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Behandlungsfälle in deutschen Krankenhäusern steigen weiter

Dienstag, 24. Juli 2012

dpa

Berlin – Der Trend hält an: Auch im vergangenen Jahr hat die stationäre Verweildauer pro Behandlungsfall abgenommen. Sie fiel von 8,5 Tagen im Jahr 2010 auf 8,4 Tage. Zugleich stieg erneut die Anzahl der stationären Behandlungen von 186 Fällen je 1.000 Versicherte im Jahr 2010 auf 190 Fälle je 1.000 Versicherte. Das geht aus dem aktuellen Barmer GEK Krankenhausreport 2012 hervor, der heute in Berlin vorgestellt wurde.

Maßgeblich verantwortlich für die gesunkene Verweildauer ist der Rückgang der Be­hand­lungszeiten bei Krankheiten des Kreislaufsystems. Diese sanken von 380 Behand­lungstagen je 1.000 Versicherte im Jahr 1990 auf 219 Tage je 1.000 Versicherte im ver­gan­genen Jahr. Im Gegenzug nahm die Verweildauer bei psychischen Erkrankungen im selben Zeitraum zu: von 175 Behandlungstagen je 1.000 Versicherte im Jahr 1990 auf 289 Tage je 1.000 Versicherte im Jahr 2011.

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Einen Schwerpunkt legt der jüngste Krankenhausreport auf das Prostata­karzinom. „Nach dem Hautkrebs ist dieses Karzinom die zweithäufigste Krebserkrankung bei Männern. Es ist die Volkskrankheit älterer Männer“, sagte der stellvertretende Vorstands­vorsitzende der Barmer GEK, Rolf-Ulrich Schlenker. Und er sei für etwa zehn Prozent aller Sterbefälle durch Krebserkrankungen verantwortlich.

Insgesamt wurden 2011 an deutschen Krankenhäusern etwa 31.000 radikale Prosta­tektomien durchgeführt, zudem 10.000 minimalinvasive Operationen, 3.000 Operationen mit Brachytherapie, 2.000 Chemotherapien und 1.600 perkutane Bestrahlungen. Die Gesamtkosten für die stationäre Versorgung von Patienten mit Prostatakrebs lagen bei 364 Millionen Euro für alle gesetzlichen Krankenkassen.

Erfreulich sei es, dass über alle Altersgruppen hinweg zunehmend gefäß- und nerven­schonende Operationstechniken eingesetzt würden, erklärte Schlenker. Moderne Medizintechnik komme also in der onkologischen Breitenversorgung an.

Etwa 50 Prozent aller Krankenhauspatienten mit einem Prostatakarzinom erhielten eine radikale Prostatektomie, erklärte Eva Maria Bitzer vom Institut für Sozialmedizin, Epide­miologie und Gesundheitssystemforschung (ISEG), eine der Autorinnen des Reports. Die meisten dieser Männer seien dabei im Alter zwischen 65 und 70 Jahren. Darüber hinaus erhalten vier von fünf Männern unter 55 Jahren eine radikale Prostatektomie, Männer ab dem 80. Lebensjahr hingegen werden praktisch gar nicht mehr operiert.

Etwa die Hälfte der Patienten, die infolge eines Prostatakarzinoms operiert wurden, ist ein Jahr nach ihrer Entlassung mit dem Behandlungsergebnis eingeschränkt zufrieden oder unzufrieden. Das ergab eine Befragung unter 825 Barmer GEK-Versicherten im Rahmen des Krankenhausreports. 70 Prozent der Befragten litten unter einer erektilen Dysfunktion, 16 Prozent unter Harninkontinenz, sieben Prozent unter starken Blutungen.

„Gerade beim Prostatakrebs muss die Behandlung nicht immer gleich eine Operation nach sich ziehen“, meinte Bitzer. Eine aktive Überwachung der Patienten sei daher eine Alternative, die auch zu weniger Nebenwirkungen führe.

Derselben Ansicht ist der Präsident des Berufsverbandes der Deutschen Urologen. Bei milden Formen eines Prostatakrebses sei eine Operation nicht in jedem Fall die beste Therapie, erklärte Axel Schroeder im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt bereits vor einigen Wochen. Bei einem diagnostizierten Karzinom nichts zu machen, sei aber sowohl eine Herausforderung für den Patienten als auch für den Arzt. „Trotzdem glauben wir, dass es in vielen Fällen der richtige Weg ist“, so Schroeder. Das Problem sei nur, dass im deutschen Gesundheitswesen die Anreize falsch gesetzt seien. Schroeder: „Für eine Operation im Krankenhaus gibt es viel Geld. Für eine aktive Begleitung der Patienten ohne eine Operation gibt es fast gar nichts.“ © fos/aerzteblatt.de

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