NewsMedizinLunge kann auf Beatmungsgerät mit Pneumonie reagieren
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Lunge kann auf Beatmungsgerät mit Pneumonie reagieren

Dienstag, 24. Juli 2012

Ohio – Wenn Patienten für mehrere Tage ein Beatmungsgerät benötigen, reagiert die Lunge oftmals mit einer unkontrollierten Immunantwort, berichtet eine neue Studie im Journal of the Federation of American Societies for Experimental Biology (FASEB, doi: 10.1096/fj.11-199240). Das kann sehr rasch zu einer Lungenentzündung führen, warnen die Wissenschaftler des Heart and Lung Research Institutes der Ohio State University unter der Leitung von Samir Ghadiali. Gleichzeitig haben die Forscher aber therapeu­tische Angriffspunkte gegen diese Immunreaktion gefunden.

Die Abwehrreaktion ist mutmaßlich durch den hohen Druck heutzutage eingesetzter Beatmungsgeräte zu erklären. Diese Erkenntnis der Wissenschaftler reiht sich ein in die bislang bekannten Mechanismen der sogenannten Mechanotransduktion, also dem Einfluss einer mechanischen Kraft auf einen chemisch induzierten Prozess. Dazu gehörten beispielsweise die „Response-To-Injury“-Theorie der Arteriosklerose oder die unterschiedlichen Vermutungen zu der Entstehung eines Lungenemphysems, berichten die Forscher.

Für ihre Untersuchungen setzten die Forscher pulmonale Epithelzellen menschlicher Gewebeproben einem periodisch zu- und abnehmenden Druck aus. Die Proben stammten dabei aus tiefer gelegenen Lungenabschnitten, die den Wissenschaftlern zufolge besonders anfällig für Druckschwankungen sind.

Anzeige

Dabei zeigte sich, dass die Zellen bereits nach vier Stunden Druckexposition drei unter­schiedliche Zytokine produzierten, wie sie bei einer inflammatorischen Immunantwort vorkommen. Auch das gesamte entzündungstypische Reaktionen. So stimulieren die rhythmischen Druckwellen der künstlichen Beatmung die Produktion von proinflammato­rischen Proteinen, auch Toll-Like-Rezeptoren (TLR) genannt. Deren Hauptaufgabe besteht darin, körperfremde Pathogene wie Bakterien zu identifizieren und daraufhin andere Zellen der Immunantwort zu aktivieren.

Doch noch ein weiteres Molekül spielt in der Pathogenese dieser Reaktion eine wichtige Rolle: Kleine Ribonukleinsäuren, namentlich micro-RNA, sind ebenfalls dafür verantwort­lich, dass die TLR aktiviert werden können. Damit kommen den Autoren aus Ohio zufolge sowohl die TLR und die micro-RNA als mögliche neue Therapieziele infrage. © hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

12. August 2020
Freiburg – Ein Register für außerklinische Intensivpflege hat die Deutsche interdisziplinäre Gesellschaft für außerklinische Beatmung (DIGAB) vorgestellt. Es orientiert sich an dem
Register für außerklinische Intensivpflege vorgestellt
29. Juli 2020
Köln – In einer Fallserie beschreiben Michael Reich, Universitätsklinikum Freiburg, und Co-Autoren neuroretinale Schädigungen bei drei Patienten nach einer assistierten mechanischen Beatmung aufgrund
Sehverlust nach assistierter mechanischer Beatmung aufgrund von SARS-CoV-2
23. Juni 2020
Berlin – Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) hat bei verschiedenen Anbietern insgesamt mehr als 20.000 Beatmungsgeräte gekauft. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage
20.000 Beatmungsgeräte für Kliniken bundesweit
5. Mai 2020
Nürnberg – Fachgesellschaften für Intensivmedizin in Deutschland wehren sich gegen Kritik an der Behandlung von Patienten mit COVID-19. Die Versuche einzelner Ärzte, in den Medien Angst vor einer
Intensivmediziner verteidigen Behandlung von COVID-19-Patienten
28. April 2020
Minneapolis und Göttingen − Das akute Lungenversagen („Acute Respiratory Distress Syndrome“, ARDS) von Patienten mit COVID-19 unterscheidet sich nach Ansicht von Experten im Anfangsstadium vom
„CARDS”: Akutes Lungenversagen bei COVID-19 erfordert spezielle Beatmungstechnik
17. April 2020
Berlin – Die Beatmungstherapie von Patienten mit einer COVID-19-Pneumonie ist aktuell in der Diskussion. Dabei geht es um die Frage, ob SARS-CoV-2-Infizierte mit Dyspnoe womöglich zu früh oder zu
Wie COVID-19-Patienten rechtzeitig und richtig zu beatmen sind
15. April 2020
London − Eine mechanische Beatmung kann das Leben von Patienten mit COVID-19 nicht immer retten. Von den Patienten, die in Großbritannien auf Intensivstationen beatmet werden, konnte nach den
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER