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Politik

Kassen fordern Nachbesserung bei geplantem Ausbau der Krebsvorsorge

Dienstag, 24. Juli 2012

Berlin – Aus Sicht der gesetzlichen Kassen müssen die Pläne von Ge­sund­heits­mi­nis­ter Daniel Bahr (FDP) zum Ausbau der Krebsvorsorge nachgebessert werden. Das Ziel, die Situation für die Patienten zu verbessern, werde mit dem Gesetzentwurf noch nicht umfassend erreicht, erklärte AOK-Vorstand Uwe Deh am Dienstag anlässlich einer Anhörung zu dem Entwurf. Umstritten ist vor allem die künftige Gestaltung der Krebsregister und die Finanzierung.

„Der jetzige Flickenteppich von mehr als 50 Krebsregistern muss abgelöst werden durch aussagefähige, übergreifende und transparente Daten", forderte Deh. Die bestehenden regionalen Register seien häufig viel zu kleinteilig mit zu niedrigen Fallzahlen und entsprechend häufigen Fehlerquellen. Deh plädierte daher für ein bundesweites Register.

Der Ersatzkassenverband Vdek sprach sich für nur ein Krebsregister pro Bundesland aus, damit die Arbeit an zentraler Stelle gebündelt werden kann. Krebsregister seien hilfreich, Defizite in der Versorgung zu erkennen, erklärte Vdek-Chefin Ulrike Elsner. Zwingende Voraussetzung dafür sei jedoch eine „vollständige, flächendeckende Datenerfassung, die deutschlandweit nach einheitlichen Kriterien erfolgt“.

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Der Vizechef der Barmer GEK, Rolf-Ulrich Schlenker, begrüßte indes den Referen­ten­entwurf zum Ausbau klinischer Krebsregister. Voraussetzung sei aber eine ausgewo­gene Finanzierung der Registerstellen durch sämtliche Beteiligten.

Doris Pfeiffer, Chefin des Spitzenverbands der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV), lehnte eine Pauschalförderung der Krebsregister durch die Kassen ab. „Leider stehen bei den geplanten klinischen Krebsregistern Verantwortung, Finanzierung und Nutzen in keinem angemessenen Verhältnis", sagte sie der Welt vom Dienstag. Ihre Sorge sei, dass die Beitragszahler das Vorsorgeprogramm und die damit verbundenen Forschungsprojekte und Verwaltungsstrukturen pauschal finanzieren, obwohl der Nutzerkreis sehr viel breiter ist.

Im Referentenentwurf des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums sind klinische Krebsregister vorgesehen, deren jeweiliges Einzugsgebiet auf Landesebene festgelegt werden soll. Mehrfachmeldungen sollen durch einen Datenaustausch verhindert werden. Die Einrichtung der klinischen Krebsregister sollen die Länder finanzieren, die Betriebskosten die gesetzlichen Kassen und die privaten Kran­ken­ver­siche­rungen.    

Zudem sollen Versicherte nach den Plänen von Bahr nach dem Vorbild der Brustkrebsvorsorge für Frauen künftig von ihrer Kasse auch gezielt zur Darmkrebs- und Gebärmutterhalskrebsvorsorge eingeladen werden. Anstelle der heute geltenden starren Altersgrenzen, bei denen die Kassen die Kosten für Vorsorgeuntersuchungen übernehmen, sollen künftig medizinische Kriterien gelten.

Kassen an ihre Mitglieder zur Vorsorgeuntersuchung sinnvoll ist. So ließen sich bei der Vorsorgeuntersuchung zum Gebärmutterhalskrebs bereits heute - bezogen auf einen Drei-Jahres-Zeitraum - weit mehr als 80 Prozent der Frauen zwischen 20 und 30 Jahren durchchecken. Das sei auch durch Einladungen „kaum noch zu toppen".  

Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium will die Stellungnahmen nach Angaben einer Sprecherin prüfen und anschließend einen Gesetzentwurf vorlegen. Das Kabinett werde sich voraussichtlich am 22. August damit befassen. © afp/aerzteblatt.de

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 25. Juli 2012, 09:22

Krebsregister- und Präventionswirrwarr beenden!

Bei derzeit 50 verschiedenen Krebsregistern und inkompatiblen Datenerhebungs-Systemen in Deutschland kann man wahrlich von "Neuer Unübersichtlichkeit" (Jürgen Habermas) sprechen.

Um Krebs als inzwischen zweithäufigste Todesursache vorsorglich zu detektieren, zu untersuchen, differenziert zu diagnostizieren und stadiengerecht kurativ bzw. palliativ zu behandeln, bedarf es eines bundesweit einheitlichen Krebsregisters, vergleichbar mit Großbritannien und Skandinavien. Umfassende epidemiologische Untersuchungen mit Schwerpunkt Versorgungsforschung würden zum Erkenntnisfortschritt beitragen.

Aber bevor der Ge­sund­heits­mi­nis­ter nichtsahnend neue organisierte Vorsorgeprogramme plant - auch das Präventionschaos muss beendet werden:
Noch im letzten Jahrtausend wurden jahrzehntelang Krebsvorsorgedokumentationen als Muster 40a für Männer ausgefüllt, bei den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) archiviert, aber zuletzt verworfen. Denn sie konnten mangels intelligenter Erhebungsmethodik nie evaluiert werden.
Berichtsvordrucke Muster 30 ("Check-Up-35") als "Gesundheitsuntersuchung" sehen nicht mal die Rubrik 'Krebserkrankung' vor! Von irgendeiner Auswertung der Risikofaktoren ganz zu schweigen. Implementierungen von Adipositasberatung, Prävention von Nikotinabusus, Alkohol- und anderen Abhängigkeitserkrankungen, Fehlernährung als karzinogene Kofaktoren stehen weder auf der KV-, KBV- oder GKV-Agenda.

Krebsvorsorge beim Mann findet kaum Akzeptanz: Während bei Frauen ab 20, 30 und 50 Jahren differenzierter Früherkennungsumfang gynäkologischerseits gefordert und gefördert wird. Beim Mann dagegen Leitlinienchaos! Ab 45 Jahren Genital- Prostata- und Hautuntersuchungen; Darmuntersuchungen(?) aber erst ab 50. Keine verbindlich evaluierte PSA-Testung. Von 50 bis 55 Jahren 1 x jährlich Hämoccult. Männer ab 55 Jahren, die k e i n e Präventivkoloskopie machen lassen, sollen (zur Strafe?) nur alle 2 Jahre einen Hämocculttest bekommen, obwohl die Darmkrebsprävalenz und -inzidenz ansteigen. Mit 55 die erste Präventivkoloskopie und mit 65 Jahren die zweite durchgeführt, senken Morbidität und Mortalität signifikant.

Genau dieses KBV-Wirrwarr, im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) für Männer festgeschrieben, fördert Frustration, Demotivation und Entmutigung in der Krebs-Prävention, bei Vertragsärzten wie Patienten gleichermaßen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

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