhöhten Ausgangsrisiko auftraten, was die derzeitigen Sicherheitshinweise unterstreicht. Ein Unsicherheitsfaktor ist die kurze Nachbeobachtungszeit. Die Studie kann deshalb nicht ausschließen, dass die Komplikationsrate unter einer längeren Therapie nicht doch ansteigt.

© rme/aerzteblatt.de

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