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Medizin

Alzheimer: Antikörper erweist sich als wirkungslos

Dienstag, 24. Juli 2012

New York – Der monoklonale Antikörper Bapineuzumab, der im Gehirn Beta-Amyloid-Proteine beseitigen soll, bevor es zu den Ablagerungen kommt, die als Ursache des Morbus Alzheimer gelten, hat in einer profilierten Phase-III-Studie dreier US-Pharma­firmen enttäuscht. Die Hoffnungen ruhen jetzt auf drei weiteren laufenden Studien.

Bapineuzumab ist das Nachfolgeprojekt des gescheiterten Impfstoffes AN1792. Dieser hatte in tierexperimentellen Studien erfolgreich die Bildung von Antikörpern stimuliert, die im Gehirn Beta-Amyloide erkannten und entfernten. Im Jahr 2002 musste dann jedoch eine Phase II-Studie aus Sicherheitsgründen abgebrochen werden: 6 Prozent der Teilnehmer waren an einer aseptischen Meningoenzephalitis oder Leukoenzephalopathie erkrankt.

Es gab jedoch Hinweise, dass die Impfung eine Wirkung erzielte. Diese wurde auch vom monoklonalen Antikörper Bapineuzumab erwartet, freilich ohne die schweren Kompli­kationen. Der von der irischen Firma Elan und dem US-Konzern Wyeth (heute Pfizer) entwickelte Antikörper wird zusammen mit Johnson & Johnson, die sich inzwischen eingekauft hat, in einem großangelegten Alzheimer’s Immunotherapy Program auf seine Tauglichkeit zur Behandlung der häufigsten Demenzerkrankung geprüft.

Insgesamt vier klinische Studien wurden begonnen. In jeweils zwei Studien, eine in Nordamerika, die andere außerhalb, wurde Bapineuzumab bei Patienten mit dem genetischen Risikomarker ApoE4 und bei Non-Carriern untersucht. Die erste Studie, die in Nordamerika an ApoE4-Carriern durchgeführt wurde, ist inzwischen beendet.

1.121 Patienten mit einer klinischen Diagnose eines Morbus Alzheimers und leichter Demenz (MMSE 16-26) hatten an 186 Zentren alle 13 Wochen eine intravenöse Infusion mit Bapineuzumab oder Placebo erhalten. Doch nach 18 Monaten und 6 Infusionen war im primären Endpunkt (kognitive und funktionelle Leistung) kein Vorteil gegenüber Placebo erkennbar, wie Pfizer jetzt in einer Pressemitteilung berichtet. Die Antikörpertherapie wurde abgesetzt. Alle Patienten werden nur noch nachbeobachtet.

Es könnte die erste von mehreren Enttäuschungen für das Alzheimer’s Immunotherapy Program werden. Die Ergebnisse der nächsten Studie werden noch für den Sommer erwartet. Sollte es neue Misserfolge geben, dürfte die Debatte über die Amyloid-Hypothese des Morbus Alzheimer wieder aufleben. Eine andere Erklärung könnte sein, dass die Therapie zu spät kam. Neuere Studien zeigen, dass zwischen den ersten Ablagerungen und der Demenz mehr als 25 Jahre liegen können. © rme/aerzteblatt.de

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