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Medizin

Prostatakarzinom: Potenzstörungen sorgen für Unzufriedenheit

Mittwoch, 25. Juli 2012

Hannover – Trotz der vermehrten Anwendung von nervenerhaltenden Operations­techniken leiden die meisten Patienten ein Jahr nach einer Prostatektomie an einer erektiler Dysfunktion. Dies ergab eine Patientenbefragung unter Versicherten der Barmer Ersatzkrankenkasse.

In Deutschland werden jährlich 82.000 Männer wegen eines Prostatakarzinoms im Krankenhaus behandelt. Bei jedem zweiten wird eine radikale Prostatektomie durch­geführt. Die Entscheidung zur Operation fällt vor allem bei jüngeren Menschen. Bei den unter 55-Jährigen liegt die Rate bei 80 Prozent. Männer über 80 Jahre werden in Deutschland praktisch nicht mehr operiert, schreiben Eva Maria Bitzer vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung in Hannover und Mitarbeiter im Barmer GEK Report Krankenhaus 2012, der sich in diesem Jahr schwerpunktmäßig mit dem Prostatakarzinom beschäftigt.

Im internationalen Vergleich belegt Deutschland eine obere Position. Mit 7,8 Prostatek­tomien pro 10.000 Männer liegt die Rate fast doppelt so hoch wie in den USA (4,4/10.000 Männer). Noch häufiger wird allerdings in Österreich prostatektomiert (11,0/10.000 Männer). Anders als in den USA ist es in Deutschland nach der Einführung des PSA-Screenings zu keiner nennenswerten Zunahme der Operationen gekommen.

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Die Untersuchung enthält allerdings keine Angaben zum Stadium der Erkrankung. Es darf aber angenommen werden, dass die Patienten in Deutschland relativ spät operiert werden. Ein Hinweis darauf ist die relativ niedrigere Rate von Operierten im Alter von 45 bis 64 Jahren: Deutschland 24 Prozent USA 50 Prozent.

Als sehr erfreulich bewertet Bitzer die Zunahme von gefäß- und nervenerhaltenden Operationsverfahren. Der Anteil stieg innerhalb wenigen Jahre von 30 Prozent (2005) auf aktuell 54 Prozent. Die nervenerhaltenden Operationsverfahren haben laut der Auswertung einer Umfrage unter 825 Patienten die Rate von erektilen Dysfunktionen um 70 Prozent (Odds Ratio 0,30) und die Beeinträchtigung der Sexualität um 31 Prozent (Odds Ratio 0,69) gesenkt. Patienten, die nicht operiert wurden, leiden zu 74 Prozent (Odds Ratio 0,26) seltener an einer erektilen Dysfunktion als Patienten, die sich einer klassischen radikalen Prostatektomie ohne gefäß- und nervenschonende Operationstechnik unterzogen haben.

Insgesamt war die Rate der erektilen Dysfunktionen sehr hoch. Ein Jahr nach der Operation gaben 90,6 Prozent der beim ersten Kranken­haus­auf­enthalt, und 93,4 Prozent der zu einem späteren Zeitpunkt Operierten eine erektile Dysfunktion an.

Sie bestand aber auch zu 85,3 Prozent bei den Patienten, die niemals operiert wurden, sondern sich anderen Therapien unterzogen, von denen einige ebenfalls zur Impotenz führen. Bei der Hormontherapie ist dies sogar die Regel. Die Studie macht keine Angabe zum Anteil der Patienten, die sich nach der Diagnose für eine abwartende Haltung entscheiden.

Da die Patienten nicht nach den Potenzstörungen vor der Operation befragt wurden – Blitzer gibt die Prävalenz an einer Stelle mit 10 bis 21 Prozent an – bleibt unklar, welcher Anteil auf das Alter, welcher auf die Erkrankung und welcher auf die Therapie zurückzu­führen ist. Die Unzufriedenheit mit ihrer Sexualität war mit 60 bis 65 Prozent in allen drei Gruppen gleich häufig.

Eine Harnwegsinkontinenz berichteten ein Jahr nach der Prostatektomie 15,9 Prozent der sofort und 19,6 Prozent der später Operierten. Aber auch 12,1 Prozent der niemals Operierten beklagten sich über einen unfreiwilligen Urinabgang. Mehr als fünf Vorlagen pro Tag benötigten 3,9 Prozent, 6,5 Prozent und 1,2 Prozent der Befragten.

Ein Fünftel der befragten Männer konnte sich an perioperative Komplikationen erinnern. Im Vordergrund standen Blutungen, die bis zu 8,8 Prozent (später Operierte) angaben. Bei 4,0 Prozent soll es zu einer Verletzung des Darms gekommen sein.

Trotz dieser insgesamt pessimistisch stimmenden Zahlen waren ein Jahre nach der Operation 55,1 Prozent der Patienten mit dem Behandlungsergebnis uneingeschränkt zufrieden. Die Rate war kaum niedriger als bei Patienten, die ein künstliches Hüftgelenk erhalten hatten.

Hier waren in einer anderen Untersuchung von Bitzer 63,4 Prozent mit dem Behandlungsergebnis uneingeschränkt zufrieden gewesen. Ob die beiden Ergebnisse verglichen werden können, ist indes fraglich. Die Zufriedenheit der Patienten misst sich an den Erwartungen, die bei einem Gelenkersatz wahrscheinlich höher sind als nach einer Prostatektomie. © rme/aerzteblatt.de

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