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Medizin

Tuberkulose: Neue Kombination schneller effektiv

Dienstag, 24. Juli 2012

Tygerberg – Die TB-Alliance, eine nicht kommerzielle Forschungsinitiative mit Sitz in Südafrika, hat eine neue Kombinationstherapie der Tuberkulose entwickelt. Sie verzichtet weitgehend auf die derzeitigen Standardmedikamente und könnte deshalb auch gegen multiresistente Erreger eingesetzt werden. Die auf der 19. Weltaidskonferenz vorgestellten und im Lancet (2012 doi: 10.1016/S0140-6736(12)61080-0) vorgestellten Ergebnisse sind vielversprechend aber präliminär.

Die Standard-Medikamente für die Tuberkulose sind Isoniazid (1952 in Deutschland eingeführt) Rifampicin (1966), Pyrazinamid (1952) und Ethambutol (1961). Seit den 80er Jahren haben sich Resistenzen gegen Rifampicin und Isoniazid ausgebreitet, die die Therapie erschweren. Diese MDR-TB zwingt die Ärzte auf weniger gut verträgliche Reservemedikamente zurückzugreifen, die oft über einen längeren Zeitraum verabreicht werden müssen.

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Seit einigen Jahren werden auch Resistenzen gegen die Reservemedikamente beobachtet. Die sogenannten XDR-TB könnte die Tuberkulose wieder zu einer nicht heilbaren Erkrankung machen, was vor allem bei HIV-infizierten Patienten zu einem schnellen Tod führen kann.

Das Team um Andreas Diacon von der Stellenbosch Universität in Tygerberg/Südafrika setzt jetzt eine neue Kombination dagegen. Sie verbindet das von Resistenzen wenig betroffene Standardmedikament Pyrazinamid mit dem von Bayer Healthcare entwickelten Gyrasehemmer der vierten Generation Moxifloxacin (1999) und der experimentellen Substanz PA-824 (von PathoGenesis Corporation, Seattle, entwickelt, mittlerweile bei Novartis). PA-824 gehört zu einer Reihe von neuen Wirkstoffen, die derzeit geprüft werden.

Tierexperimentelle Studien hatten gezeigt, dass die neue Dreierkombination eine starke bakterizide Wirkung auf Mycobacterium tuberculosis hat. Mittlerweile liegen die Ergebnisse einer klinischen Phase-IIA-Studie (New Combination 1 oder NC-001) vor, die verschiedene Kombinationen verglich.

Endpunkt der Studie war die bakterizide Wirkung auf die Sputumkulturen in den ersten 14 Tagen der Therapie. Sie lässt zwar noch keine Vorhersage über die klinische Effektivität der Tuberkulose voraus, die über 6 Monate und bei MDR-TB und XDR-TB oft über zwei bis drei Jahre erforderlich ist.

Die Kombination aus PA-824-Moxifloxacin-Pyrazinamid übertraf laut Diacon alle anderen Kombinationen. Ihre Effektivität lag im Bereich der Standardtherapie (Rifampicin, Isoniazid, Pyrazinamid plus Streptomycin oder Ethambutol). Innerhalb der ersten beiden Therapiewochen wurden mehr als 99 Prozent der Tuberkulosebakterien abgetötet.

Dabei scheint die Kombination gut verträglich zu sein, auch wenn einer der 13 Patienten die Therapie wegen einer Verlängerung des QT-Intervalls im EKG vorzeitig abbrechen musste. Weitere Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit wird die Anfang des Jahres begonnene Studie New Combination 2 (NC-002) liefern.

Sollte die klinische Entwicklung weiter erfolgreich verlaufen, könnte PA-824-Moxifloxacin-Pyrazinamid sich zu einem Standard entwickeln, glaubt Giovanni Battista Migliori von der Fondazione Salvatore Maugeri in Tradate/Italien, das für die Weltgesundheits­orga­nisation tätig ist. Der Verzicht auf drei von vier Standardmedikamenten mache die Kombination auch für die MDR-TB interessant.

Günstig sei auch das geringe Potenzial von Wechselwirkungen mit den antiretroviralen Substanzen, die vor allem in Afrika viele Patienten benötigen, wenn sie mit HIV und Tuberkulose koinfiziert sind. Aber auch Migliori ist klar, dass sich die Ergebnisse der klinischen Studien und die weitere Entwicklung von Resistenzen nicht vorhersagen lassen. © rme/aerzteblatt.de

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