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Medizin

HIV: Resistenzen in Entwicklungsländern nehmen zu

Montag, 23. Juli 2012

Genf – Im Süden und Osten Afrikas breiten sich Resistenzen gegen HI-Viren aus. Eine Studie der Weltgesundheitsorganisation im Lancet (2012; doi: 10.1016/­S0140-6736(12)61038-1) führt dies vor allem auf die lückenhafte Versorgung von HIV-Infizierten mit Medikamenten und die dort fehlende Diagnostik auf Resistenzen zurück.

Der „Rollout“ der antiretroviralen Therapie in den Entwicklungsländern wird allgemein als Erfolg gefeiert. Ende 2011 konnten in den Ländern mit niedrigem Einkommen insgesamt 8 Millionen Menschen mit antiretroviralen Medikamente versorgt werden. Das ist etwa die Hälfte aller Infizierter und 16 mal mehr als Ende 2003 (siehe Begleit-Meldung).

Nicht alle Patienten können jedoch kontinuierlich mit Wirkstoffen versorgt werden und nicht immer wird die Notwendigkeit der regelmäßigen Einnahme eingesehen. Außerdem stehen für die Entwicklungsländer in der Regel ältere Medikamente zur Verfügung, die stärkere Nebenwirkungen verursachen. Suboptimale Therapieregime oder -pausen ziehen schnell die Entwicklung von Resistenzen nach sich. Da die Ressourcen für kostspielige Laboruntersuchungen fehlen, bleiben die Resistenzen oft unentdeckt, schreibt die Gruppe um Silvia Bertagnolio von der Weltgesundheitsorganisation in Genf.

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Das Team hat die wenigen Studien zur Resistenzentwicklung in den ärmeren Ländern zusammengefasst. Ihre Ergebnisse zeigen, dass es vor allem im Süden und Osten Afrikas schon bald nach dem Beginn des Rollouts zur Entwicklung von Resistenzen kommt. In Südafrika steigt die Prävalenz von HIV-Resistenzen jedes Jahr um 14 Prozent. Für Ostafrika errechnen die Experten sogar einen Anstieg um 29 Prozent pro Jahr.

Dort sind 8 Jahre nach dem Rollout bereits 7,4 Prozent aller HIV-Positiven mit resistenten Viren infiziert, die langfristig den Therapieerfolg gefährden könnten. In West- und Zentralafrika scheint die Situation günstiger zu sein. Dort kam es nur zu einem nicht-signifikanten Anstieg, und in Lateinamerika gibt es offenbar kein steigendes Resistenzproblem. Für Asien legen die Forscher aufgrund der unterschiedlichen Entwicklung in den einzelnen Ländern keine Zahlen vor.

Die meisten Resistenzen betreffen Nichtnukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NNRTI) und hier die Mutation K103N in der Reversen Transkriptase. Bertagnolio schätzt den jährlichen Anstieg auf 36 Prozent in Ostafrika und 23 Prozent in Südafrika.  Die Konzentration auf wenige Resistenzen bietet nach Ansicht von Bertagnolio die Chance einer Surveillance, deren Kosten die Expertin mit 30 bis 60.000 US-Dollar pro Survey angibt.

Noch günstiger wären Tests, die nur nach einzelnen Mutationen suchen. Der Nachweis einer Resistenz ist nicht gleichbedeutend mit einem Therapieversagen, das aber droht, wenn die Medikation nicht gewechselt wird. Ein Wechsel setzt regelmäßige Tests voraus, die sich derzeit nur die Gesundheitssysteme in den Industrieländern leisten könnten. In den Entwicklungsländern fehlen neben den Labor auch die finanziellen Ressourcen für die alternativen Medikamente. © rme/aerzteblatt.de

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