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Politik

Daniel Bahr sieht Vertrauensverlust durch Göttinger Organspende-Skandal

Dienstag, 24. Juli 2012

Washington/DC – Deutschland droht einer der größten Skandale in der Geschichte der Organspende: Ein Göttinger Transplantationsmediziner soll in großem Stil Krankenakten manipuliert haben, um bestimmten Patienten eine Spenderleber zu verschaffen. Im Interview mit dem Deutschen Ärzteblatt nimmt Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Daniel Bahr (FDP) am Rande der Weltaidskonferenz in Washington Stellung zu den Vorgängen in Göttingen.

5 Fragen an  Bundesgesundheits­minster Daniel Bahr am Rande der Weltaidskonferenz in Washington

DÄ: Wie war Ihre Reaktion, als Sie von möglichen Manipulationen im Bereich der Transplantationsmedizin am Universitäts­klinikum Göttingen erfahren haben?

Bahr: Das war ein Schock, weil der Vorwurf, dass ein Arzt in Deutschland die hohen ethischen Regeln der Transplantationsmedizin missachtet haben soll, schwer wiegt. Gerade angesichts des Organmangels lebt die Transplantationsmedizin davon, dass Ärzte die strengen Regeln akzeptieren und dass das Vertrauen der Bevölkerung nicht missbraucht wird.

Die Vorwürfe, die im Raum stehen, müssen daher so schnell wie möglich aufgeklärt werden. Wenn sie sich bestätigen, müssen harte Konsequenzen gezogen werden - nicht nur für die verantwortlichen Mediziner, sondern auch in Bezug auf die Verfahrensregeln.

DÄ: Die Vorwürfe der Manipulation kommen zu einer Zeit, wo sich die Politik massiv um eine Erhöhung der Organspendebereitschaft in der Bevölkerung bemüht....

Bahr: .....Ja, das ist mir eine Herzensangelegenheit, denn ich bin schon lange in einer Organisation, in der sich auch viele transplantierte Menschen engagieren, aktiv. Wenn sich die Vorwürfe der Manipulationen bestätigen, dann wäre das ein schwerer Schlag für unser gemeinsames Bemühen durch Information für mehr Organspende zu werben. Die Warteliste ist schon lang und auf der anderen Seite gibt es nur geringe Spenderzahlen. Der mögliche Vertrauensverlust könnte diese Mangelsituationen verschärfen. Deswegen dürfen wir gerade jetzt nicht nachlassen, für die Organspende zu werben.

DÄ: Wie sehen Sie die Rolle der Bundes­ärzte­kammer in dieser Situation?

Bahr: Ich begrüße ausdrücklich, dass eine Diskussion in der Ärzteschaft über bessere Verfahrensregeln geführt wird. Ich wünsche mir, dass die ärztliche Selbstverwaltung Konsequenzen aus den Vorwürfen zieht und entsprechende Veränderungen in ihren Richtlinien vornimmt. Daher erwarte ich entsprechende Verbesserungsvorschläge von der Bundes­ärzte­kammer. Andernfalls wäre die Politik gefordert. Aber ich bin zuver­sichtlich, dass die Bundes­ärzte­kammer sinnvolle Maßnahmen ergreifen wird.

DÄ: Werden Sie der Bundes­ärzte­kammer diesbezüglich zeitliche Vorgaben machen?

Bahr: Die Bundes­ärzte­kammer weiss selbst um ihre Verantwortung und die Dringlichkeit der Dinge. Wichtig ist, dass die Vorwürfe so schnell wie möglich aufgeklärt werden.

DÄ: Sie gehen also davon aus, dass mehrere Ärzte an dem Vorfall beteiligt sind?

Bahr: Dieses ermittelt gerade die Staatsanwaltschaft. Die Ständige Kommission Organtransplantation hat diese Vermutung geäußert. © zyl/aerzteblatt.de

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klausenwächter
am Samstag, 28. Juli 2012, 01:32

Fehlende Verfahrenskenntnisse im Ressort

Die Hauruck-Besetzung von Ressorts läßt nur Überraschung und Schockierung als Pressenoten entstehen.
LNS

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